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Bau von Parallelpisten soll möglich bleiben

Für den Flughafen Kloten liegen seit gestern Freitag drei optimierte Betriebsvarianten auf dem Tisch. Den Bau von Parallelpisten will sich der Bund als Option offen halten.

Kloten. – In der Diskussion um das künftige An- und Abflugregime auf dem Flughafen Kloten hat sich der Fächer möglicher Betriebsvarianten verkleinert. Fachleute des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl), des Kantons Zürich und des Flughafens Kloten haben im Rahmen des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL) die 19 bekannten, technisch realisierbaren Varianten unter die Lupe genommen – dies unter der Prämisse, den Betrieb des Flughafens reibungslos und sicher zu gestalten sowie die Zahl der Fluglärmbetroffenen möglichst klein zu halten. Dabei haben die Fachleute drei Favoriten herausgearbeitet.

Bestehendes Pistensystem: Zwei der drei favorisierten Varianten basieren auf dem bestehenden Pistensystem. Die eine Variante hält sich nicht vollständig an die deutschen Sperrzeiten (Variante E optimiert) und schont den Süden. Sie setzt auf einen Nordbetrieb sowie ab 21 Uhr auf Ostanflüge; die andere Variante (E DVO) berücksichtigt die aktuellen Sperrzeiten und behält sich als Option den gekröpften Nordanflug vor. Wie Bazl-Chef Raymond Cron vor den Medien ausführte, kann der «Gekröpfte» die Anforderungen an einen leistungsfähigen Flughafenbetrieb langfristig nur mit einem Präzisionsverfahren erfüllen, dessen technische Realisierung aber noch nicht abgeklärt ist. Unabhängig vom SIL-Prozess ist beim Bazl derzeit ein Gesuch der Flughafenbetreiberin Unique für die Einführung des «Gekröpften» hängig, dies jedoch mit Sichtanflug.

System mit verlängerten Pisten: Der dritte Favorit (Variante J optimiert) enthält eine Kombination von Nord- und Ostbetrieb. Mit den aktuellen Sperrzeiten ist er allerdings nicht vereinbar. Cron betonte denn auch, eine Pistenverlängerung sei erst dann in Betracht zu ziehen, wenn sich mit Deutschland eine neue Vereinbarung über die Nutzung des süddeutschen Luftraumes finden lasse. Von diesem Ziel sind die beiden Länder aber weit entfernt.

System mit Parallelpisten: Der Bau einer Parallelpiste hat für den Bund derzeit keine Priorität. Wie Cron sagte, kann der Flughafen Kloten langfristig die steigende Nachfrage (400'000 Flugbewegungen) aber nur mit Parallelpisten bewältigen. Um diese Option für die Zeit nach 2030 zu bewahren, will er die dafür erforderliche Fläche im SIL raumplanerisch sichern und dadurch von Einzonungen freihalten. «Eine solche Massnahme hätte aber rein präventiven Charakter», sagte Cron. Für die Gemeinden Kloten, Bülach, Winkel und Neerach hätte dieser Eintrag in den SIL gleichwohl Konsequenzen, könnten sie doch in den betroffenen Gebieten künftig keine zusätzlichen Landreserven für Wohnzwecke mehr bereitstellen. Zudem müsste der Bund im Fall einer Realisierung der Parallelpisten einen Ersatzstandort für den Waffenplatz Kloten-Bülach oder für Teile davon suchen. Bei allen Varianten hat sich gezeigt, dass kaum Spielraum für Anpassungen an den Anflugwegen besteht. Bei den Abflügen hingegen können etwa das Surbtal AG oder Wil SG entlastet werden.

Mit dem vorliegenden Bericht verfügen die Kantone über die Grundlage, um ihre Position für das dritte SIL-Koordinationsgespräch vom 3. April in Bern festzulegen. Zu ersten Reaktionen ist es freilich gestern schon gekommen. Der Kanton Zürich stemmt sich nach wie vor gegen ein Parallelpistensystem. Seine definitive Haltung festlegen wird der Regierungsrat aber erst im März nach Gesprächen mit betroffenen Gemeinden, Organisationen und Verbänden. Der Kanton Aargau ist erfreut über die neuen Abflugrouten, ärgert sich jedoch, dass die Einführung des «Gekröpften» weiterhin zur Debatte steht. Der Kanton Schaffhausen lehnt Pistenverlängerungen ab, die Option Parallelpisten begrüsst er hingegen. Zufrieden zeigt sich Unique: Der Handlungsbedarf für eine weitere Entwicklung des Flughafens sei nun fachlich gut abgestützt. Das Fluglärmforum Süd verlangt Klarheit über die Zukunft des «Gekröpften» und die Verhandlungen mit Deutschland, bevor der SIL-Bericht «ernsthaft diskutiert werden kann».

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