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AKW Angst macht keine gute Politik, TA vom 25. 5.«Will der Bundesrat den Atomausstieg bloss aus Angst?»

AKW Angst macht keine gute Politik, TA vom 25. 5.«Will der Bundesrat den Atomausstieg bloss aus Angst?» Vogel-Strauss-Politik hilft nicht. Mit dem Kopf im Sand träumt man viel süsser vom sauberen Atomstrom und vergisst die Gefahren schnell. Nach Three Mile Island und Tschernobyl war dies die Politik. Doch nach Fukushima müssen wir endgültig erwachen und der Gefahr ins Auge blicken. Das ist hart, denn wir brauchen Strom, sogar immer mehr, und das Risiko ist ja so schwer einzuschätzen. Die Sicherheit der Atomkraftwerke beruht massgeblich auf doppelten und mehrfachen, unabhängigen Sicherheitseinrichtungen, sodass der gleichzeitige Ausfall aller Systeme unwahrscheinlich wird. Die Tücke dabei liegt im Wort «unabhängig»: In Three Mile Island benützten mehrere Sicherheitssysteme denselben Kabelkanal und versagten allesamt, als es zu einem Kabelbrand kam. Und im AKW Mühleberg könnte beim Auslaufen des Wohlensees gleichzeitig Haupt- und Notkühlung von der Wasserzufuhr abgeschnitten werden. Nichts und niemand kann verhindern, dass bei einem Erdbeben, einem Flugzeugabsturz oder einem Terroranschlag alle Sicherheitseinrichtungen gleichzeitig betroffen sind und ausfallen. Wie wahrscheinlich dies ist, lässt sich nicht berechnen, sondern nur aus der Statistik schätzen. Seit 1950 ereigneten sich 32 Unfälle der INES-Stufe 4 und höher, deren 4 in den letzten zwei Jahrzehnten. Tschernobyl und Fukushima (INES 6) liegen 24 Jahre auseinander. Der Versicherungsmathematiker erwartet aufgrund dieser Daten den nächsten Super-GAU im Jahre 2034. «Nicht bei uns, denn unsere AKW sind viel sicherer» rufts aus dem Sand! Doch Beznau I und II sowie Mühleberg wurden vor 1970 gebaut, Gösgen und Leibstadt vor 1985, und die frühe Bauzeit und lange Betriebszeit machen sie nicht unbedingt sicherer. Bei weltweit 442 Reaktorblöcken, wovon 5 in der Schweiz, schätzt der Versicherungsmathematiker die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Super-GAU bei uns eintritt, auf über ein Prozent. Wie unermesslich gross der Schaden ist, führt uns Fukushima drastisch vor Augen: ein Gebiet von sechzig Kilometer Radius rund um den Reaktor auf Jahrzehnte hinaus unbewohnbar. Sechzig Kilometer rund um Mühleberg sind circa dreissig Prozent der Schweizer Landesfläche! Wohin mit zwei Millionen Einwohnern? Der Versicherungsmathematiker schliesst, dass mit einem Prozent Wahrscheinlichkeit die Schweiz in 24 Jahren zerstört ist! Ist dieses Risiko tragbar? «Milchmädchenrechnung» rufts aus dem Sand! Klar, so einfach ist das nicht. Aber mit dem Kopf im Sand findet man die richtige Entscheidung erst recht nicht. Will der Bundesrat den Atomausstieg tatsächlich bloss aus Angst, wie der Tagi am Donnerstag schrieb? Nein, er hat bloss den Kopf aus dem Sand gezogen! Hans-Rudolf Thomann, Benken ZHTechnologieberater Eingeredetes Risiko. «Angst ist ein schlechter Ratgeber», sagt das Sprichwort, und sie «macht keine gute Politik», erfahren wir im «Tages-Anzeiger» vom letzten Mittwoch. Sehr richtig! Die Angst vor der «Versorgungslücke» und dem «Lichter-Ausgehen», die uns eingeredet wurde und immer noch wird, die hatte wirklich keine gute Politik zur Folge. Sie hatte es höchstens für diejenigen, die ein (hohes) Einkommen aus der Stromerzeugung beziehen. «Risikobehaftet» war die Atomenergie bereits vor Fukushima, erfahren wir. Aber nach unserer Erinnerung ist vorher viel zu wenig darüber nachgedacht und diskutiert worden, wie das Risiko, das wir da eingegangen sind, in der Realität aussieht. Warum eigentlich? Hat die uns eingeredete Angst unsere natürliche Angst, etwa vor Evakuierungen, vor Geisterstädten und unbewohnbaren Regionen einfach weggedrängt? Jetzt aber hat sich das Risiko wieder in unseren Blick geschoben. Die Informationen kamen zwar scheibchenweise und entsprechend langsam, aber doch deutlich und angsterregend für jeden, der im Umkreis von, sagen wir, hundert Kilometer eines AKW wohnt und nicht einfach weg will. Natürlich könnte man Vorsorge treffen, zum Beispiel mit einer Fluchtwohnung im Tessin oder in der Karibik, und vermutlich haben diejenigen, die uns Angst «ausreden» wollen, das zum Teil auch schon gemacht. Auch wir als Rentner sind davon gedanklich nicht weit entfernt. Lieber Leser, liebe Leserin, über Ihre Angst vor dem Risiko sollten sie selbst nachdenken. Überlassen Sie das niemand anderem! Für uns selber heisst die Lösung: Die nächsten zehn bis dreissig Jahre verbringen wir vermutlich in der Nähe von Atomkraftwerken, die keine Zukunft mehr haben. Bei «Störfällen» oder Ähnlichem gilt: nichts wie weg hier ungeachtet, ob das gute oder schlechte Politik ist. Rolf und Ruth Gimmel, Brugg Märchen über Stromlücken. Die Befürworter der Kernenergie schrecken heute nicht mal mehr davor zurück, den Glauben an die Möglichkeiten des technischen Fortschritts zu opfern. Damit schützen sie lediglich die kurzsichtigen Ideen und Pfründe einer gut verdienenden Minderheit. Wer heute gegen AKW ist, ist vor allem für den Fortschritt, für gute Arbeitsplätze in der Technologiebranche, und diese ist sicher, dezentralisiert und erneuerbar. Angst haben wir bloss davor, dass die Energiewirtschaft immer noch zu viel Geld hat, um auch nach zwei Super-GAUs in 25 Jahren die alten Märchen über Sicherheit und Stromlücken aufrechtzuerhalten. Dabei ist die Kernenergie heute nichts weiter als ein alter, abgenagter Knochen. Hans Früh, Dietlikon Die Zukunft unserer Kinder. Es ist richtig, dass Atomenergie (schon vor Fukushima) mit hohen Risiken verbunden war. Es ist aber auch richtig, wenn wir vor dem, was in Japan geschehen ist, Angst haben. Problematisch ist, dass wir Angst verdrängen können, dass wir das, was uns ständig bedroht, vergessen und so nicht mehr zum Handeln aufgefordert sind. Handeln hätten wir schon seit Tschernobyl können, denn an der Risikolage hat sich kaum etwas verändert: Atomtechnologie ist im Grenzbereich unberechenbar und kann enormes Leid und Schaden verursachen. Es ist richtig, mit der Energiefrage geht es um unsere Zukunft. Mit der Atomenergie geht es insbesondere um die Zukunft unserer Kinder, welche sich einst ernsthaft mit den Problemen der Entsorgung, des Rückbaus befassen und dies dann auch finanzieren müssen – ohne dass sie davon einen direkten Nutzen haben. Wir haben eine Verantwortung gegenüber nächsten Generationen. Hermann Schneider, Affoltern a. A. «Der Bundesrat hat den Kopfaus dem Sandgezogen.» «Wer heute gegen AKW ist, ist vor allem für den Fortschritt.» «Hat die uns eingeredete Angst unsere natürliche Angst, etwa vorEvakuierungen, weggedrängt?»

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