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Alte wollen nicht in Anstalt

Im November entscheiden drei Gemeinden, ob das Russiker Alterszentrum Rosengasse als interkommunale Anstalt geführt wird. Für rote Köpfe sorgt allein die Bezeichnung.

Russikon. - Am 29. November stimmt das Volk in Russikon, Fehraltorf und Weisslingen über die Zukunft des Zweckverbandes Alterswohnheim Russikon ab. Grund dafür ist die neue Kantonsverfassung, die vorsieht, dass sämtliche Zweckverbände des Kantons Zürich demokratisch organisiert werden. Die Betriebskommission des Alters- und Pflegezentrums Rosengasse nimmt dies zum Anlass für einen zusätzlichen Schritt: Der Zweckverband soll aufgelöst und an seiner Stelle eine interkommunale Anstalt (IKA) gegründet werden. Gestern fand dazu in Russikon eine Informationsveranstaltung statt. Als Hauptargument für die neue Rechtsform nannte Margrit Berlinger (FDP), Russiker Sozialvorsteherin und Präsidentin des Zweckverbands, die Effizienz einer IKA: Die Entscheidungswege würden verkürzt, der Apparat flexibler und moderner. Dies sei unumgänglich, um einen hohen Qualitätsstandard und Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren.

In Zukunft soll die Rosengasse einem sechsköpfigen Verwaltungsrat unterstellt sein. Dieser setzt sich aus Personen zusammen, die von den beteiligten Gemeinden delegiert werden. Die Geschäftsleitung besteht aus dem Präsidenten des Verwaltungsrats - ausdrücklich ein Vertreter des Russiker Gemeinderats - sowie der Geschäftsleitung des Altersheims und einer unabhängigen Kontrollstelle. Dass die Gemeinden damit ihren Einfluss aus der Hand geben, sei nicht zu befürchten, beruhigte Berlinger eine anwesende Russikerin: Die Mitglieder des Verwaltungsrats seien verpflichtet, dem Gesamtgemeinderat Rechenschaft abzulegen.

Für die Trägergemeinden ergeben sich keinerlei weitere finanzielle Verpflichtungen, da die bisherigen Vermögenswerte und die gesamte Infrastruktur vollständig übertragen werden. Die Rosengasse solle nach unternehmerischen und betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden - finanzieller Gewinn stehe allerdings nicht im Vordergrund. «Da kann nicht ge-ospelt werden», beruhigte der Weisslinger Gemeindepräsident Rudolf Bolliger (SVP) die Russiker mit einem Augenzwinkern und versprach eine faire Tarifpolitik. Um die beantragte Änderung vorzunehmen, ist die Zustimmung aller drei Gemeinden nötig - keine Gemeinde kann überstimmt werden.

Beleidigte Bewohner

Der Grundtenor des Informationsabends am Dienstag in der Mehrzweckhalle Riedhus war positiv, auch wenn sich einige der anwesenden Russiker von der Komplexität des Geschäfts überfordert fühlten. Die anschliessende Fragerunde verstrich denn auch ungenutzt. Dafür wurden vor und nach der Veranstaltung empörte Stimmen laut. Die Russiker stiessen sich am Begriff, der fortan für die Rosengasse verwendet werden soll. Das Wort «Anstalt» weckt insbesondere bei der älteren Generation unangenehme Assoziationen. Die Vortragenden zeigten Verständnis für die dargelegten Einwände, versuchten die Wogen aber zu glätten: «Bisher hat man ja auch nicht im Zweckverband, sondern in der Rosengasse gewohnt», gab Bolliger zu bedenken. Daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern.

Doch das vermochte nicht alle zu überzeugen: Nach dem Orientierungsabend in der Rosengasse verfasste die älteste Bewohnerin ein Schreiben an «die klugen Herren in Zürich», um ihre Sicht auf das Geschäft darzulegen: Eine Altersresidenz könne sie sich als Normalsterbliche nicht leisten, und sie habe nicht ein Leben lang Steuern bezahlt, um nun in einer Anstalt verwahrt zu werden. Der Brief - verfasst in sauberster Handschrift - ist auf dem Weg zum Regierungsrat.

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