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Bachs Weihnachtsoratorium mit Masaaki Suzuki Spätes Feuer aus einem alten Getriebe: Krokus in Bern Leicht und verspielt: Getanztes für Kids in der Gessnerallee

Kurz & kritisch Konzert Zürich, Tonhalle – Wenn es in Interpretationsvergleichen um Bach geht, schwingen auffallend oft die Aufnahmen des Japaners Masaaki Suzuki obenaus. Dass das kein Zufall ist, war am Samstag zu erleben, als Suzuki in der Tonhalle Bachs Weihnachtsoratorium dirigierte. Man hörte kein Ritual, auch keine verzweifelte Suche nach einer originellen Sicht, sondern das Werk, wie es einst gedacht war: feierlich, festlich, freudig. Dabei bediente Suzuki weder die laute Feierlichkeit des Vorweihnachtstrubels noch die getragene der nostalgischen Erinnerung. Und obwohl er nur gerade 70 Minuten brauchte für die Kantaten 1 bis 3, war doch nichts von jener Kurz-vor-Ladenschluss-Eile zu spüren, vor der man auf dem Weg ins Konzert geflohen war. Die hohen Tempi brachten weder das Tonhalle-Orchester noch den Schweizer Kammerchor ins Schwitzen, und dazwischen gab es zwar keine wirklich langsamen, aber durchaus ruhige Momente. In der Sinfonia der 2. Kantate hätte jedenfalls kein Wiegenkind ein Schütteltrauma riskiert, schmerzhaft schön wechselten die Harmonien unter dem «Erbarm» der Sopranistin, und immer wieder liess Suzuki einen Ton verklingen, eine Phrase in die Stille hinausführen. Ganz leicht, ganz ohne Pathos. So klar die Strukturen waren, so lebendig blieb der Klang dabei; dass Suzuki im Continuo stets Cembalo und Orgel kombinierte, war Programm. Kompakt und beweglich sang der von Fritz Näf vorbereitete Chor, kontrastreich und inspiriert spielte das Orchester, und die Solisten (Joanne Lunn, Ingeborg Danz, Andreas Weller, Dominik Wörner) fügten sich mit expressiven Stimmen ins Klangbild. Wie aus einem Guss war das alles. Und es war kein Zuckerguss. Susanne Kübler Die Kantaten 4–6 von Bachs Weihnachtsoratorium gibts in der Tonhalle am 26. 12. um 17 Uhr (mit dem Glarisegger Chor, dem Kinderchor Zürich-Waidberg und dem Capriccio Basel; Ltg. Heinz Bähler). Konzert Bern, Festhalle –Nach vielen Anläufen ist der Solothurner Hardrockband Krokus heuer endlich ein ernst zu nehmendes Comeback gelungen. An Selbstbewusstsein hats Chris von Rohr noch nie gemangelt. Das warauchim Februar nicht anders, als Krokus ihr neues Album«Hoodoo» lancierten. Die wiedervereinigte Besetzung aus den 80er-Jahren wolle der jungen Generation von Musikfans zeigen, warum Krokus die einzige erfolgreiche Rockband aus der Schweizgewesen seien, so der Bassist. Aber im Gegensatz zu früher werde man die eigene Gesundheit nicht mehr mit endlosen Tourneen aufs Spiel setzen: «Es soll alles überblickbar bleiben.» Mittlerweile lässt sich das überblickbare Comeback anhand von Zahlen messen: In der Schweiz steuere «Hoodoo» auf 60 000 verkaufte Exemplare zu, berichtet von Rohr, im Ausland werde das Album bald die 100 000er-Marke erreichen. Dazu kommt, dass ein Song daraus nun auch einen prominenten Platz in einer neuen US-amerikanischen Fernsehserie erhalten soll. Das ist eine erstaunliche Jahresbilanz für eine Band, deren grosse Zeit lange zurückliegt. Die aktuelle Hausse lässt sich nicht auf die Nostalgie älterer Fans zurückführen: In der schmucklosen Berner Festhalle haben sich am Freitag auch viele Zuschauer eingefunden, die noch nicht mal geboren waren, als Krokus Mitte der 80er-Jahre an Exzessen und Intrigen zerbrachen; und die Solothurner bereiten ihnen eine familientaugliche Rock-Show ohne Rüpeleien. Marc Storaces Moderationen sind zwar weder originell noch geistreich, aber Wortwitz erwartet auch niemand vom mittlerweile 59-jährigen Malteser, sondern eher Handwerk. Und Storace singt so herrlich kratzig wie eh und je; die übrige Besetzung spielt alte Favoriten wie «Long Stick Goes Boom» und «American Woman» mit trockenem Elan. Allerdings wirkt ihr zwischen AC/DC und den Scorpions angesiedelter Hardrock auf die Dauer etwas gleichförmig: Krokus spielen ihn zwar schön auf den Punkt, machen damit aber immer wieder die gleiche Pointe: lieber solid sein als spritzig scheitern. Das ändert sich nach einer knappen Stunde, als das Tempo plötzlich anzieht, die Gitarren unverhofft explodieren und die Rhythmusgruppe pulsierende Erotik entwickelt. Schade, dass Krokus diesen Gang erst in der Zielgeraden einlegen. Die britischen Uriah Heep im Vorprogramm klingen da wie die eigene Tribute-Band, was man von Krokus nicht behaupten kann: Aus ihrem Getriebe lässt sich noch einiges herausholen. Nick Joyce Tanztheater Zürich, Theaterhaus Gessnerallee – Nacheinander werden vier Menschen auf die Bühne gewirbelt; der fünfte ist schon da, hinter einem Haufen Koffer. Eine heftige Windböe hat drei Frauen und zwei Männer an diesen Ort geweht. Hier stehen sie nun und begutachten sich scheu und misstrauisch. «Changing Winds» heisst das Tanztheater, eine künstlerische Zusammenarbeit zwischen dem renommierten Kopergietery aus Gent, der Zürcher Dalang Puppencompany und dem in Schaffhausen etablierten Theater Sgaramusch für Kinder und Erwachsene. Ein Stück, das für sich in Anspruch nimmt, sowohl junge (hier ab 5 Jahren) als auch ältere Zuschauer anzusprechen, bewegt sich auf hohem Seil. Mit den beiden Belgiern, der Regisseurin Eva Bal und dem Choreografen Ives Thuwis sind Profis am Werk gewesen, die die Bedürfnisse von Kindern sehr gut kennen und das Theater immer wieder neu erfinden, sodass auch Erwachsene ihren Spass daran haben. Wunderbar luftig leicht wechseln die Szenen zwischen Slapstick und Poesie. Geredet wird wenig, gesungen, getanzt und gestikuliert hingegen viel. Die fünf erzählen uns von ihren Wünschen und Ängsten, streiten und solidarisieren sich. «Wer bin ich?», fragt eine Tänzerin und gibt sich ganz nonverbal gleich mehrere Antworten. Nach knapp einer Stunde bläst der Wind die grandiosen Schauspieler-Tänzer wieder auseinander. Uns fällt der Abschied schwer. Maya Künzler Bildlegende.Foto: Vorname Name, Agentur

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