Zum Hauptinhalt springen

Das Buch zum verspäteten Theaterpreis

Ein neuer Sammelband beleuchtet Marthalers Werk zwischen Surrealismus und Volkskunst.

Christoph Marthaler Von Andreas Tobler In den Inszenierungen von Christoph Marthaler sieht man oft Figuren, die vor sich hindämmern. Niemand aber hat so lange geschlafen wie die Jury des Hans-Reinhart-Rings: Die wichtigste Theaterauszeichnung der Schweiz wird alljährlich verliehen, ging jedoch erst vor zwei Wochen und damit mindestens zehn Jahre zu spät an Christoph Marthaler. Wie schön aber, dass die Schweizerische Gesellschaft für Theaterkultur, die den Ring verleiht, zu diesem Anlass ein Marthaler-Buch herausgegeben hat. Darin finden sich kenntnisreiche Beiträge wie der von Danielle Chaperon, die den Preisträger in der Tradition des Surrealismus verortet. Man liest eine pointierte Beschreibung der Marthaler-Proben von der Journalistin Daniele Muscionico und einen besonders wortschönen Beitrag des Theaterkritikers Andreas Klaeui, der das Entstehen von Marthalers Ästhetik erklärt – aus der «Waldeinsamkeit der Silser Grandhotel-Zwischensaison», dem «Experimentierfeld der Roten Fabrik» und den «blauen Dämmerstunden der Basler Hasenburg». Wir erfahren etwas über die Rezeption in der Westschweiz und in Frankreich; es gibt eine Zusammenstellung der wichtigsten Stationen von Marthalers Biografie sowie Beiträge des langjährigen TA-Theaterkritikers Peter Müller und der Tanzwissenschaftlerin Christina Thurner. Abgerundet wird das Buch von Weggefährten: Marthalers dramaturgischer Mastermind Stefanie Carp sieht im Preisträger den einzigen Schweizer, der eine «Volkskunst jenseits von Folklore geschaffen hat», für Nikola Weisse rhythmisiert er das Nichts, und Jürg Kienberger spricht im Interview über die «unendliche Geduld», die es braucht, damit Marthalers Inszenierungen zustande kommen. Schweizerische Gesellschaft für Theaterkultur (Hrsg.): Christoph Marthaler. Peter Lang, Bern 2011. 203 S., ca. 35 Fr.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch