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Bauführer betrog Auftraggeber

Ein 47-jähriger Unterländer liess Arbeiter auf fremde Rechnung bei sich schuften und setzte sich ohne Ausweis hinters Steuer. Nun muss er ins Gefängnis.

Von Sandra Zrinski Dielsdorf – Er erledigte Privatangelegenheiten während seiner Arbeitszeit. Er liess Arbeiter in seiner eigenen Scheune schuften, statt sie auf der Baustelle seiner Geschäftskunden einzusetzen. Er stahl Gerätschaften und Maschinen seiner Auftraggeber und fuhr immer wieder Auto, obwohl ihm der Führerausweis im Januar 2006 auf unbestimmte Zeit entzogen worden war. Der heute 47-jährige Schweizer schädigte damit drei Firmen, eine davon ist in Otelfingen domiziliert. Insgesamt entwendete er Material im Wert von über 40 000 Franken. Die von seinen Auftraggebern zur Verfügung gestellten Arbeiter setzte er ausser bei sich auch auf Baustellen von ihm nahestehenden Bauherren ein. Aber nicht diese berappten die erbrachte Leistung, sondern die Otelfinger Firma, die dem Bauführer durch die Arbeitsrapporte schliesslich auf die Schliche kam. «Auf diese krumme Tour», wie es der Schweizer letzte Woche vor dem Bezirksgericht Dielsdorf selbst nannte, sei er wegen der grossen finanziellen Schwierigkeiten geraten. Das eigene Unternehmen erhielt er mit Ach und Krach am Leben, indem er von fremden Arbeitgebern Aufträge übernahm. Um dies überhaupt tun zu können, musste er Auto fahren. Doch durfte er dies wegen seiner Vergehen zwischen 2006 und 2009 längst nicht mehr. Und noch während des laufenden Strafverfahrens liess sich der verheiratete Bauführer auf weitere Schwindeleien ein. Bei seinem Privatkonkurs gab er nicht alle Konten an und verheimlichte, dass er im Besitz von Land war. «Ich habe damals nichts überlegt», war seine Erklärung für die Betrügereien. Und lange habe er einfach nicht wahrhaben wollen, dass die Strassenverkehrsgesetze auch für ihn gelten. Jetzt wolle er aber neu anfangen, dieses Verfahren hinter sich bringen. «Ich habe schliesslich eine Verpflichtung gegenüber meinen Töchtern», so der Angeklagte. Die Vorsitzende Richterin zeigte sich davon wenig überzeugt: «Diese Verpflichtung hatten sie auch schon vorher. Woher also diese neue Überzeugung?» Keine gute Prognose Die Trennung von seiner Ehefrau im vergangenen November und das Auseinanderbrechen der Familie seien für ihn einschneidend gewesen. Seither leben die zwei Töchter bei ihrem Vater, während der Sohn bei der Mutter ist. Die Mädchen absolvieren beide eine Lehre im Baugewerbe und haben laut Aussagen des Angeklagten ein sehr schlechtes Verhältnis zur Mutter. Der Bauführer arbeitet während der Woche auf einer Baustelle im Engadin. Vom laufenden Strafverfahren weiss sein Arbeitgeber nichts. Und Auto fahren müsse er derzeit nicht, da Baustelle und alles Sonstige in einem solch kleinen Kurort zu Fuss erreichbar seien. Für alle Fälle habe er aber einen Senior gefunden, der ihn gegen ein kleines Entgelt chauffieren könne. Dies wird aber für sechs Monate nicht nötig sein. Das Bezirksgericht Dielsdorf verurteilte den 47-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten – 6 Monate muss er absitzen, der Rest der Strafe wurde bedingt ausgesprochen. Zudem muss er eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 100 Franken (1500 Franken) bezahlen. Wie die Richterin bei der Urteilsverkündung ausführte, gaben die wiederholten Delikte im Zusammenhang mit dem Strassenverkehrsgesetz den Ausschlag für den unbedingten Teil der Strafe. «Wir können Ihnen diesbezüglich keine gute Prognose stellen und gehen davon aus, dass Sie nun ein Einsehen haben werden.» Die Richterin bezeichnete das Verschulden bei den restlichen Delikten zudem als schwer: «Sie haben das Vertrauen Ihrer Auftraggeber in schwerer Weise missbraucht.» So schwer, dass der Patron der Otelfinger Firma als Geschädigter bei der Verhandlung anwesend war und abweisend den Kopf schüttelte, als ihm der Bauführer die Hand reichen wollte.

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