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Als man mit dem Tram von Uster nach Oetwil reiste

2009 jährt sich die Eröffnung der Uster-Oetwil-Bahn zum hundertsten Mal. Erleben kann die Bahn dieses Jubiläum nicht, sie wurde schon 1949 eingestellt und abgebrochen.

Uster. - Ein Jahrhundert ist vergangen, seit die «Elektr. Strassenbahn Uster-Oetwil a/See» ihren Betrieb aufgenommen hat. Schon vor 60 Jahren verschwand die «Usteröpfelbahn», wie sie liebevoll genannt wurde, wieder aus den Kursbüchern. Nur wenige Überreste erinnern heute noch an die Verbindung, um die heutzutage wohl manch ein Pendler froh wäre. In den Köpfen vieler Leute aus der Region ist die Erinnerung ans Tram aber noch wach. Angesichts voller Busse wünscht sich gar der eine oder andere die Bahnlinie zurück.

Bahnboom im Oberland

Diese startete 1909 durchaus hoffnungsvoll. Um diese Zeit erlebte der Bahnbau einen gewaltigen Boom. Auch das Oberland wurde davon erfasst. Zu den schon früher eröffneten Strecken gesellten sich neue, so 1901 die Uerikon-Bauma-Bahn und 1903 die schmalspurige Wetzikon-Meilen-Bahn. Damit waren die Ideen aber nicht ausgeschöpft. Verschiedene Komitees drängten auf weitere Bahnen, so eine Uster-Egg-Meilen-Bahn oder eine Bahn Effretikon-Uster-Stäfa. Auch Pfäffikon und Uster sollten mit einer Bahn verbunden werden. Als aussichtsreich erwies sich das Projekt der Uster-Oetwil-Stäfa-Bahn.

Auch wenn am Ende nur der Abschnitt Uster-Oetwil gebaut wurde, war der Jubel gross, als am Samstag, 29. Mai 1909, der erste Zug verkehrte. Zeitgenössischen Berichten ist zu entnehmen, dass schon am darauffolgenden Sonntag zwei und am Pfingstmontag gar sechs Extrazüge fahren mussten. Zur Verfügung standen drei zweiachsige Triebwagen des Typs CFe 2/2 sowie drei passende Personenwagen. Für den Frachtverkehr verfügte die Bahn über zwei gedeckte und drei offene Güterwagen aus Holz. Anfänglich waren die Züge der neuen Bahn in einem schmucken hellgelben Anstrich mit dunkeln Zierlinien unterwegs. Später verkehrte die Bahn wie das Zürcher Tram in den Kantonsfarben Blau und Weiss. Der Personalbestand schwankte im Laufe der Jahre, zwischen 6 und 8 Festangestellte sollen es gewesen sein, deren Arbeitszeit 1922 auf 9 Stunden täglich erhöht wurde - bei gleichzeitiger Lohnreduktion um 8 Prozent. Über die Eignung des Personals gingen die Meinungen übrigens auseinander. Kontrollingenieure des Bundesamtes berichteten in den frühen Jahren jedenfalls, dass Depotchef und Fahrpersonal «ziemlich unfähig» und Fahrzeuge sowie das Depot darum «in schlechtem Zustand» seien.

Kaum etwas blieb übrig

Seit dem Wechsel zum Winterfahrplan im Oktober 1949 ist das unrentable und an der Einmündung Bank- und Bahnhofstrasse quietschende Tram wieder aus Uster verschwunden. Seine Aufgabe übernahmen Busse der VZO, die mit Ausnahme der Forchbahn alle Privatbahnen im Oberland ersetzten. Während die Wetzikon-Meilen-Bahn verschiedene schmucke Bahnhofgebäude hinterlassen hat und sogar zwei Fahrzeuge dieser Bahn im Oberland aufgestellt sind, ist von der Uster-Oetwil-Bahn (UOeB) kaum etwas geblieben. Dies vor allem, weil sie eine reine Strassenbahn war, also kein eigenes Trassee besass. Im Zuge verschiedener Bauarbeiten verschwanden darum im Laufe der Jahre fast alle Spuren. Völlig beseitigt sind sie indes nicht - wer die einstige Tramstrecke mit offenen Augen abschreitet oder abfährt, vermag sie zu entdecken. So sind in Uster an immerhin drei alten Gebäuden noch die Fahrleitungs-Aufhängungen aus verschnörkeltem Gusseisen vorhanden. Am Ortsausgang in Richtung Riedikon steht auch noch das stattliche Depotgebäude,das einst mit zwei Gleisen ausgestattet war und den bescheidenen Fahrzeugpark der UOeB beherbergte. Nach verschiedenen Um- und Ausbauarbeiten ist heute darin eine Getränkehandlung untergebracht.

Vom Depot aus folgte das Tram der Hauptstrasse via Riedikon nach Mönchaltorf. Auch hier hat das Bähnchen Spuren hinterlassen - in Form eines Güterschuppens sowie eines heute noch vorhandenen Anbaus am einstigen Mineralbad und heutigen Gasthof Löwen. Darin befand sich das Stationsbüro und der Wartesaal. Wie Verena Hafner, die heutige Besitzerin des Löwen und des daneben stehenden Güterschuppens, sagt, sei der Anbau vor zwei Jahren dem Restaurant zugeschlagen worden. Zuvor hätten die Wirtsleute den bis heute «Wartesaal» genannten Raum privat genutzt. Der separat stehende Güterschuppen werde als Lagerraum gebraucht.

Von Mönchaltorf hinauf nach Esslingen ist von der Bahn nichts mehr zu sehen. In Esslingen selber steht hingegen der von der UOeB und Forchbahn gemeinsam genutzte Bahnhof noch, auch wenn er seine ursprüngliche Bestimmung vor einigen Jahren verloren hat. In einem Schaufenster weist ein kleines Denkmal auf die Vergangenheit des Gebäudes hin.

Bis nach Oetwil erinnert nun nichts mehr an die Bahn, und auch im Dorf selber sind die Spuren getilgt. Erst am Ortsausgang im Langholz erkennen geübte Betrachter die dortige Lastwagengarage als ehemalige Tramremise. Hier trafen sich die UOeB und die Wetzikon-Meilen-Bahn (WMB), die seit 1936 eine gemeinsame Betriebsleitung hatten. Durchgehende Züge wurden allerdings nie geführt. Aus Anlass des 100. Geburtstages der Uster-Oetwil-Bahn beabsichtigt der «Tages-Anzeiger», Anekdoten und alte Fotos der Bahn zu veröffentlichen. Entsprechende Einsendungen nimmt die Regionalredaktion in Uster gerne entgegen.

Der alte Bahnhof von Esslingen. Hier bestand die Möglichkeit, von der Uster-Oetwil-Bahn (rechts) auf die Forchbahn umzusteigen.

Das markante Strassenbahndepot an der Riedikerstrasse in Uster ist erhalten geblieben. Sogar die Putzgruben im Boden sind noch zu sehen.

Auch in Mönchaltorf sind deutliche Spuren vorhanden: Der 100-jährige Güterschuppen steht noch, im Restaurant-Anbau befand sich einst der Wartesaal.

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