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« Burkhard war ein genialer kauz »

der kleine schwarze niederdorfhecht aufgezeichnet von Corina freudiger «Bei Kompositionen von Paul Burkhard weiss ich nie genau, ist das jetzt einfach schmissiges Unterhaltungstheater, oder meint der das auch brutal ernst? Man kannte Burkhard ja vor allem als den Komponisten von ‹Oh mein Papa› und der ‹Niederdorfoper› . Das war für ihn eine Tragödie, denn er wäre gern als tiefgründiger Musiker bekannt gewesen. Gleichzeitig finanzierte er mit diesen Hits sein Leben. Als er dann eines Tages begann, sogenannt ernste Ware zu schreiben, sagten alle: ‹Ja, spinnt denn der jetzt?› Mein Lieblingsstück von Burkhard ist ein ernstes. Es heisst ‹Heute gehts mir gut› und meint genau das Gegenteil. Es ist eines seiner ersten, ein Liebeslied &endash Text: Werner Düggelin. Der sagt aber bis heute, er habe mit dem Chanson nichts zu tun. Nun weiss man heute, dass Düggelin, bevor er ein erfolgreicher Regisseur wurde, als Beleuchter am Schauspielhaus gearbeitet hat. Burkhard war zu der Zeit dort Leiter der Musikabteilung. Man kann sich vorstellen, dass Burkhard dieses Lied in einer schwärmerischen Nacht komponiert und den Düggelin als Texter gleich miterfunden hat. Lassen wir das eine Anekdote sein, ich finds grossartig! Das Stück kommt an unserem Abend auch vor. Mit dem ‹Niederdorfhecht› wollen wir keinen Nostalgieabend machen, da könnten wir ja direkt in den Altersheimen touren gehen. Die Gegenwart musste unbedingt mit rein! Darum haben wir uns gefragt: Wie würde das Schweizer Fernsehen heute eine Jubiläumssendung zu Paul Burkhard machen? Das ist unsere satirische Rahmenhandlung: Weils wenig kosten soll &endash es ist ja Kultur &endash hat man die letzten überlebenden Studiomusiker von Radio Beromünster engagiert und einen Moderator angestellt, der gleichzeitig auch Burkhard-Lieder singen kann. Das wäre dann ich. Mit mir auf der Bühne steht das Zürcher Staatsorchester Kur und Bad, alles schräge Vögel, so Marthaler-Typen. Die sind alles andere als perfekt. Aber genau darum bringen sie oft Momente zustande, die bestenfalls magisch sind. Das interessiert mich, darum mach ich Theater. Burkhard kannst du nur bringen, wenn du seine Musik per se magst. Man muss ihn nicht verhunzen, sondern ihn liebevoll und mit Distanz behandeln. Das ist es, was wir machen: die liebevolle Behandlung eines genialen Kauzes.» Tenor Christian Jott Jenny als nicht zwingend vertrauenswürdiger Moderator, im Hintergrund das Zürcher Staatsorchester Kur und Bad. Do (Premiere ausverkauft), Fr (ausverkauft), Sa, Di, Mi 20 Uhr. Bis 28.1.2012 Eintritt 38 / 32 Franken Bild: Dieter Seeger / zvg

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