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Das ungebremste Wachstum birgt Gefahren

Exzellenz?Die Mittelschulen gelten als Königsweg zum Studium. Doch wie lange noch? Von Daniel Schneebeli So viele neue Schülerinnen und Schüler wie nach diesen Sommerferien sind im Kanton Zürich noch nie in eine Mittelschule eingetreten. Gymnasien liegen im Trend, seit Jahrzehnten schon. Trotz der starken Konkurrenz von Berufslehren und Berufsmaturitätsschulen steigen die Anmeldungen bei den Gymnasien ungebrochen weiter an – besonders deutlich in den letzten Jahren. Die Anziehungskraft der Mittelschulen ist eigentlich erstaunlich, denn sie fallen nicht durch eine besondere Innovationskraft auf. Es gibt zwar zweisprachige Maturitätslehrgänge und an einzelnen Schulen Selbst-Lernsemester. Doch im Grossen und Ganzen bieten Gymnasien, was sie immer geboten haben: eine allgemeine und breit ausgerichtete Ausbildung in der Schulbank. Nichts Revolutionäres, nur eine anspruchsvolle Fortsetzung der Volksschule. Trotzdem – oder vielleicht gerade darum – ist das Gymnasium so beliebt. Wer sich für diesen Bildungsweg entscheidet, weiss, was er bekommt: den direkten Zugang zu den besten Hochschulen des Landes. Freiwilligkeit und Zwang Doch dies allein erklärt die Popularität der Mittelschulen nicht. Ein Gymnasium ist mehr als eine Schule – es ist eine Marke der Exzellenz, ein Prestigeobjekt. Das zeigt ein Blick auf die Kantonskarte: Dort, wo der Geldadel wohnt, ist die Maturandenquote weitaus am höchsten. Im Schulkreis Zürichberg liegt sie bei 57,7 Prozent, in Zumikon bei 56,8 Prozent, in Herrliberg bei 51,5. Die hohe Zahl von Gymnasiasten kann hier nicht allein auf die Bildungsnähe der Elternhäuser zurückgeführt werden. Für viele Kinder ist das Gymnasium Pflicht. Ihre Eltern geben zum Teil viel Geld aus, um sie – gehauen oder gestochen – zur Hochschulreife zu führen. Das ist nicht verboten und freut die Weiterbildungsindustrie. Doch nicht selten gehen im Streben nach schulischen Ehren die Kinder vergessen. Der zentrale Auftrag der Gymnasien ist es, Jugendliche fit für die Universität zu machen. Die Wissensvermittlung steht im Zentrum, die Ausbildung ist dadurch kopflastig und schafft kaum Bezüge zur Berufswelt. Der ideale Gymi-Schüler sollte Freude an neuem und abstraktem Wissen haben – ihm sollte das Lernen leichtfallen, und er sollte eine Portion Forschergeist mitbringen. Dass dieser bei vielen vorhanden ist, zeigt sich jedes Jahr, wenn die besten Maturitätsarbeiten prämiert werden. Ihre Vielfalt und Qualität war auch dieses Jahr beeindruckend. Doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch die anderen gibt: jene, die schon im ersten Jahr schulmüde sind, kaum Interesse zeigen und nur unter Zwang aktiv werden. Ihre Zahl ist – wenn man sich umhört – in den letzten Jahren ebenfalls gestiegen. Matur als Massenware? Die Gymnasien haben einen ausgezeichneten Ruf. Um ihn zu behalten, müssen sie ihr Wachstum bremsen. Denn die Exzellenz wird verloren gehen, wenn das Maturazeugnis immer mehr zur Massenware wird. Die Hochschulen versichern zwar, dass sie die Matur weiter als Hochschulreifezeugnis akzeptieren wollen. Doch das könnte sich auch ändern. Die Spitzenunis der Welt, mit denen unsere Elitehochschulen im Wettbewerb stehen, suchen sich ihre Studierenden längst selber aus.

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