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Adliswiler Parlamentarier nehmen Nachhilfe in Geschichte

Die Adliswiler Gemeinderäte besuchten bei ihrem traditionellen Ausflug schon wieder den Kanton Schwyz. Es war ein lehrreicher Tag für die Politiker.

Von Marco Morosoli Adliswil/Sattel – Adliswils Gemeinderatspräsidenten lieben die Innerschweiz. Max Stenz (Freie Wähler) führte als höchster Adliswiler vor einem Jahr seine Parlamentskollegen auf den Wildspitz im Kanton Schwyz. Sein Nachfolger Thomas Fässler (CVP) suchte sich das Gelände der Schlacht bei Morgarten und den Sattel als Ausflugsziel aus. «Ich kenne das Gebiet von Ausfahrten mit dem Velo», begründete Fässler seine Wahl. Dabei habe er versucht, etwas Kulturelles mit einer Prise Abenteuer zu paaren. Ein Vorhaben, das dem höchsten Adliswiler glänzend gelang. Zuerst besuchte die 30-köpfige politische Reisegesellschaft am Freitag den Ort, an dem sich 1315 die Schwyzer mit den Habsburgern duelliert haben sollen. Dabei zeigte der einheimische Hobbyhistoriker Roland Marty eindrücklich, dass Geschichtslektionen keineswegs dröge sein müssen. Freisinniger Bildungsgenuss Marty schilderte den Schlachtverlauf im Wald im Gebiet Schaffstätten so realitätsnah, als sei er vor sieben Hundert selber auf dem Schlachtfeld gestanden. «So eine lebhafte Führung hatte ich noch nie», sagte hinterher Gemeinderat Davide Loss (SP). Für Ratspräsident Fässler war das Eintauchen in die Gründerzeit der Eidgenossenschaft «engagiert». Adliswils Stadtpräsident Harald Huber (FDP) genoss die Geschichtslektion: «Ich habe vieles gehört, was mir bis anhin nicht bekannt war.» Eine Einschätzung, die viele teilten, hatten sie doch in der Schule gelernt, dass die Schwyzer mit grossen Felsbrocken die Habsburger angriffen. Doch in Wirklichkeit reichten wohl schon faustgrosse Steine, um den adligen Ritter vernichtend zu schlagen. Voller Stolz verkündete Marty: «Die Schwyzer hatten 14 Tote zu beklagen, hoch waren hingegen die Verluste der Habsburger. Gegen 1000 sollen im unwegsamen Gelände ihr Leben gelassen haben.» Für Erstaunen sorgte bei den Adliswiler Politikern auch das Schlusswort des Hobbyhistorikers: Nach der siegreichen Schlacht hätten die Schwyzer alles verwertet. Recycling war demnach schon im Mittelalter kein Fremdwort, folgerten die Politiker. Grüne Höhenangst Nach dem geschichtlichen Exkurs folgte der abenteuerliche Teil des diesjährigen Gemeinderatsausfluges auf dem Mostelberg ob Sattel. Die Attraktion dort ist seit Juli eine 374 Meter lange Hängebrücke (TA vom Freitag). Sie ist zurzeit die längste ihrer Art in Europa. Fast alle Gemeinderäte wagten sich auf das wacklige Objekt. Um die Höhenangst zu vertreiben, warnte Gemeinderat Ueli Gräflein von den Grünen: «Nur nicht nach unten schauen.» Doch nicht wenige beschlich ein mulmiges Gefühl, und sie waren einfach nur froh, auf der Gegenseite wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. «Da gehe ich bestimmt nie mehr rüber», sagte eine Wagemutige hinterher. Dies ist auch möglich. Allerdings nur mit einem grösseren Umweg. Doch der Startpunkt der Brücke bei der Bergstation der Luftseilbahn Sattel–Mostelberg war noch lange nicht das Ziel der Reisegesellschaft. Zuerst gab es zum Abschluss des Ausflugs ein ausgiebiges Nachtessen im Restaurant Herrenboden. Vielleicht diskutierten die Gemeinderäte bei der Mahlzeit auch, ob eine Hängebrücke Adliswil touristisch aufwerten würde. Der Stadt mangelt es am Unterlauf der Sihl gewiss nicht an geeigneten Stellen.

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