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Geldberater: Der Marktschrei(b)erZu viel Skepsis gegenüber Novartis

Dottikon ist auf dem Radar +++ Ambitionierte Ina Invest +++ U-Blox muss Vertrauen wieder aufbauen

Novartis: Die Basler wollen das grösste Unternehmen für Medikamente werden
Novartis: Die Basler wollen das grösste Unternehmen für Medikamente werden
Foto: Georgios Kefalas/Keystone

Novartis: Kaufen

Novartis ist für mich ein Rätsel. Die Ambitionen sind deutlich grösser als die Zuversicht der Investoren. Die Basler wollen das grösste «Unternehmen für Medikamente» werden. Auch am Investorenevent vom Dienstag wurde der traditionellen Präsentation der Entwicklungspipeline viel Platz eingeräumt. Es könnte das zweitwertvollste Entwicklungsportfolio der Industrie sein, gemessen am erwarteten Umsatz, den es bis 2026 generieren soll. Solche Hinweise haben in der Vergangenheit den Kuchen der Aktionäre aber nicht vergrössert. Das Management garniert ihn nun gewissermassen mit viel Schokostreuseln und Kirschen. Für 2,5 Milliarden Dollar werden bis Mitte 2021 Aktien zurückgekauft. Das Sparprogramm, mit dem in den vergangenen drei Jahren die Kosten um 2 Milliarden Dollar gesenkt wurden, wird erneuert. Vielleicht war deshalb die Euphorie unter den Aktionären so bescheiden. Aus meiner Sicht ist da zu viel Skepsis. Klar, Novartis konnte sich weniger als andere als Retter in der Pandemie positionieren. Mehrere Produkte verlieren den Patentschutz. Kurzfristig könnten hohe Produkteinführungskosten das Gewinnwachstum zwar dämpfen. Schon bald sollten die Titel den Abschlag zur Konkurrenz aber wettmachen können. Kaufen

Dottikon: Dosiert kaufen

Der kleinste kotierte Schweizer Pharmaauftragsfertiger, Dottikon ES, ist dagegen lange Zeit gänzlich unter dem Radar der Anleger geblieben. Das hat sich in diesem Jahr klar geändert. Wenn es so weitergeht, wird sich der Kurs bald verdreifacht haben. Nach guten Halbjahreszahlen gab es kein Halten mehr, und Dottikon hat auch den bisherigen Highflyer Bachem überholt. Die Aktien haben nun definitiv kein Aufholpotenzial mehr. Im Gegenteil: Die Absturzgefahr ist mit einem für das laufende Geschäftsjahr (per Ende März 2021) geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 45 hoch. Trotzdem ist der Zug für mittel­fristig orientierte Anleger aus meiner Sicht noch nicht abgefahren. Denn Dottikon sieht anhaltendes Wachstum und investiert kräftig in die Produktionskapazität. Die Pandemie hat das ­Geschäft nicht in Mitleidenschaft gezogen, im Gegenteil. Ausserdem scheint es dem Management um Mehrheitseigner Markus Blocher zu gelingen, attraktive Deals an Land zu ziehen. Die Rentabilität des Unternehmens ist selbst für ­diese erfolgsverwöhnte Branche jedenfalls ausserordentlich hoch. Dosiert kaufen

Ina Invest: Halten

Die Immobiliengesellschaft Ina ­Invest wurde Mitte Juni in einem schwierigen Umfeld an die Börse gebracht. Die anschliessende Erholung des Aktienmarkts ist an dem aus Implenia ausgegliederten Unternehmen vorbeigegangen, die Titel notieren gut ein Fünftel unter dem Angebotspreis. Ich gehe davon aus, dass für den Kursverlust Kleinanleger mitverantwortlich sind, die sich rasch aus den zugeteilten Titeln verabschiedeten. Dazu kommt, dass der Baukonzern Implenia, der zwar keine Ina-Aktien hält, aber an der opera­tiven Gesellschaft zu 42 Prozent beteiligt ist, inzwischen mit Wertberichtigungen im Ausland für negative Schlagzeilen gesorgt hat. So rückte in den Hintergrund, was Ina ­Invest eigentlich auszeichnet: ein Projektportfolio mit interessanten Entwicklungsmöglichkeiten. Bis 2024 soll der Portfoliowert von 240 Millionen auf mehr als 1 Milliarde Franken steigen. Die Pläne sind sehr ambitioniert – für ein kleines Unternehmen erst recht. Die Erfolgschancen sind aber schwierig abzuschätzen, was das Anlegerinteresse nach wie vor beschränken dürfte. Der geringe Streubesitz und die vorläufige Dividendenlosigkeit sind ebenfalls kein Vorteil. Ein wirklich langfristiger Anlagehorizont ist Voraussetzung, um ein Investment in ­Erwägung zu ziehen. Halten

U-Blox: Halten

Lange Jahre galt U-Blox als Liebling an der Börse. Vor vier Jahren kratzte der Kurs des Chipdesigners, der Halbleitermodule entwickelt, aber nicht selbst fertigt, an der Marke von 250 Franken. Danach wurde es unruhig im Kursverlauf, spätestens seit zwei Jahren richtig ungemütlich. Ihr Tief erreichten U-Blox-Aktien diesen Herbst bei weniger als 45 Franken. Zuerst haben den Kunden des Thalwiler Unternehmens, vornehmlich aus dem Auto- und Industriesektor, die Handelsspannungen zwischen den USA und China zugesetzt. Und jetzt leidet U-Blox unter den Folgen der Corona-Pandemie. Das Management unter Chef Thomas Seiler tat ein Übriges zum Kursverfall: Es verfehlte und strich gleich mehrfach die Prognosen. Zum Investorentag vergangene Woche verbreitete die Führung nun positive Stimmung. Sie registriere einen nachhaltigen Aufschwung, liess sie verlauten. Das Vertrauen der Investoren allerdings ist erst einmal weg. Es braucht einige positive Überraschungen, damit U-Blox an der Börse wieder Freunde gewinnt. Bis dahin gehören U-Blox-Papiere aus meiner Warte allenfalls auf die Beobachtungsliste, aber noch nicht ins Depot. Halten

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.