Zum Hauptinhalt springen

Als Erste einen Baum für die Ewigkeit gefunden

Seit kurzem hat Stäfa einen Waldfriedhof. Die erste Kundin hat sich den Baum für ihre letzte Ruhestätte bereits ausgesucht.

Von Regine Imholz Stäfa – Zielgerichtet marschiert Anouk Faber* durch ein Waldstück oberhalb von Stäfa. Sie ist auf dem Weg zu «ihrem» Baum – einer Buche, die sich die 64-Jährige vor wenigen Tagen als letzte Ruhestätte ausgesucht hat. Sie ist die erste Kundin der Firma Waldesruh GmbH, die vor einer Woche den Waldfriedhof unweit des Parkplatzes Mühlihölzli eröffnet hat (TA vom 17. 3.). Der Gedanke, sich einen Baum als letzte Ruhestätte auszusuchen, ging Faber zum ersten Mal vor 15 Jahren durch den Kopf. Damals kam sie mit ihrem Mann nach einer Wanderung an einem Bergfriedhof vorbei. «Der Friedhof lag fast gänzlich im Wald», erinnert sie sich, «und strahlte einen unglaublichen Frieden aus.» Vor einem Jahr starb Anouk Fabers beste Freundin an Krebs – und ihre Asche wurde bei einem Baum beigesetzt. Das Begräbnis hinterliess bei der Wädenswilerin grossen Eindruck: «Der gerade, kräftige Baum passte perfekt zu meiner Freundin», sagt sie, «so stand auch sie im Leben.» Damals beschloss sie, dass dereinst auch ihre Asche bei einem Baum beigesetzt werden solle. «Ein Friedhof sagt mir nicht viel», sagt sie, «ich fühle dort nichts.» Ausserdem sei sie zu sehr Individualistin, als dass sie in Reih und Glied neben ihr unbekannten Menschen bestattet sein wolle. Irritierter Ehemann Mit der Ruhestätte im Wald will Anouk auch ihren Angehörigen die Pflege eines Grabes ersparen. «Ich will nicht, dass sich jemand verpflichtet fühlt, mich auf dem Friedhof zu besuchen», erklärt sie. Im Wald, umgeben von den Geräuschen der Natur und der Tiere, verliere der Tod seinen Schrecken. Für sie ist es ein schöner Gedanke, einmal an einem Ort zu sein, von dem aus sie nicht nur auf den See und die Berge blicken kann, sondern auch auf ihre Heimat Wädenswil. Als sie ihrem Mann von ihrem Entschluss erzählte, reagierte er zuerst etwas irritiert auf die Pläne seiner Frau. Doch nachdem sie ihm «ihren» Baum gezeigt hatte, ging es nicht lange, bis er ihr mitteilte, ebenfalls unter der Buche bestattet werden zu wollen. «Unterdessen», erzählt Anouk Faber, «denkt sogar meine betagte Mutter über ein Grab an derselben Baumwurzel nach.» Warum bezahlt sie rund 5000 Franken für einen bestimmten Baum – sie könnte ihre Asche doch in irgendeinem Wald gratis bestatten lassen? «Ich will das einfach erledigt wissen», sagt Faber resolut, «und ich will sicher sein, dass mein Baum noch steht, wenn ich sterbe.» * Name von der Redaktion geändert Anouk Faber will unter einer Buche in Stäfa beigesetzt werden.Foto: Regine Imholz

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch