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Brauen vermisst nur noch das Kribbeln

Vier Jahre lang hat Marion Brauen als Rennradprofi gelebt. Die Niederglatterin sammelte dabei wertvolle Erfahrungen, lernte aber auch die negative Seite des Profisports kennen.

Rad. - Während Nicole Brändli wohl die bekannteste Schweizer Rennvelofahrerin ist, ist es um ihre Weggefährtin Marion Brauen still geworden. 1998 hatten sich die beiden Freundinnen entschieden, ein Angebot des italienischen Frauenteams Acca Due O anzunehmen und damit ihre Profikarriere zu starten. «Damals musste man nach Italien, wenn man weiterkommen wollte, denn dort gab es die meisten professionellen Equipen», erzählt Brauen. Sie war damals 21 Jahre alt und wollte es wagen, ihr Hobby zum Beruf zu machen. So wohnte die Niederglatterin wochenweise in Treviso mit ihren Teamkolleginnen zusammen. «Es war nicht so einfach, sich in die Mannschaft zu integrieren», erinnert sie sich. «Es gehörten einige bekannte Fahrerinnen zum Kader, und ich war ein Niemand.» Sie habe es aber als eine gute Erfahrung empfunden, sich beweisen zu müssen, findet die heute 32-Jährige. «Dass ich die Aufgabe einer Helferin hatte, störte mich nicht. Denn mich hat schon immer das Miteinander fasziniert.» Schliesslich gebühre nicht nur einer Topfahrerin, die ein Rennen für sich entscheiden kann, der Applaus, sondern ihrem ganzen Team.

In kleineren Wettfahrten erhielt aber auch die Unterländerin ihre Chance. So gewann sie 1999 die Berner Rundfahrt, worauf sie noch heute stolz ist. «Das war sowieso mein bestes Jahr», sagt sie. Denn Brauen durfte an der WM in Verona starten. «Das war für mich ein Highlight, auch wenn ich nur wieder Helferin war.» An der EM in Lissabon - ebenfalls 1999 - hatte sie aber zeigen können, was in ihr steckt und belegte im Zeitfahren den 10. und im Strassenrennen den 11. Rang.

Olympia knapp verpasst

Nach ihrer tollen Saison gehörte Brauen zum erweiterten Nationalkader, aus welchem drei Fahrerinnen an den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney teilnehmen durften. «Ich wollte damals unbedingt an diese Spiele und habe mich wohl etwas übernommen», blickt die Unterländerin zurück. Im März sei sie bereits in Topform gewesen, und hätte diese nicht bis im Sommer halten können. «Die Olympischen Spiele habe ich knapp verpasst, was eine grosse Enttäuschung war. Und dem grossen Aufwand musste ich in der Folge Tribut zollen. Fast ein Jahr lang lief nichts mehr.»

Mit dem Giro d’Italia feminile hat Marion Brauen aber einen anderen Grossanlass bestritten. «Einmal war ich mit dem italienischen Team am Start, das zweite Mal mit dem Nationalkader», erinnert sie sich. Es sei ein spezielles Erlebnis gewesen, zwei Wochen lang an seine physischen und psychischen Grenzen zu gehen. «Manchmal wollte ich nicht mehr in den Sattel steigen, weil alle Körperteile schmerzten. Aber als ich mich durchgebissen hatte, war ich sehr stolz.»

Wechsel nach Deutschland

Nach zwei Jahren in Italien wechselte die Niederglatterin zum deutschen Profiteam Red Bull, das in Frankfurt an der Oder stationiert war - wieder zusammen mit Nicole Brändli. «Für meine Karriere wäre es wohl besser gewesen, wenn ich in Italien geblieben wäre», sagt Brauen heute. «Aber im Nachhinein ist man immer gescheiter.» Ein Grund für den Wechsel war, dass sie mit dem sportlichen Leiter von Acca Due O nicht mehr so gut zurechtgekommen war; ein zweiter, dass ihre Freundin weg wollte. «Ausser der Sprache hatte sich für mich bei Red Bull nicht viel geändert. Es waren ebenfalls starke Fahrerinnen im Team, der Lohn war einfach etwas höher.» Die Unterländerin blieb zwei Jahre, doch glücklich wurde sie nicht. «Die Teamleitung behandelte nicht alle gleich, und ich hatte beinahe die Lust am Radsport verloren.»

Als Brauen von der Equipe Next 125 ein Angebot erhielt, zögerte sie nicht. «Ich wollte schon immer in einer Schweizer Mannschaft fahren», erklärt sie. «Diese war professionell aufgezogen, nur zahlen konnten uns die Verantwortlichen fast nichts.» Darum begann die Niederglatterin, wieder zu 40 Prozent als kaufmännische Angestellte auf dem Notariat Bassersdorf zu arbeiten. «Das hatte mir nichts ausgemacht, und ich hatte die Freude am Sport wiedergefunden.» Mit diesem Team bestritt die Unterländerin vier Saisons, und hatte oftmals die Rolle der Leaderin inne. «Es herrschte ein toller Teamgeist, und ich fand es schön, Nachwuchsfahrerinnen wie Andrea Wolfer meine Erfahrungen weitergeben zu können.»

Auflösung bedeutete Karrierenende

Ihre Karriere beendete Marion Brauen Ende der Saison 2005. Sie habe gewusst, dass das Team aufgelöst werde, und sie habe sich wieder auf den Beruf konzentrieren wollen. «Während der letzten Saison habe ich bereits 80 Prozent auf dem Notariat Dübendorf gearbeitet. Der Zeitpunkt für meinen Rücktritt war darum ideal.» Die Unterländerin wollte sich beruflich verändern und machte eine Weiterbildung zur Urkundenbeamtin. Seit diesem Jahr ist sie allerdings für die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Zürich im Immobiliengeschäft tätig. «Das ist eine neue Herausforderung, die mir Spass macht.»

Der Profisport fehlt der 32-Jährigen, die mittlerweile in Oberglatt wohnt, nicht. «Einzig das Kribbeln vor einem Rennen vermisse ich manchmal», gibt sie zu. «Aber ich bin so froh, nicht mehr bei jedem Wind und Wetter fürs Training in den Sattel steigen zu müssen.» Die Radszene verfolgt Brauen noch immer und pflegt auch Kontakte mit ihren engeren Kolleginnen. Dies natürlich auch mit Nicole Brändli, denn Freundinnen sind die beiden noch heute.

Marion Brauen im Dress ihres letzten Teams Next 125 (oben) und heute in ihrem Garten in Oberglatt.

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