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Berliner Platte mit drei Ausrufezeichen Luisa Splett präsentiert «Inspiration Schweiz» Sarah Palin hat eine tanzende Pistole zur Tochter

Kurz & kritisch CD Mit der Band !!!, die man englisch «Chik, Chik, Chik» ausspricht, kann man eine kleine Geschichte über Retro und über die globalisierte Clubkultur erzählen. Vor zehn Jahren dengelten junge Männer mit Drogenerfahrung und Discopraxis plötzlich wieder auf Gitarren herum und liessen Schlagzeuger schleppende Tanzbeats einspielen. Die Synthies klangen analog und die repetitiven Bassfiguren bräsig. Das Tempo wurde cool gedrosselt, das Klangbild erinnerte an den Post-Punk und Elektro der 80er-Jahre. Dauer, Rausch und Wiederholung huldigten aber Techno. Das ergab Dance Punk, einen Bastard im Retrolook. Weil es Dance Music in den USA bei der Mittelschicht immer schon schwer hatte, verblieb sie länger im Untergrund und verstand sich noch politisch, als die Branche in Europa längst kommerzialisiert war. «Dance to the Underground» war etwa der Schlachtruf von Radio 4. Und auch !!! richteten sich namentlich gegen die Ausgehpolitik des New Yorker Ex-Bürgermeisters Rudy Giuliani. Nennen wir es restpolitischen Hedonismus, was die Dance-Punker den Jugendlichen in Europa vor die Füsse warfen. Jetzt verbinden die Mannen von !!! gleich beide Dance-Punk-Momente: Retro und Globalisierung, denn sie haben ein Berlin-Album gemacht. Ein Berlin-Album meint den Westen der Stadt, die 80er-Jahre und die damals dunkel gestimmten Iggy Pop, David Bowie oder auch Martin Gore von Depeche Mode. Mittlerweile nimmt man diesen morbiden Subkultur-Charme vor allem als touristisches Parfüm in Reiseführern wahr. Und auch die Technokultur hat sich hinter strikten Einlasskontrollen verschanzt. Dafür können !!! nichts. Nach stadtmythologischer Wirrniss klingt das Resultat aber trotzdem. Die Band ist zudem in der Krise, verlor ihren Schlagzeuger bei einem Unfall, und Tyler Pope, Halb-Berliner, Bassist und Keyboarder, hat während der Aufnahmen die Band verlassen. Bezahlt macht sich in solchen Zeiten die Routine. Es sind zwei, drei Tracks, die sehr gut klingen (wie «The Most Certain Sure»), entspannt Druck machen («Jamie, My Intentions Are Bass») oder akustische Drogenmusik brettern («The Hammer»). Das klingt professionell, und das ist meist das Gegenteil von Berlin. Tobi Müller !!!: Strange Weather, Isn’t it? (Warp / MV). Konzert Tonhalle, Kleiner Saal. «Inspiration Schweiz» – das klingt wie von der Tagi-Kulturserie geklaut, ist aber als Konzertprogramm natürlich kein Plagiat, sondern ein schönes Original. Und alles andere als folkloristisch. Luisa Splett präsentierte in ihrem Programmkonzert am Montagabend anspruchsvolle Klavierwerke, die in der Schweiz entstanden sind – ob von Schweizern geschrieben wie Frank Martin oder Emil Frey (dessen sich die Winterthurer Pianistin besonders annimmt, nicht zuletzt mit einer Dissertation) oder von Durchreisenden wie Franz Liszt und Alexander Skrjabin. Dieser entwarf seine fünfte Sonate, laut Swjatoslaw Richter eines der schwersten Stücke der gesamten Klavierliteratur, in Beatenberg am Thunersee und vollendete sie am Genfersee. Luisa Splett meisterte das schwer zu bändigende Schlachtross mit Bravour – mit fast beängstigender Bravour für den Zuhörer, der ja wusste, dass noch Stücke aus Liszts Schweizer Reise folgen würden. Was Skrjabin technisch verlangt, ist so etwas wie Biathlon am Klavier, nämlich verschiedene Disziplinen, deren Anforderungen sich gegenseitig ausschliessen: Akkordgewitter da, dann meditative Pianolyrik dort, erst Kraftmaschine sein, dann Streicheleinheiten verteilen. Und die derart geforderte Interpretin blieb dem Komponisten nichts, aber auch gar nichts schuldig. Die 27-Jährige hat schon so etwas wie eine Biografie (ihre Ausbildung hat sie in Chile und in St. Petersburg komplettiert), und eine künstlerische Persönlichkeit ist sie auch schon. Beeindruckend, wie sie die Architektur der Stücke deutlich machte, wie sie bei Akkorden wie bei Verläufen zeigte, was gewissermassen die tragenden Wände sind. Eine persönliche Handschrift bewies schliesslich der erfolgreiche Einsatz für Frey und Martin, zwei zu Unrecht vernachlässigte Schweizer Komponisten, der eine ein wenig epigonal (aber auch Epigonen können gute Musik schreiben), der andere ein Grosser der Klassischen Moderne. Grosser Applaus, drei Zugaben. Und schon etwas Neugier auf das nächste inspirierte Programm dieser begabten jungen Künstlerin. Martin Ebel TV Erinnern Sie sich noch an Bristol Palin? Nur ein paar Monate nachdem ihre Mutter Sarah 2008 ihren Sohn Trig zur Welt gebracht hatte, gebar Bristol mit knapp 18 ihren unehelichen Sohn Tripp. Seither setzt sie sich für die sexuelle Abstinenz von unverheirateten Teenagern ein. Jetzt schwingt sie im amerikanischen Fernsehen in «Dancing with the Stars» das semiprominente Tanzbein. Mutter Sarah sitzt stets im Publikum, nennt ihre wendige Tochter mit ihrem üblichen Hang zur Jagdmetaphorik «Bristol the Pistol» und findet die Show «wie beim Hockey». Die erste Runde bestritt Bristol als Sarah-Persiflage im grauen Kostüm. Zu sehen gibts das peinliche Muttertöchterchen auf Youtube.Simone Meier !!! verbinden in ihrem Berlin-Album Retro und Globalisierung. Foto: PD

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