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Bis der Regen das Mütchen kühlt

Nach bald zehn Hitzetagen verliert man selbst am See die Beherrschung. Für die Ordnungshüter gibts zu tun.

Von Beatrice Gerwig Über 30 Grad im Schatten hat die Wetterfee prophezeit, schon wieder. Bloss: Am Lichtsignal vor der Baustelle in Küsnacht hat es keinen Schatten. 35,2 Grad zeigt das Thermometer im Auto an. Ein BMW-Fahrer drückt sich noch schnell weit vorne in die Warteschlange, er lässt das Radio in voller Lautstärke aus dem offenen Autofenster dröhnen. Dass er die Grünphase viel zu kurz findet, bekundet er durch lautes Hupen. Hochsommerfreuden auf der Seestrasse halt. Kein Wunder, wenn da der eine oder andere die Selbstbeherrschung verliert. «Manche Autofahrer reagieren in der Hitze genervter», weiss Martin Schmäh, der Chef der Gemeindepolizei von Meilen, Herrliberg und Erlenbach, aus Erfahrung. Auch das Personal der Fähre kann ein Lied davon singen. Schmäh vermutet aber, dass vor allem jene im Stau ausfällig werden und wild herumhupen, die ohnehin schon aggressiv sind. Weniger Ungemach hat, wer während der Hitzetage das Auto zu Hause lässt. Die meisten der 80 VZO-Busse sind nämlich wie die S-Bahnen klimatisiert. Gut für die Nerven der Chauffeure ist zudem, dass es in den Sommerferien weniger Verkehr auf den Strassen hat. Umso mehr Verkehr herrscht am Zürichsee, mit 26 Grad eine riesige Badewanne. In den Badis trampeln sich die Leute auf der Suche nach Abkühlung auf den Füssen herum, schwitzende Körper liegen Tuch an Tuch. Ein beissender Geruch dringt in die Nase: Dass die Dame nebenan unbedingt hier ihre Fingernägel lackieren und dann auch noch ihre Beine rasieren muss, strapaziert die Toleranz und die Nerven. In der brütenden Hitze werden vor allem Frauen mit quengelnden Kleinkindern schnell hässig, erfährt man vom Personal im Strandbad. Eine von der mühsamen Parkplatzsuche überhitzte, mit Badeutensilien bepackte Mutter greift gerade zur ultimativen Drohung: «Hör sofort uuf täubele, susch gits keis Glace!», ruft sie entnervt. Friedensrichter ist erstaunt Mit Drohenden und Entnervten hat auch der Erlenbacher Friedensrichter zu tun. «Vor den Sommerferien ist es sonst jeweils eher ruhig», sagt Walter Menzi, «deshalb bin ich erstaunt, wie viele Fälle heuer noch auf meinem Pult gelandet sind.» Viele davon seien Konflikte zwischen Nachbarn. Ob die Zunahme der Fälle mit der Hitze oder doch eher mit der wirtschaftlichen Situation zu tun habe, sei schwer zu sagen. Wahrscheinlich habe beides einen Einfluss. Der Polizei jedenfalls bescheren erboste Nachbarn an den heissen Sommerabenden Mehrarbeit. Viele geniessen den Abend im Garten, auf dem Balkon, plaudern oder machen Musik – «und schon fühlen sich die Nachbarn gestört», erzählt Gemeindepolizist Schmäh. «Vor allem am Wochenende klingelt bei uns ab 22 Uhr das Telefon immer wieder wegen Nachtruhestörung.» Sie müssten dann ausrücken und versuchen, mit psychologischem Geschick die Wogen zu glätten. Martin Schmäh freut sich, wenn jetzt dann Wolken aufziehen. Für ihn ist ein Gewitterregen der beste Polizist.

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