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Das Wallis bessert das Milchgeld auf

Der Kanton greift den Walliser Milchbauern unter die Arme: Sie erhalten für die 2011 abgelieferte Menge eine einmalige Subvention von 15 Rappen pro Kilogramm.

Von Richard Diethelm, Lausanne Aus Walliser Kuhställen stammt zwar nur knapp 1,5 Prozent der Milch, die in der Schweiz als solche konsumiert wird. Doch die desolate Lage auf dem Markt für sogenannte Industriemilch hat Volkswirtschaftsdirektor Jean-Michel Cina zu einem Schritt bewogen, der in der Schweizer Milchpolitik beispiellos ist: Die Walliser Bauern, die im vergangenen Jahr 6 Millionen Kilogramm Industriemilch produzierten, erhalten aus der Staatskasse einen Zustupf von 15 Rappen pro Kilogramm. Bauern, die Milch mit Preisstützung des Bundes zur Käseherstellung liefern, erhalten diese kantonale Subvention nicht. Cina will mit dieser «dringlichen Massnahme», die den Kanton 900 000 Franken kostet, eine «weitere Abnahme der Walliser Milchproduktion» verhindern. Letztes Jahr produzierten die Bauern 1 Million Kilo weniger Milch als 2010. 30 Betriebe gaben auf, weil der Walliser Preis für Industriemilch im Jahresdurchschnitt auf 57,9 Rappen pro Kilo sank. Im letzten Dezember lag er gar bei nur 53,3 Rappen. «Wir wollen die verbleibenden Produzenten von Industriemilch bei der Stange halten und sie mit längerfristig wirkenden Massnahmen dazu führen, künftig Milch zu einem besseren Preis für höherwertige Produkte wie Käse oder Joghurt zu produzieren», begründet Cina die kantonale Subvention. Problem nur aufgeschoben? Ein vergleichbarer Fall ist Stefan Hagenbuch nicht bekannt, der beim Dachverband der Schweizer Milchproduzenten (SMP) für Internationales und Marktfragen zuständig ist: «Das ist eine kurzfristige Massnahme, um die wirtschaftliche Härte abzufedern.» Er hält jene Massnahmen für ebenso wichtig, die das Walliser Volkswirtschaftsdepartement unter dem Titel «Tierproduktion Vision 2015» mittel- und langfristig plant und gestern in die Vernehmlassung geschickt hat: Vorgesehen ist, den Anteil der verkästen Milch zu steigern und die Rentabilität der Käsereien zu verbessern. Bei der Branchenorganisation Milch, die mühsam einen Ausgleich der Interessen von Prozenten, Verarbeitern und Handel anstrebt, staunt Geschäftsführer Daniel Gerber über die Walliser Subvention: «Das nimmt momentan etwas Preisdruck weg. Aber wenn der Kanton den Milchpreis jedes Jahr aus der Staatskasse subventioniert, schiebt er das Problem nur auf.» Cina hingegen beteuert, der Preiszuschlag auf Industriemilch werde ein einziges Mal ausgerichtet, danach müssten die langfristigen Massnahmen greifen. Keine Preiserholung in Sicht Problematisch findet Gerber, dass das Wallis die 15 zusätzlichen Rappen pro Kilogramm Industriemilch mit dem gleich hohen Zuschlag in Verbindung bringt, den der Bund allen Produzenten von verkäster Milch ausrichtet: «Beim Käse herrscht zwischen der Schweiz und der EU seit 2007 Freihandel, daher stützt der Bund den Preis für verkäste Milch mit 15 Rappen. Im Bereich Industriemilch besteht jedoch immer noch ein Schutz vor Importen.» Weder Hagenbuch noch Gerber glauben, dass der Preis für Industriemilch in naher Zukunft auf ein höheres Niveau klettern wird. «Für eine nachhaltige Erholung des Milchpreises müsste die Wertschöpfung in der Verarbeitung und Vermarktung verbessert werden, der Euro gegenüber dem Franken erstarken und das Preisniveau in der EU steigen. Das würde den Käseexport attraktiv machen», sagt Hagenbuch, der Marktspezialist des Dachverbandes der Milchproduzenten. Der Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch seinerseits sagt, der Druck auf den Milchpreis in der Schweiz werde erst nachlassen, «wenn wir das Mengenproblem in den Griff bekommen». Gesamtschweizerisch bestehe ein Überangebot an Milch, egal ob für den Konsum oder für die Verarbeitung bestimmt, von 5 bis 6 Prozent. Bildlegende. Foto: Vorname Name (Agentur) Kühe grasen in Collombey VS auf einer Wiese unweit der Tamoil-Raffinerie. Foto: Luca Da Campo (Strates)

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