«Roger Schawinski inszeniert mit sehr viel Aufwand eine riesige Kampagne»

Heute gibt Radio Energy ein Angebot für Radio 105 ab. Energy-Chef Dani Büchi über Schawinskis Medienpräsenz, dessen Totengräberthese und über seine eigenen Pläne mit dem Jugendradio.

«Wir können ja nicht unsere Aufgaben nicht erledigen, nur weil Roger Schawinski sonst beleidigt sein könnte»: Energy-Chef Dani Büchi.

«Wir können ja nicht unsere Aufgaben nicht erledigen, nur weil Roger Schawinski sonst beleidigt sein könnte»: Energy-Chef Dani Büchi.

Christian Lüscher@luschair

Herr Büchi, Sie waren bereit, dieses Gespräch gemeinsam mit Roger Schawinski zu führen. Er sagte allerdings ab, weil Sie ihn einen «cleveren Schnäppchenjäger» nannten. Herrscht zwischen Ihnen beiden Eiszeit?
Seine Absage ist schade, aber sie erstaunt mich nicht. Er geht wohl einer Konfrontation aus dem Weg, weil seine Argumentation zu schwach ist und seine Vorwürfe einfach zu widerlegen wären. Es bestätigt sich einmal mehr, dass Leute, die gerne und kräftig austeilen, schlecht im Einstecken sind. Ich denke, wir gehen in nächster Zeit sicherlich nicht zusammen in die Ferien. Bis am Donnerstag vor einer Woche hatten wir hin und wieder Kontakt und tauschten uns auch zu Radio 105 aus. Lustigerweise habe ich ihm schon vor einem Jahr geraten, sich Radio 105 einmal genauer anzuschauen. Er kann ausnahmsweise also nicht behaupten, dass es seine Idee war, wobei er es wie immer trotzdem tun wird.

Roger Schawinski hat Sie bereits einmal wegen Aussagen gegen ihn beziehungsweise gegen Radio 1 wegen unlauteren Wettbewerbs eingeklagt. Die Bezeichnung «cleverer Schnäppchenjäger» ist angesichts der Vorgeschichte heikel.
Die Bezeichnung «cleverer Schnäppchenjäger» ist etwas vom nettesten, was man über Roger Schawinski in der Radioszene je gesagt hat.

Wie hat die Medienszene Schweiz reagiert?
Die Reaktionen waren durchwegs positiv. Ich habe noch nie auf eine Aussage so viele bestätigende SMS und Mails gekriegt. Das ist aber nicht weiter erstaunlich, weil Roger Schawinski eben eine polarisierende Person ist.

Seit da ist Funkstille?
Er hat mich am Abend vor Ablauf der Frist für das erste Angebot für Radio 105 auf dem Handy angerufen und mich eindrücklich gewarnt, ich solle mich unterstehen, ihm in «seine Radio-105-Geschichte reinzugrätschen».

Weil Sie Interesse am Kauf von Radio 105 haben?
Ja, wir können ja nicht unsere Aufgaben nicht erledigen, nur weil Roger Schawinski sonst beleidigt sein könnte.

Warum interessiert sich Energy für Radio 105? Um es tatsächlich einzustellen, um Marktleader unter den Privatradios zu werden?
Wir interessieren uns für Radio 105, weil wir an die Marke Radio 105 glauben und gerne ein Radio für die ganz junge Zielgruppe betreiben möchte. Das wäre eine ideale Ergänzung zu unseren Programmen.

Die Totengräberthese wird von Schawinski vertreten. Sie beschuldigen ihn, dass er Gerüchte streue und gezielt eine Kampagne gegen Energy führe. Was sind Ihre Beweise für diesen Befund?
Roger Schawinski hat die Kampagne gegen uns in einem Artikel ganz gezielt losgetreten. Er wurde als edler Retter und wir als Totengräber bezeichnet. Damit der Artikel so erscheinen konnte, hat Roger Schawinski mit seinen Beziehungen dafür gesorgt, dass er die Vorwürfe gegen uns, die, wohlgemerkt, schlichtweg erfunden und böswillig waren, unwidersprochen platzieren konnte. Das ist das klassische Vorgehen von Roger Schawinski. Die Reaktionen zeigen aber, dass man ihn durchschaut hat. (Anmerkung der Redaktion: Antwort redigiert)

Es wäre unethisch, für eine Konzession zu bieten, nur um einen Konkurrenten auszuschalten, sagte er.
Das ist genau einer dieser rufschädigenden Vorwürfe. Wir wollen doch keinen Konkurrenten ausschalten, sondern müssen uns an das RTVG halten und dürfen keine weitere UKW-Konzession mehr besitzen. Ich wäre an seiner Stelle vorsichtig mit solchen Aussagen. Die Besitzer von Radio 105 hatten kaum die Bilanz deponiert, als Roger Schawinski sich schon mit einem Rettungsplan in Szene setzte. Der Schock war gross und niemand, ausser Roger Schawinski, sprach so schnell von scheinbaren Lösungen. Er hatte aber schon alles bereit und kaperte nur wenig später die Frequenz von Radio 105, spielte sich als Retter auf und benahm sich schon so, als ob Radio 105 bereits ihm gehören würde. Das ist meiner Meinung nach unethisch, und das war übrigens auch das meistgehörte Feedback, welches wir in den letzten Tagen von überall her erhalten haben.

Können Sie den glaubhaften Gegenbeweis antreten, dass Radio 105 weiterbetrieben wird?
Wir können es versichern. Das ist genauso viel, wie Roger Schawinski kann. Es macht keinen Sinn, eine erfolgreiche Marke wie Radio 105 einzustellen. Da wir den Sender aber aus konzessionsrechtlichen Gründen nicht auf UKW betreiben können, bleibt uns nichts anders übrig, als ihn als reines DAB+-Radio weiterleben zu lassen. Was ganze viele Vorteile hat.

Welche?
Radio 105 hat durch die UKW-Konzession verschiedene Auflagen, zum Beispiel bezüglich Anzahl Mitarbeiter, Musikprogramm und Häufigkeit der News, die zwar für die Erfüllung des Leistungsauftrages zwingend sind, ohne die man jedoch ein erfolgreicheres und kosteneffizienteres Radioprogramm betreiben könnte.

Die Marke 105 können Sie einfach von den italienischen Lizenzgebern erwerben. Der laufende Vertrag endet im Dezember 2014. Ist das keine Option?
Nein, das ist keine Option. Radio 105 muss jetzt auf neue Beine gestellt werden. Die Marke hat in den letzten Tagen stark gelitten, und je nach Ausgang des Verfahrens wird sie weiteren Schaden nehmen. Die Situation Ende 2014, nachdem ein neuer Besitzer die Marke fast ein Jahr lang betrieben hat, muss völlig neu beurteilt werden. Lassen Sie die letzten Tage und die von Roger Schawinski inszenierte Kampagne einmal kurz Revue passieren. Stellen Sie sich vor, wie er toben würde, wenn er Ende 2014 die Marke abgeben müsste.

Sie wurden wegen Geschäftsschädigung von Radio 105 für über 3 Millionen Franken eingeklagt. Nach Schawinski sind Sie der Hauptschuldige für den Konkurs von 105. Ihr Kommentar?
Wenn es nach Roger Schawinski ginge, wären wir wohl auch verantwortlich, dass es heute Morgen geregnet hat. Damit müssen wir leben. Ich befürchte, dass er anfängt seine seltsamen Behauptungen selber zu glauben. Tatsache ist, dass wir uns mit Music First Network in einem Gerichtsverfahren befinden. Sie haben uns eingeklagt und wir haben eine Widerklage über mindestens eine Million Franken eingereicht. Unabhängig davon ist es für uns aber schwierig nachzuvollziehen, wie wir für den Konkurs eines Senders verantwortlich sein könnten, dem wir laut Schawinski in den vergangenen drei Jahren über 17 Millionen Franken im Rahmen unseres Konzessionsdeals bezahlt haben sollen.

Haben Sie so viel bezahlt?
Wir werden den Betrag nicht kommentieren. Es ist bekannt, dass Radio 105 an der schwierigen Vermarktungssituation und vor allem an den hohen Kosten gescheitert ist. Beides haben wir, bei aller Fantasie von Roger Schawinski, sicherlich nicht zu verantworten.

Schawinski will 105 integrieren und spricht von einer nachhaltigen Lösung. Wie beurteilen Sie eine allfällige Integration von Radio 105?
Roger Schawinski inszeniert mit sehr viel Aufwand eine riesige Kampagne, um sich in der Öffentlichkeit als Retter von Radio 105, der Zürcher Jugend und der Radiobranche darzustellen. Das zeigt im Grunde seine aktuelle Verzweiflung. Er braucht Radio 105, damit er nicht noch mehr Geld mit Radio 1 verliert. Dafür haben wir sogar Verständnis. Radio 1 hat in den vergangenen Jahren mehr Verluste gemacht als Radio 105. Radio 105 ging Konkurs, Radio 1 hingegen sendet noch, weil Radio das Hobby von Roger Schawinski ist. Es ist aber unbestritten, dass es effizient ist, zwei Radios aus einer Hand zu produzieren. Noch mehr Synergien hat man nur, wenn die beiden Radios auch noch den gleichen Namen haben.

Schawinski könnte mit dem Kauf ein wirtschaftlich solides Radiounternehmen betreiben.
Das bezweifle ich. Beide Produkte haben grundlegende Probleme. Radio 1 wird durch den Zusammenschluss nicht erfolgreicher, und Radio 105 sicherlich auch nicht. Auf Radio 105 sollen laut Schawinski die News von Radio 1 laufen. Also, die News eines Senders für Erwachsene, der zum Beispiel bei der Zielgruppe 50+ weniger Hörer hat als Energy Zürich, sollen geeignet sein für das Programm eines Senders für 15- bis 20-Jährige? Ich nenne das nur als Beispiel, um zu zeigen, dass die Aussagen von Schawinski kritisch hinterfragt werden sollten.

Was meinen Sie damit?
Ich gebe Ihnen ein weiteres Beispiel: Roger Schawinski betont immer wieder gebetsmühlenartig, wie überzeugt er gegen die regionale Medienmonopole vorgeht. Laut eigenen Aussagen investierte er beträchtliche Summen in diesen Kampf, aktuell um die Konzessionen im Aargau und in Graubünden. Es gehe ihm ums Prinzip. Nun wurde aber bekannt, dass er das Verfahren um die Konzession in Graubünden für 60'000 Franken, was einem Bruchteil der bei ihm angefallenen Kosten entspricht, an die Gegenpartei verkaufen wollte. Das passt doch so gar nicht zum Bild des edlen Retters und überzeugten Kämpfers in der Sache.

Schawinski widerspricht. Nach eigenen Aussagen führt er den Rechtsstreit weiter.
Damit versucht er sich aus der Affäre zu ziehen.

Sollte Schawinski den Zuschlag am Dienstag bekommen, werden Sie dann wie angekündigt ein Jugendradio auf DAB+ starten?
Die Ankündigung, ein Jugendradio auf DAB+ zu lancieren, erfolgte im Dezember. Sobald nun alles durch ist, werden wir die Situation neu beurteilen.

Sollte Schawinski den Zuschlag für Radio 105 erhalten, würde Ihnen das Sorgen bereiten?
Wir nehmen selbstverständlich jeden Mitbewerber ernst. Sollten wir den Zuschlag für Radio 105 nicht erhalten, wäre die Übernahme durch Roger Schawinski sicherlich die für uns angenehmste Lösung.

Inwiefern?
Roger Schawinski hat heute mit einem viel grösseren Sendegebiet die Hälfte der Hörer von Energy Zürich. Es ist für uns schwer vorstellbar, warum er nun plötzlich erfolgreich ein Radio betreiben soll. Falls aber die Hörerzahlen von Radio 1 tatsächlich zunehmen sollten, wäre das ganz in unserem Interesse. Konkurrenz belebt das Geschäft. Und er würde vor allem Hörer bei Radio 24 holen und nicht bei uns.

Nun kann Schawinski einen Erfolg verbuchen. Sämtliche Mitarbeiter von 105 haben bei Schawinski unterschrieben. Was heisst das für Energy?
Nichts. Das war ein ganz netter PR-Gag und er konnte sich damit in der Sonntagspresse als Retter inszenieren. In der Sache ändert das aber rein gar nichts. Gemäss «SonntagsZeitung» gelten die Verträge beziehungsweise seine Zusage nur, wenn er den Zuschlag erhält. Das ist der entscheidende Punkt.

Schawinski spricht von vollen Kriegskassen bei Ringier. 105 zu erwerben sei eine Prestigesache geworden. Wo ist die Grenze?
Die Grenze ist erreicht, wenn es sich wirtschaftlich nicht mehr begründen lässt. Unsere Aktivitäten im Bereich Radio sind für uns kein Hobby und keine Bühne für Selbstinszenierungen. Nur aus Prestige oder verletztem Stolz werden wir kein Radio kaufen. Es muss sich schon rechnen. Ringier hat vor ein paar Jahren einen sehr hohen finanziellen Aufwand betrieben, um Energy Zürich zu retten. Dieses Investment hat sich gelohnt. Energy ist heute hochprofitabel. Wenn eine ähnliche Erfolgsgeschichte nicht möglich ist, lassen wir es bleiben.

Das grösste Schweizer Jugend- und Studentenportal Toasted hat ein Angebot eingereicht. Steckt Radio Energy als Geldgeber dahinter?
Nein.

Wie geht es jetzt weiter?
Heute am späten Nachmittag werden wir uns zusammensetzen und entscheiden, ob wir nochmals bieten und, falls ja, wie hoch. Danach geht es für uns wieder zum erfreulichen Tagesgeschäft über.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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