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Darbellay hofft auf Deal

Die CVP muss ihre Ambitionen auf einen zweiten Bundesratssitz wohl für länger zurückstellen. Ihr Chef denkt daher bereits über Alternativen nach: über einen Turnus mit der FDP.

Mit erhobenem Haupt, so sagte Urs Schwaller, werde er schon heute seine Arbeit als Ständerat und Fraktionschef der CVP fortführen. Doch selbst wenn ihm sein Resultat durchaus Grund dazu gibt: Dies dürfte den gescheiterten Bundesratskandidaten einige Mühe kosten. Denn als gestern das Verdikt gefallen war, blieb Schwaller eine Weile eingeknickt an seinem Platz sitzen und vergass gar, dem siegreichen Didier Burkhalter im Ratssaal zu gratulieren.

Schwallers Reaktion war symptomatisch für die Lage, in der sich nach geschlagener Schlacht die ganze CVP wiederfand: «Ihre Niederlage ist ehrenhaft, aber bitter», sagte der Politbeobachter und frühere CVP-Generalsekretär Iwan Rickenbacher. Und so war denn auch die Ernüchterung in den CVP-Reihen gross: Die FDP paktiere wieder mit der SVP, ärgerte sich Präsident Christophe Darbellay, und auf die Linken sei einfach kein Verlass. Die Bauern in der SVP hätten sich von ihren Parteichefs einschüchtern lassen, beklagte andersherum Nationalrat Markus Zemp.

Erlahmende Kampfeslust

Diese Enttäuschung beruht auch auf dem, was in der Wandelhalle viele sagten: Eine günstigere Gelegenheit, den zweiten Sitz zurückzuerobern, dürfte sich so schnell nicht bieten. «Die Chancen werden kaum besser», schätzte Zemp. Und jene, die wie der Zürcher Urs Hany bereits weitere Angriffe auf die FDP forderten, blieben klar in der Minderheit. Man halte zwar grundsätzlich am Anspruch fest, müsse für weitere Vakanzen nun aber alle Optionen überdenken, erläuterte Vize-Fraktionschefin Brigitte Häberli die offizielle Position ihrer Partei.

Zu bedenken hat die CVP zum einen dies: Mit Urs Schwaller hat sie ihren Paradekandidaten nun verloren. Der Freiburger machte gestern noch einmal klar, dass er kein zweites Mal antreten werde. Einen ähnlich respektierten Anwärter zu finden, falls demnächst Hans-Rudolf Merz zurücktreten sollte, dürfte schwierig werden. «Wir haben etwas weniger Angst, sie etwas weniger Chancen», bilanzierte denn auch FDP-Präsident Fulvio Pelli.

Hoffen auf positive Wirkung

Zudem kann die CVP nach den jüngsten Umfragen auch nicht erwarten, bei den nächsten Wahlen den Rückstand auf die FDP wettzumachen. Schon eher muss sie damit rechnen, dass die Grünliberalen (GLP) stark genug werden, um eine eigene Fraktion zu gründen. Ein CVP-Nationalrat meinte gar, mit dem gestrigen Tag habe sich das Konstrukt der CVP/EVP/GLP-Fraktion erledigt. Diese sei eigens für den Angriff auf die FDP gebildet worden. «Nun ist die Luft draussen.»

Darbellay wollte davon nichts wissen. Man könnte allenfalls auch im Verbund mit einer selbstständigen grünliberalen Fraktion zu einer Bundesratswahl antreten. Gleichzeitig denkt er aber bereits über andere Ideen nach, um an den zweiten Sitz zu kommen. Ihm schwebt etwa vor, dass sich CVP und FDP künftig den dritten Sitz der Mitte-Parteien im Turnus teilen. Mit diesem Plan war bereits früher ein CVP-Mittelsmann bei der FDP vorstellig geworden. Nach ihrem Wahlsieg war diese freilich gestern nicht geneigter, darüber zu diskutieren. «Es gibt keine Mitte», lehnte Fulvio Pelli den Vorschlag kühl ab.

So trösteten sich viele CVPler vorderhand damit, die Wahl und der starke Auftritt Schwallers hätten der Partei Profil und Ansehen verschafft. «Wir sind die heimlichen Sieger», sagte Norbert Hochreutener (BE). Auch darüber gehen indes die Meinungen auseinander. «Verlieren ist nie gut», entgegnete Iwan Rickenbacher. Der gestrige Tag werde der CVP kaum viel Rückenwind geben.

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