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Kinder probten die Anbauschlacht

Es wurde schwer geschleppt und viel gelernt: In Kirchberg wurden die Kinder zweier Schulklassen vorübergehend zu Bauern. Nahe der Autobahn pflanzten sie Kartoffeln nach alter Väter Sitte und erweckten damit viel Aufmerksamkeit.

Alles Kartoffel oder was? Das mögen sich Kinder fragen, wenn sie Chips, Kartoffelstock, Pommes frites oder Bratkartoffeln essen. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3/4A aus Kirchberg wissen es ganz genau. Sie haben sich während eines halben Jahres intensiv mit dem Thema «Kartoffel» auseinandergesetzt und dabei viel gelernt. Diese Woche präsentierten sie ihr Wissen den geladenen Gästen. 90 Personen hatten sich zum Kartoffelschmaus mit Bildungsblock angemeldet – und bekamen eine Show sondergleichen zu sehen. Etwa wenn der Nachwuchs auf der Bühne die Geschichte einer Kartoffel erzählte, die in die Stadt ziehen wollte. Sie habe nicht etwa eine Wohnung im ersten oder zweiten Stock gesucht, «nein, es musste ein Kartoffelstock-Appartement sein», erklärte Elena Grütter dem Publikum. Arbeiten von Hand Zusammen mit Melina Bossard moderierte sie den Anlass und zeigte dabei viel Talent. Doch bevor es so weit war, mussten die beiden zünftig zupacken. Auf einem Acker beim Kleehof Kirchberg standen sie im Frühling mit Harken und Messlatten bereit. Hier, gleich neben dem Kreisel zur Autobahn, pflanzten 21 Kinder das aus, was später einmal auf ihren Tellern landen sollte. Nicht, dass sie abwechslungsweise auf einer Setzmaschine Platz nehmen durften, nein, es wurde nach alter Väter Sitte von Hand gearbeitet. «Das war mühsam und anstrengend», erinnern sich Melina und Elena. Auch Tino Schertenleib und Dominik Frei mögen sich gut an diesen Tag erinnern. «Wir mussten alles genau abmessen, und am Abend hatten wir Muskelkater», erklären die beiden. Das ist jedoch längst Vergangenheit. Inzwischen haben die Kinder die Ernte eingefahren oder vielmehr aufgelesen. Landwirt Bernhard Lüthi half mit einem alten Erntegerät aus und schüttelte die Kartoffeln aus dem Boden heraus. Korb um Korb füllte sich und wurde von den Kindern zum Anhänger geschleppt. «Die Kartoffeln auszugraben und aufzulesen war das Lässigste», sagt Dominik. Knipsendes Publikum Trotz der harten körperlichen Arbeit hatten die Kinder ganz offensichtlich den Plausch an den ungewöhnlichen Schulstunden. Und sie erweckten bei ihrem Wirken die Neugierde von Passanten. «Verwunderte Automobilisten hielten am Strassenrand an und knipsten begeistert Fotos von unserer Anbauschlacht», berichtet Susanne Zurfluh. Sie ist zusammen mit ihrer Arbeitskollegin Elsbeth Loosli auf die Idee gekommen, beim Projekt «Schule auf dem Bauernhof» mitzumachen. Sie wollten damit den obligatorischen Schulstoff «Produzieren und konsumieren» möglichst lebensnah vermitteln. Das ist ihnen gelungen. Am Dienstag kauften die Eltern die 700 Kilogramm Kartoffeln zu einem grossen Teil auf. «Mein Vater nimmt gleich 10 Kilogramm», verriet Elena stolz, bevor sie sich in die Reihe beim Kochtopf mit «Gschweuti» anstellte. «Das gibt Stimmung im Keller», sangen die Kinder aus voller Kehle. Bald werden «Lady Rosetta und Co», wie sie die Esswaren liebevoll nannten, in manch einem Kirchberger Keller eine vorübergehende Bleibe finden. Ursula Grütter >

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