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Mitarbeitende infiziertAus Ischgl kam das Coronavirus auch zu Ypsomed

Die Medtech-Firma ordnete Quarantäne für mehrere Angestellte an. Die Produktion der lebenswichtigen Insulinpen-Spritzen läuft dennoch uneingeschränkt.

Zwei Erkrankungen betrafen Angestellte des Werks in Solothurn, eine weitere eine Vertriebsmitarbeiterin in Frankreich.
Zwei Erkrankungen betrafen Angestellte des Werks in Solothurn, eine weitere eine Vertriebsmitarbeiterin in Frankreich.
Foto: tob

Die Hygienevorschriften in der Pharmabranche sind äusserst streng, und doch ist auch ein Insulinpumpen- und -pen-Spritzen-Hersteller wie Ypsomed nicht vor dem Coronavirus gefeit. Drei Mitarbeitende haben sich angesteckt. Im Unternehmen konnte aber eine weitere Ausbreitung unterbunden werden.

Eine Mitarbeiterin des Werks in Solothurn hatte das Virus vor einigen Wochen aus Ischgl mitgebracht, aus dem österreichischen Partyskiort, der zu einem europäischen Hotspot bei der Pandemieausbreitung wurde. Die Mitarbeiterin habe sich in Quarantäne begeben, sagte Ypsomed-Chef Simon Michel an der Jahresmedienkonferenz. Diese fand aus Sicherheitsgründen auch nur per Videokonferenz statt.

Ein Mitarbeiter der Nachschicht in Solothurn wurde ebenfalls positiv getestet und zusammen mit seinem Team isoliert. Der dritte Fall betrifft eine Mitarbeiterin im Vertrieb in Frankreich. Michel betonte, die Produktion und die Lieferung der für Zuckerkranke lebenswichtigen Produkte sei jederzeit sichergestellt gewesen. Die drei betroffenen Angestellten seien inzwischen alle genesen und wieder an der Arbeit.

Rückschläge mit Insulinpumpe

Weil die Patienten auf die Produkte angewiesen sind, führen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie bei Ypsomed nicht zu einem Nachfrageeinbruch. Allerdings wurde der physische Kontakt zu Patienten verboten. Es ist also seit Wochen kaum möglich, Insulinpumpen auf neue Anwender einzustellen.

So könne er nicht abschätzen, wie sich das Unternehmensergebnis in konkreten Zahlen entwickeln werde. Michel stellt aber in Aussicht, dass der Umsatz wachsen und die Profitabilität steigen wird. Somit soll das Ziel eines Betriebsgewinnes von 100 Millionen Franken mittelfristig doch noch erreicht werden.

Ypsomed-Chef Simon Michel befindet sich mit seiner Firma in einem schwierigen Umbruch.
Ypsomed-Chef Simon Michel befindet sich mit seiner Firma in einem schwierigen Umbruch.
Foto: Raphael Moser

Jahrelang hatte Ypsomed mit dem Vertrieb der Insulinpumpen des US-Herstellers Insulet bestens verdient. Doch dieser Deal ist nach einem Streit um die Gewinnanteile geplatzt. Der Marktaufbau einer eigenen Insulinpumpe zieht sich hin. Das ist der Hauptgrund dafür, dass der Reingewinn im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr bloss 11,5 Millionen Franken beträgt nach 60,1 Millionen im Vorjahr.

Neuer US-Vertriebspartner

Die hauseigene Insulinpumpe Ypsopump belastete das Ergebnis mit 47,6 Millionen Franken. Im entsprechenden Geschäftssegment schliesst das Unternehmen unter den Erwartungen ab. Zuerst sollten 20’000 Anwender gewonnen werden, dann wurde das Jahresziel auf 18’000 korrigiert, und nun sind es 14’500 geworden. Auf den Aufbau eines eigenen Vertriebs im Schlüsselmarkt USA verzichtet Michel nun. Stattdessen verhandle man intensiv mit möglichen Partnern.

So gut wie noch nie läuft es dagegen im Geschäft mit Injektionssystemen. Der Umsatz mit Pens und Autoinjektoren kletterte um 35,7 Prozent. Gruppenweit schrumpfte der Umsatz trotzdem von 453,8 auf 393,9 Millionen Franken.

Michels büssen doppelt ein

Den Gewinneinbruch bekommen die Aktionäre und das Management zu spüren. Die Dividende für 2019/2020 wird auf 20 Rappen gekürzt. Dies von 55 Rappen im Vorjahr. Das betrifft vorab die Familie Michel, die rund 75 Prozent der Anteile hält.

Und die Unternehmensleitung erhält konsequenterweise auch weniger Boni: So sinkt die Vergütung von CEO Simon Michel von 850’900 Franken im Vorjahr auf 668’100 Franken. Auch sein Vater, Verwaltungsratspräsident und Firmengründer Willy Michel, tritt kürzer. Seine Vergütung geht von 202’000 auf 155’300 Franken zurück.

Den Personalbestand dagegen hat das Unternehmen, das letztes Jahr ein neues Werk in Schwerin in Ostdeutschland eröffnete, weiter erhöht. Die Zahl der Mitarbeitenden stieg von 1604 auf 1714. In Solothurn stieg der Bestand von 456 auf 591, insbesondere weil Arbeitsplätze von Burgdorf dorthin verlagert wurden. In Burgdorf sank die Zahl von 633 auf 604 Mitarbeitende.

Michel begründete den Transfer nach Solothurn unter anderem mit den höheren Unternehmenssteuern im Kanton Bern. Ypsomed profitiert hingegen auch hier von der eidgenössischen Steuerreform, die Steuerabzüge auf Forschungsaktivitäten und für Patente ermöglicht. 4 Millionen Franken an Steuern konnte das Unternehmen so letztes Jahr einsparen.