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Er war ein legendärer Gastgeber

Walter Kernen ist mit 81 Jahren gestorben. Er hat das Thuner Restaurant Steinbock jahrzehntelang geführt und geprägt.

«Steinbock Hurneli» wird den diesjährigen Fulehung nicht mehr von dieser Welt aus mitmachen. Der Thuner Walter Kernen ist nach mehrmonatiger, schwerer Krankheit mit 81 Jahren friedlich eingeschlafen – im Fernsehsessel in jener Zimmerecke, wo er einst geboren wurde. Eine grosse Trauergemeinde hat in der Stadtkirche in der nach seinen Vorstellungen gestalteten Abdankung Abschied genommen. Die Familie verlor einen Mann und Vater, der immer für sie da war, und die Stadt ein Urgestein und Original. Die Erinnerungen an unzählige Begebenheiten mit ihm und sein Lebenswerk, das Restaurant Steinbock im Bälliz, werden weiterleben. Der Prögeler Walter Kernen hat die Thuner Schulen besucht, die Hotelfachschulen Freiburg und Lausanne absolviert und Koch gelernt. Während fünf Jahren arbeitete er im weltbekannten Hotel Ritz in London. Kernen wusste später davon manch amüsantes Müsterchen zu erzählen. Der Tod seines Vaters rief ihn zurück in die Heimatstadt. Er übernahm den elterlichen «Steinbock», anfangs zusammen mit Mutter Frieda und ab 1956 auf eigene Rechnung. Vor 47 Jahren fand Walter Kernen im damaligen «Mubeeri» seine spätere Frau, die Bündnerin Bianca. Der 1964 geschlossenen Ehe entsprossen zwei Töchter und ein Sohn. Alle haben im «Steinbock» noch heute ihre Aufgaben. Mit grossem Einsatz und Engagement machten Kernens den «Steinbock» zum so genannten In-Lokal. Der Spruch: «Der Patron kocht selbst – kommen Sie trotzdem» zeugte vom speziellen Humor von Patron Walter Kernen. Diesen lebte er mit Genuss auch an den legendären, verschiedenen Stammtischen mit Künstlern, Geschäftsleuten und Unternehmern. Die Treffpunkte gibt es heute noch. Nur hilft «Hurneli» – ein vor Jahrzehnten im Freundeskreis entstandener Spitzname – nicht mehr leidenschaftlich zu diskutieren, philosophieren, politisieren und fröhlich witzeln. Ausgleich zum zeitintensiven Wirteleben fand das Paar zum Beispiel beim Pilzesammeln. Arg «gefuxt» hat «Hurneli», wenn seine Gattin mehr fand als er selber. Trotzdem verarbeitete er den Fund mit viel Liebe zu weithin geschätzten Gerichten. Wenn immer zeitlich möglich, zogen sich die Eheleute in ihr Ferienhaus auf die Metschalp zurück. Dort liebte es der Verstorbene, im Garten zu werken, viel zu lesen und private Gäste zu bewirten. Etappenweise wurde das denkmalgeschützte Haus im Bälliz – in dem die Familie auch wohnt –saniert und der Neuzeit angepasst. Vor zwölf Jahren übergab Walter Kernen den «Steinbock» an seine Tochter Barbara, ebenfalls gelernte Köchin. Noch lange stand er bei Bedarf helfend mit in der Küche. Hauptsächlich pflegten Walter und Bianca aber den Kontakt zu den Gästen. Nun tut es Bianca, die Seele des Hauses, alleine. Und der Fulehung wird seine Täfeli auch künftig vom «Steinbock»-Fenster aus in die Menge werfen. Nelly Kolb >

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