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Shootingstar der Klassikszene«Yeah, das ist das, was ich machen möchte!»

Ein Revival: Der 24-jährige Trompeter Simon Höfele ist zum zweiten Mal beim Berner Symphonieorchester unter der Leitung von Mario Venzago zu Gast. Acht Fragen an den Musiker.

Simon Höfele hat keine Pro- und Kontraliste geschrieben, um sich für sein Instrument zu entscheiden – er war damals auch erst fünfjährig.
Simon Höfele hat keine Pro- und Kontraliste geschrieben, um sich für sein Instrument zu entscheiden – er war damals auch erst fünfjährig.
Foto: Marco Borggreve

Simon Höfele, wieso die Trompete?

Es war nicht so, dass ich mir als Fünfjähriger die Pro- und Kontraargumente für die Trompete ausgedacht hätte. Meine Eltern sind beide Berufsmusiker und liessen mir bei der Instrumentenwahl alle Möglichkeiten – und ich konnte mich nicht entscheiden. Einmal hat mein Vater eine Fanfare, also einen simplen Blechbogen mit Trichter und Mundstück, auf Ebay erstanden. Das Instrument war eigentlich einfach zur Dekoration gedacht. Da stand dann also diese Trompete im Regal, und ich als kleiner Bub nahm sie und fand: «Yeah, das ist das, was ich machen möchte!» Dabei ist es bis heute geblieben.

Spielen Sie lieber Haydn & Co. oder lieber neue Musik?

Sowohl als auch! Das ist ja das Schöne an der Musik, dass man im Barock bei Georg Philipp Telemann beginnt und sich dann langsam durch die Epochen spielt – von Telemann über Josef Haydn zu Nepomuk Hummel. Und dann kommt man irgendwann nach Bern und spielt dort Bernd Alois Zimmermann. Ich merke, dass ich von aussen oft vor allem als Interpret von zeitgenössischer Musik wahrgenommen werde. Ich für mich selber sehe das aber nicht ausschliesslich so. Deshalb die vielleicht etwas langweilige und politisch korrekte Antwort, dass ich alles gerne spiele.

Haben Sie ein Ritual, das Sie bei Ihren Auftritten begleitet?

Ein festgefahrenes Ritual würde mir die Freiheit nehmen, mich vor dem Auftritt zu entspannen. Ich versuche immer, offen zu sein für alles, was kommen mag. Auch in Equipmentfragen bin ich sehr pragmatisch. Es gibt ja Musiker, die jeweils für ein Solostück eine ganz bestimmte Trompete und ein Mundstück als perfekt erachten. Ich weiss davon nichts, und ich will davon auch gar nichts wissen. Ich habe für die meisten Werke ein Mundstück, eine Trompete, das wars.

Mit wem würden Sie besonders gerne einmal gemeinsam auftreten?

Momentan bin ich sehr glücklich mit den Leuten, mit denen ich zusammenspielen darf. Und was meine Zukunftsplanung angeht, bin ich unvoreingenommen. Natürlich gibt es Dirigenten, die ich verehre, aber ich will mich nicht mit dem Ziel unter Druck setzen, «in fünf Jahren spiele ich mit Paavo Järvi». Aber ich würde nicht Nein sagen, wenn er mich morgen anrufen und für ein gemeinsames Konzert anfragen würde.

Welche Sache, die Ihr Alltag als Musiker nicht zulässt, vermissen Sie am meisten?

Einen Hund!

Und was schätzen Sie an Ihrem Musikerleben am meisten?

Die Inspiration, die man von anderen Musikern und vom Reisen kriegt, ist etwas ganz Besonderes. Ich erinnere mich noch genau an das letzte Mal, als ich mit dem BSO das Konzert von Zimmermann gespielt habe, dieses Gefühl trage ich immer noch in mir. Und jetzt ist es bald wieder so weit, yay!

Beschreiben Sie Bernd Alois Zimmermanns Werk «Nobody Knows de Trouble I See».

Das Werk ist geprägt von tiefer Dunkelheit und verbitterter Traurigkeit, von Stimmungen, die den Kern der Negrospirituals ausmachen. Dazu kommt ein ganz besonderer Jazz-Charakter – die Besetzung vereint quasi eine Big Band mit Sinfonieorchester: eine Hammondorgel, eine E-Gitarre, drei Trompeten, eine Art Drumset, und dabei ist oft ein gezupfter «Walking Bass» zu hören. Das Werk ist unterhaltsam, aber nicht, weil der Duktus der Musik unterhaltsam ist, sondern weil Jazz an sich «leichter» zu hören ist als Zimmermanns Kompositionsstil. Ich freue mich enorm, «Nobody Knows de Trouble I See» mit Mario Venzago und dem BSO wieder zu spielen, weil es das letzte Mal so unheimlich viel Spass gemacht hat! Ich würde sogar behaupten, dass es zurzeit mein absolutes Lieblingswerk ist.

Zwei Tage ohne Musik und zur freien Verfügung – wie verbringen Sie diese?

Als Musiker gehört es zum Alltag, immer inmitten von vielen Leuten zu sein. Dadurch ist man – unabhängig davon, ob das in Bern, Barcelona, Berlin oder Buxtehude ist – immer auf Trab. Deshalb würde ich wohl am ehesten an einen menschenleeren Ort fahren. Mit im Gepäck: meine Kamera. Die analoge Fotografie ist meine zweite grosse Leidenschaft und gibt mir die Möglichkeit, die Zeit jeweils kurz stillstehen zu lassen.

Berner Symphonieorchester, Simon Höfele (Trompete), Mario Venzago (Leitung), 12. und 13. März, jeweils 19.30 Uhr, Casino Bern. Infos und Tickets: www.konzerttheaterbern.ch