Weshalb die Zürcher Zooseilbahn stockt

Ein externer Experte klärt ab, welchen Einfluss die geplante Gondelbahn auf die Verkehrsmittelwahl der Zoobesucher hätte. Die Seilbahn steht nun frühestens 2022.

Das 17-Millionen-Franken-Projekt in der Warteschlaufe: Die Zoo-Seilbahn bei Dübendorf. Visualisierung: Basler & Hofmann

Das 17-Millionen-Franken-Projekt in der Warteschlaufe: Die Zoo-Seilbahn bei Dübendorf. Visualisierung: Basler & Hofmann

Martin Huber@tagesanzeiger

Eigentlich hätte die Luftseilbahn zwischen dem Bahnhof Stettbach und dem Zoo in diesem Jahr in Betrieb gehen sollen. Eigentlich. Wegen Einsprachen und Beschwerden verzögerte sich das Projekt der neuen ÖV-Anbindung des Zoos laufend. Es droht nun beinahe zur unendlichen Saga zu werden.

Vor einem Jahr gab der Zoo bekannt, er ziehe ein Urteil des Verwaltungsgerichts nicht ans Bundesgericht weiter, führe aber die Projektierung der Seilbahn fort. Das Verwaltungsgericht hatte damals Beschwerden der Stadt Dübendorf und Privater gutgeheissen und den Gestaltungsplan zur Ergänzung und Neubeurteilung an die Baudirektion von Markus Kägi (SVP) zurückgewiesen.

Dort wird das Seilbahnprojekt derzeit überarbeitet. Laut Markus Pfanner, Sprecher der Baudirektion, hat das Verwaltungsgericht unter anderem «ergänzende Sachverhaltsfeststellungen» verlangt – zum Verkehrsaufkommen des Zoos, zu dem von der Seilbahn generierten Verkehrsaufkommen und zu der zu erwartenden Änderung des Modalsplits.

«Im Verlauf des nächsten Jahres»

«Insbesondere die Frage, ob die Seilbahn einen Einfluss auf die Verkehrs­mittelwahl der Zoobesucherinnen und -besucher hätte, müssen wir vertieft klären», so Pfanner. Dafür hat das zuständige Amt für Raumentwicklung vor kurzem einen Gutachter beauftragt. Laut Pfanner handelt es sich um einen externen Experten, der mit Verkehrsplanung und Verkehrsmodellierung vertraut ist.

Die Resultate liegen noch nicht vor. «Gestützt auf die Ergebnisse des Gutachtens ist zu entscheiden, inwieweit eine Anpassung des Verkehrskonzepts sowie allenfalls des Gestaltungsplans nötig ist», so Pfanner. Diese Entscheide sollten «im Verlauf des nächsten Jahres» ­gefällt werden können. Eine präzisere Terminangabe sei nicht möglich.

Damit befindet sich das 17-Millionen- Franken-Projekt weiter in der Warteschlaufe. Mittlerweile rechnet man beim Zoo mit einer Inbetriebnahme der Bahn frühestens 2022 – wenn alles optimal läuft. «Das Sprichwort ‹Gut Ding will Weile haben› wird auf eine harte Probe gestellt», sagt Andreas Hohl, Verwaltungsratsdelegierter der Zoo Seilbahn AG, auf Anfrage. Es gehe jetzt darum, möglichst rasch Klarheit in Sachen ­Gestaltungsplan zu erhalten. Erst dann könne auch das Plangenehmigungs­verfahren beim Bund wieder ins Rollen gebracht werden. Dieses stehe im Moment auf Stand-by.

Mehrere Projekte für Seilbahnen

Laut Hohl war und ist der Zoo gegenüber Gesprächen mit den Seilbahn-Gegnern in Dübendorf offen. «Bisher waren diese Gespräche allerdings nicht erfolgreich, sonst stünden wir nicht dort, wo wir heute sind, auf dem Rechtsweg.» Mut macht den Zoo-Seilbahn-Promotoren dafür der Umstand, dass Seilbahnen als innerstädtisches Verkehrsmittel derzeit an Bedeutung gewinnen.

Auch in der Schweiz gibt es mehrere Projekte für solche Seilbahnen, etwa in Sitten, Morges, Lausanne und Freiburg. Andreas Hohl: «Wir haben Kenntnis von den erwähnten und weiteren Projekten. Es fanden auch vereinzelt Kontakte statt.» Grundsätzlich zeigten diese Aktivitäten, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Seilbahnen im urbanen Raum ein probates Mittel sein können, um Verkehrsprobleme anzugehen. «Das ist erfreulich und kann auch für unser Projekt weiter Akzeptanz schaffen.»

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