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«Diese zarte, mehlige Konsistenz, die ich so mag»

Paradiesisch oder dekadent? Beagle Newton hat die erste Schweizer Hundebäckerei getestet. Hier ist seine Gastrokritik.

Im Paradies: Newton testet die Hundebäckerei Hov-Hov. (Video: Fabienne Andreoli)

Entgegen der öffentlichen Meinung sind nicht alle Beagles verfressen. Ich zum Beispiel bin ein Feinschmecker. Als solcher begleitete ich meinen Menschen Philippe Zweifel nur widerstrebend ins «Hov-Hov», um diese Gastrokritik abzuliefern. Die Vorstellung, es könnten danach viele andere Hunde dort essen, noch dazu vulgäre, ist mir ein Gräuel: Solche, die beim Essen nur den Genuss suchen und die gesellschaftspolitische Bedeutung nicht sehen. Aber offenbar liegt der Journalismus im Argen, da will ich nicht tatenlos danebenstehen.

Die erste Schweizer Hundebäckerei liegt in Zürich an der Badenerstrasse in der Nähe des Locherguts. Von aussen sieht sie wie eine Menschenbäckerei aus, mit hübsch verpackten Leckereien in der Auslage. Als wir das Lokal betraten, waren wir die ersten Gäste. Emina Milenkovic, die das Hov-Hov betreibt, empfing uns herzlich und verabreichte mir zur Begrüssung einen Satz heisse Ohren. Die Menschen denken, dass alle Hunde gerne an den Ohren liebkost werden, aber ich mag das eigentlich nicht.

Diät-Vegi-Variante

Doch wen kümmerts, wenn man soeben das Paradies betreten hat. Das Lokal ist voller Regale mit Köstlichkeiten: Kekse, Leckerli und Brezen in verschiedenen Geschmackssorten, allesamt handgemacht und bio, ausserdem ohne Zucker und Salz und glutenfrei. In der Mitte des Raums steht ein Tischchen mit unverpackten Delikatessen. Allerdings wurde ich weggescheucht, als ich mir ein Biskuit schnappen wollte. Wieso stehen sie denn in Hundereichweite da! Das dünkt mich ein Konzeptionsfehler. Aber auch dies war schnell vergessen, als mir ein Kabeljau-Guetsli in Herzform gereicht wurde.

Während ich dann ein bisschen über Anthropomorphismus, also die Vermenschlichung von Tieren nachdachte, wurde mir eine Versuchsanordnung vorgesetzt. Ich sollte mich zwischen Guetsli aus Dorsch, Rind, Pferd und einer Vegi-Diät-Variante mit Apfel entscheiden. Typisch Mensch! Immer alles beobachten und analysieren. Aber ich tat ihnen den Gefallen und spielte mit. Aus Höflichkeit nahm ich ein bisschen vom Dorsch. Das Rind war okay, aber auch nicht mehr. Über die Diät-Vegi-Variante müssen wir wohl nicht gross reden, das ist eine Frechheit. Erstens bin ich nicht zu dick, und vor allem ist ausser den Haaren fast alles essbar von einem Viech, es schmeckt sogar köstlich, wenn es nur gut zubereitet wird. Was man von einem Apfel nun wirklich nicht sagen kann. Beim Töpfchen mit den Pferde-Guetsli aber überwältigte mich beim ersten Biss die Freude des Wiedererkennens: Das Gebäck hatte trotz seines trockenen Zustands diese zarte, mehlige Konsistenz, die ich so mag.

Dekadenz hält sich in Grenzen

Zwischendurch schnappte ich Gesprächsfetzen der Menschen auf. Offenbar ist das Hov-Hov eine slowenische Erfindung mit Filialen in verschiedenen europäischen Städten. Die Milenkovics führen das Lokal als Familienbetrieb. Mal ist Emina da, mal ihr Mann oder auch die Kinder. Dass Letztere ihre Freizeit opfern, um Hunde in Backwaren zu beraten, fand ich sehr rührend. Ebenso, dass Emina extra nach Maribor reiste, um zu lernen, wie man die Produkte herstellt. Gerade die Hundetorte aus Fleisch und Gemüse nach Wahl hat es nämlich in sich. Leider gibt es sie nur auf Bestellung, 50 Franken das Stück. Die Thunfisch-Muffins waren gerade ausgegangen, aber ich denke, ich werde diese demnächst im Hauptbahnhof probieren. Dort hat das Hov-Hov zweimal pro Woche einen Stand, der bei Touristen sehr beliebt sei. Obwohl: Manche Thunfischbestände sind ja übernutzt, oder beim Fang werden auch gefährdete Meeresschildkröten oder Albatrosse getötet. Dann lieber ein «Biohundekuss» aus Wildfleisch, Karotten und Eier.

Sind Hundebäckereien Ausdruck einer Luxusgesellschaft? Darüber habe ich selbstverständlich auch nachgedacht, und die Antwort muss Ja lauten. Allerdings handelt es sich bei den meisten Backwaren im Hov-Hov bloss um Mitbringsel, weniger um regelmässige Nahrung. Die Dekadenz hält sich also in Grenzen. Und da sind ja auch noch die Produkte einer norwegischen Marke, bei denen sogar die Verpackung biologisch abbaubar ist. Den Inhalt, den ich probieren sollte – Ente und Cranberry – rührte ich aber nicht an. Zu süss. Mein Mensch nahm aber trotzdem ein Dösli mit. Wahrscheinlich weil pro Einheit ein Solidaritätsbatzen an Kollegen von mir in einer Hundefarm auf Sri Lanka fliesst. Guter Mensch.

Weitere Einsichten von Newton auf Instagram.

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