Zum Hauptinhalt springen

Das ewige Schlusslicht Rolf Roth

Zum vierten Mal fand am Samstag der Emmentaler Halbmarathon in der Gohl statt. Jedes Jahr mit dabei ist der Einheimische Rolf Roth. Wie jedes Mal verliess er auch heuer als Letzter den Start – und lief er als Letzter durchs Ziel.

Ein neuer Teilnehmerrekord: 206 Athleten liefen am Samstag den 4.Emmentaler Halbmarathon in der Gohl. Rolf Roth ist jedes Jahr mit von der Partie. Seine Rennen verlaufen immer nach demselben Schema: Er verlässt als Letzter den Startraum und erreicht als Schlusslicht das Ziel. Dies ist jedoch nicht auf fehlenden sportlichen Ehrgeiz zurückzuführen, sondern geschieht aus Sicherheitsgründen. «Ich bin quasi der ‹Besenwagen›, schmunzelt Roth, der als OK-Mitglied für die Strecke zuständig ist. Doch anders als im Velorennsport, wo der Besenwagen die erschöpften oder verunfallten Teilnehmer mitfahren lässt, besteht seine Aufgabe darin, Sportler im Fall eines Zusammenbruchs zum nächsten Verpflegungsposten zu begleiten. «Doch das musste ich noch nie tun», sagt er. Reden mit Heimvorteil Seit der Marathon vom Sportverein Gohl ins Leben gerufen wurde, besetzt Roth im OK immer das gleiche Amt. Und da auch die Strecke immer gleich verlaufe, sei die Arbeit mit der Zeit einfacher geworden. Zu den immer wieder zu erledigenden Aufgaben gehöre das Anschreiben der Landwirte, weil die Strecke auch durch Weiden führe. Bei diesen Verhandlungen geniesst Roth Heimvorteil: Er ist in der Gohl aufgewachsen und lebt mit seiner Frau und der zweijährigen Tochter auch hier. Darüber hinaus ist er als Briefträger in Langnau auch für die Gohl zuständig. Start und Zielort des Emmental-Halbmarathons liegen beim Schulhaus in der Gohl. Während sich auf dem Pausenplatz immer mehr Sportler einfinden, steht Roth hinter dem Gebäude und hält einen Zettel in der Hand. Vor ihm liegen Becher, Schwämme, Milchkannen gefüllt mit Wasser, isotonische Getränke und Energieriegel auf dem Boden. «Es ist alles da», stellt der 35-Jährige nach der Kontrolle fest. Denn auch die sechs Verpflegungsstände, die entlang der Strecke verteilt sind, fallen in seinen Zuständigkeitsbereich. Noch Rinder auf der Weide Danach kann sich Roth eine Verschnaufpause gönnen. Doch schon nach einigen Bissen vom Nussgipfel läutet das Handy: Einer der Vorläufer, der die Strecke kontrolliert, ruft an. «Was, die Rinder sind noch auf der Weide?», fragt Roth. Wenn die Tiere nicht sofort von der Wiese getrieben werden können, gebe es nur eine Möglichkeit: «Wir platzieren dort zwei Streckenposten.» Diese müssten den Läuferinnen und Läufern die Gatter öffnen und aufpassen, dass keines der Rinder entwische. Die 21 Kilometer lange Strecke führt über Hügel und Gräben. Ein Fixpunkt sei die Lüderenalp bei rund 14 Kilometern, erklärt Roth, der schon beim Jungfrau-Marathon, beim Swiss Alpine Marathon in Davos und am Napf-Marathon am Start stand (und bei diesen Anlässen nie Letzter wurde). «Einmal laufe ich auch den Emmentaler Halbmarathon wettkampfmässig mit», hat er sich vorgenommen. Nur noch wenige Minuten bis zum Start: Roth lässt sich die Anspannung nicht anmerken und witzelt zu einem jungen Mann, der an ihm vorbeiläuft: «Du musst noch deinen Briefkasten anschreiben.» Dann ist es so weit: Um Punkt 13 Uhr fällt bei idealem Laufwetter die Holzklappe. Zu diesem Zeitpunkt läuft sich Roth hinter dem Schulhaus ein. Fünf Minuten später begibt auch er sich, mit einem leeren Rucksack, an den Start. «Der Rucksack wird sich nach und nach füllen», sagt Roth. Denn die Funktion des Besenwagens beinhaltet auch das Aufheben von Abfall sowie die am Vortag von ihm und seinem Vater gesteckten Fähnlein und Bänder einzusammeln und beim nächsten Verpflegungsposten abzugeben. Roth bindet noch schnell die Schnürsenkel und läuft los. Wie geplant trifft er nach 3 Stunden und 15 Minuten beim Schulhaus ein. Auf den letzten «richtigen» Läufer hat er rund 10 Minuten Rückstand. Zwischenfälle gab es keine zu verzeichnen. Mit Roth erreicht auch Blacky, der Mischlingshund seines Vaters, das Ziel. Auf halber Strecke habe sein Vater an einem Verpflegungsstand mitgeholfen, da habe er den Vierbeiner einfach mitgenommen, lacht Rolf Roth.Jacqueline Graber Aus den Ranglisten Herren 1 (Jahrgänge 1977–1989): 1. Ammann Laurent, Savièse (1:34:17); 2. Bigler Markus, Oberdiessbach (1:34:19); 3. Vanderperre Denis, Kastanienbaum (1:39:07); 4. Fankhauser Rolf, Fankhaus (1:39:29); 5. Grossenbacher Patrik, Huttwil (1:42:00). Herren 2 (Jahrgänge 1970–1976): 1. Jenzer Urs, Frutigen (1:23:08); 2. Vogt Josef, Balzers (1:27:51); 3. Jost Bruno, Burgdorf (1:29:59); 4. Jenzer Stefan, Frutigen (1:32:29); 5. Roth Daniel, Trubschachen (1:36:00). Herren 4 (Jahrgänge 1950–1959): 1. Augsburger Peter, Wynigen (1:38:11); 2. Brand Roland, Thörishaus (1:42:38); 3. Kropf Peter, Wasen (1:45:55); 4. Lussi Bruno, Büren NW (1:51:46); 5. Blaser Paul, Sumiswald (1:52:01). Damen 1 (Jahrgänge 1977–1989): 1. Lehmann Anita, Langnau (1:44:43); 2. Rentsch Doris, Schmidigen (1:47:56); 3. Bauhofer Jolanda, Längenbühl (1:52:37). Damen 2 (Jahrgänge 1970–1976): 1. Wittwer Marianne, Reichenbach (1:53:07); 2. Schiffmann Chantal, Burgdorf (1:55:35); 3. Hess Judy, Wynigen (2:23:11). Damen 4 (Jahrgänge 1950–1959): 1. Aeschlimann Heidi, Gippingen (2:02:27); 2. Jörg Irene, Lützelflüh-Goldbach (2:06:08); 3. Althaus Johanna, Langenthal (2:06:37). >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch