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Auf der Jagd nach Titel Nummer 15 und 16

Patrik Merk vom VC Steinmaur dreht ab heute an den Schweizer Bahn-Meisterschaften seine Runden. Er hat sowohl den Titel im Sprint als auch im Kilometerzeitfahren zu verteidigen.

Rad. - Golden glänzende Medaillen zieren die Wand von Patrik Merks Büro in seinem Heim in Buchs SG. Er hat sie nicht etwa dort platziert, um sich vor Besuchern mit seinen 14 Schweizer-Meister-Titeln zu brüsten. Nein, sie dienen ihm als Ansporn fürs Training, «damit ich weiss, wieso ich mir das alles überhaupt antue». Dabei hat der Fahrer des VC Steinmaur längst nicht alle 29 Medaillen aufgehängt, die er in den letzten 15 Jahren an Landesmeisterschaften gewonnen hat, sondern nur jene, die ihm besonders viel bedeuten. «Schliesslich soll es ja auch noch nach einer Wohnung aussehen», sagt er lachend. Merk feiert heute und morgen ein Jubiläum: Schon zum 20. Mal bestreitet er die Schweizer Meisterschaften im Sprint und im Kilometerzeitfahren auf der offenen Rennbahn in Zürich-Oerlikon. Zweimal war er bei den Junioren am Start, bisher 17-mal bei der Elite. Im Sprint hat der 35-Jährige bereits sechs Siege errungen. Noch eindrücklicher ist seine Palmarès im Kilometerzeitfahren: Dort stand er achtmal zuoberst auf dem Podest, seit 2003 ist er ungeschlagen. Letztes Jahr ist dem Ostschweizer gar der doppelte Titelhattrick gelungen - je drei Titel in Folge sowohl im Sprint als auch im Kilometerzeitfahren. Ausserdem hält er mit 1,04,225 Minuten seit 1998 den Landesrekord über 1000 Meter. Regen hinderte ihn am Training Kann man bei einer solchen Erfolgsbilanz überhaupt noch ein anderes Ziel haben als den erneuten Titelgewinn? «Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes behaupten würde», sagt Merk. Doch dieses Jahr werde es in beiden Disziplinen extrem schwer für ihn. Der Bahnspezialist hat sich heuer weniger intensiv auf die SM vorbereiten können als in der Vergangenheit. «Ich habe in meiner Firma einen Führungsjob übernommen», erklärt der Buchser, der in der Buchhaltung eines Messgeräteherstellers arbeitet. Neben seiner 100-Prozent-Stelle konnte er nur am Abend trainieren - und nur, wenn das Wetter mitspielte. «Der Regen hat mir oft einen Strich durch die Rechnung gemacht», klagt Merk. Deshalb sieht er sich weder im Sprint noch im Kilometerzeitfahren in der Favoritenrolle. «Der heisseste Anwärter auf einen Titel ist Fabian Keiser.» Der Fahrer des VC Hirslanden war in den letzten Jahren Merks härtester Rivale, hatte aber meist das Nachsehen. «Dieses Jahr hat er seine Prioritäten konsequent auf den Sport gelegt und noch häufiger trainiert.» Zudem sind einige neue Gesichter am Start. «Die Jungen fordern den alten Mann endlich heraus», sagt Merk augenzwinkernd. Der 18-jährige Claudio Imhof zum Beispiel, der bei der U-23-EM in Minsk vor drei Wochen im Schweizer Rekordvierer geglänzt hat. «Er könnte mir über 1000 Meter gefährlich werden», glaubt Merk. Überhaupt gebe es einige Fahrer, die auf dem Papier schneller seien. «Meine Chance liegt in der Technik und der Taktik.» Auf die SM hat er sich seit einem Jahr vorbereitet - nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Sie stellt für ihn der Saisonhöhepunkt dar, internationale Starts sind in nächster Zeit nicht geplant. Dafür steht Merk Ende Monat ein privates Highlight bevor: Er heiratet am 29. August. Von der Tour de Suisse auf die Bahn Angefangen hat Merks Karriere mit einer Mini-Tour-de-Suisse, die vom RMV Buchs organisiert wurde. Zusammen mit Gleichgesinnten radelte der damals 13-Jährige quer durch die Schweiz. Danach trat er dem Verein bei und begann, Strassen- und Querrennen zu bestreiten. Mit 15 probierte er sich erstmals als Bahnfahrer. «Meine Trainer haben mir jedoch davon abgeraten, mehrgleisig zu fahren. Zu verschieden sind die Disziplinen.» Merk führt zum Vergleich ein Beispiel aus der Leichtathletik an: «100-Meter-Sprinter und Marathonläufer betreiben auch beide dieselbe Sportart, trotzdem benötigen sie völlig unterschiedliche Fähigkeiten und müssen dementsprechend anders trainieren.» Kein Rücktritt als Titelverteidiger Auch wenn er lange davon geträumt habe, Strassenprofi zu werden, habe er einsehen müssen, dass er auf der Bahn grössere Erfolgsaussichten habe. «Ich bin nicht der geborene Ausdauerathlet.» Also wechselte Merk als Junior zum VC Oerlikon, wo die bessere Infrastruktur und das nötige Knowhow vorhanden waren. Nach der Auflösung des Vereins fand der Ostschweizer vor drei Jahren Unterschlupf beim VC Steinmaur. Seine Entscheidung für die Bahn hat er nie bereut, im Gegenteil: «Als Bahnfahrer konnte ich in Länder reisen, die ich als Strassenprofi nie zu sehen bekommen hätte.» So hat er Weltcuprennen in Kuba, Guadeloupe und Texas betritten. Das Karrierenende rückt für den 35-Jährigen langsam aber sicher näher. «Ich trete bestimmt nicht zurück, solange ich amtierender Schweizer Meister bin», sagt er. «Den Titel muss sich mein Nachfolger erarbeiten, ich werde ihn nicht kampflos abgeben.» Falls er morgen gewinnt, will er auch an der nächsten SM dabei sein. Und wenn nicht? «In dem Fall hätte ich keine Ausrede mehr, wieso ich noch immer meine Kreise im Betonoval drehe», sagt Merk lachend, «dann müsste ich mir schon überlegen, wie es weitergeht.» So richtig abkaufen mag man ihm seine Rücktrittsgelüste allerdings nicht. Schliesslich hat er zu Hause noch immer seine Medaillen an der Wand, die ihn daran erinnern, wieso es sich lohnt, die harte SM-Vorbereitung auch noch ein 21. Mal in Angriff zu nehmen.

Patrik Merk sieht sich dieses Jahr nicht mehr in der Favoritenrolle: «Die Jungen fordern den alten Mann endlich heraus.»

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