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Amag hat Angst vor zu vielen Autos

Die Betreiber des grössten Autohauses in der Schweiz halten das Hochhausprojekt im Dübendorfer Giessen für überrissen. Sie warnen vor einem Verkehrskollaps.

Von Bodo Lamparsky Dübendorf – Ihr eigener Neubau hat die Dimensionen eines Kreuzfahrtschiffs. 248 Meter lang und 48 Meter breit ist die im April eröffnete «Autowelt» der Amag an der Überlandstrasse in Dübendorf. Für 110 Millionen Franken hat die Autoimporteurin an ihrem neuen Standort das Volumen von 200 Einfamilienhäusern verbaut. Jetzt droht ihr der geplante Turm auf dem benachbarten Giessen-Areal, an der Verzweigung Richtung Glattzentrum und Hochbord, die Schau zu stehlen. «Dass an dieser Kreuzung ein Tor entstehen soll, ist zwar nachvollziehbar», sagt Antonio Boix, Immobilienverantwortlicher bei der Amag. «Ein 114 Meter hohes Gebäude übersteigt aber jedes städtebauliche Verständnis an dieser Lage.» Schliesslich befinde man sich nicht mitten in der Stadt Zürich, sondern «irgendwo in der Pampa». Der vom Dübendorfer Gemeindeparlament festgesetzte Gestaltungsplan für das Giessen-Areal scheint der Amag überladen. Sie hat deshalb Rekurs dagegen eingereicht. Das Verfahren vor dem Baurekursgericht bleibt aber bis zur Referendumsabstimmung vom 27. November sistiert: Erst sollen jetzt die Stimmbürger einen politischen Entscheid fällen. Im Einklang mit Rot-Grün Die Amag will sich im Abstimmungskampf nicht engagieren. Mit ihren Bedenken findet sie sich jedoch im linksgrünen Lager wieder. Der grösste Garagenbetrieb der Schweiz – Verkäufer der vier Automarken VW, Audi, Seat und Skoda – sorgt sich nämlich, dass der Verkehr zusammenbrechen könnte. Sollten im neuen Hochhaus tatsächlich bis zu 5000 Quadratmeter grosse Einkaufsflächen zugelassen werden, kollabiere die Kreuzung Giessenstrasse/Überlandstrasse, heisst es bei der Amag. «Davon sind auch wir betroffen.» Der Gestaltungsplan missachte den Vertrag, den alle früheren Grundeigentümer für die Erschliessung des Giessen-Areals 2003 mit der Stadt Dübendorf abgeschlossen hätten. «Wir haben zwar nichts dagegen, wenn in unserer Umgebung Verkehr entsteht», sagt Antonio Boix. «Unsere Kundschaft muss uns aber erreichen können.» Mit dem Hochhausprojekt verschwinde die Amag zudem aus der Sichtweite der Glattalbahn-Benutzer. «Die Haltestelle Giessen ist dann von Erdwällen und Gebäuden umstellt.» Die Amag stört sich auch daran, dass im Giessen-Turm erlaubt sein soll, was ihr selbst verwehrt wurde. So weise das Hochhausprojekt mehrere Untergeschosse auf. Für den Garagenbetrieb habe man jedoch nicht weiter als 3 Meter tief in den Boden bauen dürfen. «Diese Vorgabe hat man uns damals aufs Auge gedrückt», ärgert sich Antonio Boix. Der Amag und ihren 285 Mitarbeitern sei daraus ein massives Parkplatzproblem erwachsen. Gelöst hat sie es nur vorübergehend: Auf einem Landstück der benachbarten Firma Givaudan konnte sie provisorisch 100 Parkplätze zumieten. Auch Givaudan hat gegen den Gestaltungsplan Giessen rekurriert. Der weltgrösste Hersteller von Aromen und Duftstoffen fürchtet, dass seine Zufahrt beeinträchtigt werden könnte. Angelo Labate, der Grundeigentümer des Giessen-Areals, und die Dübendorfer Behörden wollen mit Hinweis auf das offene Verfahren keine Stellung nehmen zu den Vorwürfen der Amag.

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