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SchlageretteZämehäbe

Statt Francine Jordi an der BEA gibt es eine Schüssel Müesli – und die Corona-Songs der Schlagerstars.

Der Männerchor Heimweh hält zusammen – auf dem Bild zwar nicht ganz Corona-konform, aber im echten Leben bestimmt.
Der Männerchor Heimweh hält zusammen – auf dem Bild zwar nicht ganz Corona-konform, aber im echten Leben bestimmt.

Eigentlich sollten wir heute müde sein. Doch anstatt der Schlagerparty mit Francine Jordi an der BEA gab es gestern Abend dann halt eben bloss eine Schale Müesli und – immerhin! – ein paar aktuelle Schlagersongs vor dem Einschlafen.

Den Neusten von Andreas Gabalier etwa, «Neuer Wind» heisst die Pianoballade. Darin singt der österreichische Volks-Rock’n’Roller mit rauchiger Stimme und viel Inbrunst, wie der Mensch in der Einsamkeit wieder Mensch wird, dass der Wind seit einigen Wochen von einer anderen Seite weht und so das Essenzielle zum Vorschein bringt. Gabalier gehört dem Lager der Entschleunigungsgeniesser an – die Ruhe tauge ihm voll, sagte er kürzlich in einem Interview.

Währenddessen werden voXXclub langsam zappelig. Umso mehr, seit mit der Absage des Münchner Oktoberfests aus ihrer Sicht Geburtstag und Weihnachten zusammen ins Wasser fallen. Die bayrische Schlager-Boygroup ist für Wiesn-Hits wie «Rock mi» berühmt, das Oktoberfest, wie die Mitglieder sagen, ihre zwoate Hoamat. Nun haben voXXclub im Frust «Anneliese» neu aufgenommen – ja, das ist der Song mit dem sexy Gitarrenpart zum Refrain-Auftakt. Er heisst jetzt «Scheiss Corona».

Der ehemalige Caught-in-the-Act-Sänger Eloy de Jong hat vermutlich nicht an das Virus gedacht, als er «Solange wir uns haben» schrieb. Die Single ist ein regulärer Vorgeschmack auf sein neues Album, das in der zweiten Jahreshälfte erscheinen soll. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war es dann aber doch nur noch möglich, das Video dazu in den eigenen vier Wänden zu drehen. So sieht man darin seinen Hund, seine Familie, und zugeschaltet seine Band – «solange wir uns haben, machen wir alles richtig». Inhaltlich erinnert dieses Lied übrigens total an «Zämehäbe» vom Männerchor Heimweh – mit dem Unterschied, dass dieses volkstümliche Trostpflaster mit ergreifendem Jodelpart tatsächlich in der Corona-Krise entstanden ist. So oder so: Bleibt daheim, bleibt zuversichtlich – möge Corona noch so scheisse sein.