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«Aufstehen und weiterfahren»

EM-Debüt und Weltcup-Rennen: Inlineskater Andreas Beetschen (Lenk) nahm am Wochenende gleich an zwei Marathons teil.

Eine lange Nacht mit nur wenig Schlaf hatte Andreas Beetschen hinter sich, als er am Sonntagnachmittag beim Inlineskating Weltcuprennen in Biel an der Startlinie stand. Tags zuvor gab der Berner Oberländer im belgischen Ostende sein Europameisterschaftsdebüt (Rang 32), ehe er sich ins Auto setzte und die rund 900 Kilometer lange Strecke von Westflandern Richtung Seeland unter die Räder nahm. «Das war schon ziemlich stressig, gehört jedoch zum Business», erzählt der 23-Jährige. Noch vor dem Morgengrauen kam der an der Lenk wohnhafte Beetschen in Biel an und bereitete sich auf seinen nächsten Marathoneinsatz vor. Der abenteuerlichen Vorbereitung zum Trotz erreichte er das Ziel mit dem Hauptfeld, im Sprint war er als 31. jedoch chancenlos. «Die EM war eine wichtige Erfahrung für mich. Die zwei Rennen gingen aber gehörig an die Substanz.»Neuland betretenInnert weniger Jahre ist Andreas Beetschen zu einem der national erfolgreichsten Läufer gereift. In der Schulzeit investierte er seine Energie ins Langlaufen, er war Mitglied des BOSV-Kaders und stand im Fokus von Swiss-Ski. Den Durchbruch schaffte der gelernte Schreiner indes nie. «Erst während meiner beruflichen Ausbildung kam ich mit dem Skaten in Kontakt und war sofort fasziniert von diesem Sport», erzählt Beetschen, welcher zunächst als Hobbyläufer an Rennen teilgenommen hatte. Sein Talent aber war augenfällig, die Basiskondition durch das jahrelange Langlauftraining vorhanden. Das mittlerweile aufgelöste Salomon-Team ermöglichte 2003 eine erste «seriöse Annäherung mit dem Inlineskaten». Während eines Jahres arbeitete Beetschen nur an seiner Technik. «Ich betrat totales Neuland. Die Herausforderung war enorm anspruchsvoll, ich musste mich an Tempi bis zu 100 km/h herantasten.» Er habe zu Beginn so manchen Sturz verkraften müssen. «Von ernsthaften Verletzungen blieb ich glücklicherweise verschont.» Aufstehen und weiterfahren sei seine Philosophie gewesen. Mit Erfolg: Beetschen näherte sich kontinuierlich der erweiterten Weltspitze an, im Schweizer IDEEprint-X-tech-Team fährt er als Halbprofi. Als Quereinsteiger ist die fehlende Endschnelligkeit sein grösstes Manko. «Deshalb suche ich mein Glück oft in einer Fluchtgruppe.» Im Marathon-Gesamt-Weltcup belegt er derzeit den 23.Rang, ein vierter Platz in einem Weltcuprennen und SM-Bronze 2004 sind seine Karrierebestergebnisse.Olympische TräumeDas Inlineskaten hat Andreas Beetschen bereits nach China und Korea geführt, im November reist er nach Venezuela. Weite Wege nimmt er auch im Trainingsalltag auf sich. Im Gegensatz zu den Langlaufloipen sind die Strassen an der Lenk zum Skaten nicht optimal. «Deshalb trainiere ich oft auf der Thuner Panzerpiste oder mit dem Team in Zug.» Er hofft, dies dereinst als Vollprofi tun zu können. «Reich wird man in diesem Sport aber nicht.» Das grosse Geld ist ohnehin nicht Beetschens Ansporn; er liebäugelt vielmehr mit einer Olympiateilnahme. Als eine von sieben Sportarten (neben Golf, Rugby, Baseball, Softball, Squash und Karate) buhlt Inlineskaten um die Aufnahme ins Programm für die Spiele 2016. Die Chancen stehen gut. «Ich denke in den Trainings oft an Olympia. Daraus schöpfe ich viel Kraft.» Philipp Rindlisbacher>

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