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Kommentar zum Titel-HattrickYB ist die neue Dynastie im Schweizer Fussball

An der Vorherrschaft der Young Boys wird sich so rasch nichts ändern. Auch nicht in Zeiten der Corona-Pandemie.

Der Titel 2018 war rauschhaft, jener 2019 rekordträchtig. Dieser nun ist hart erkämpft.

YB holte ihn trotz Widerständen. Angefangen bei den vielen Wechseln im letzten Sommer, die das Teamgefüge durcheinanderbrachten. Dann kamen unzählige Verletzungen, die Pläne durchkreuzten. So spielten Fabian Lustenberger und Mohamed Camara, eigentlich zum Innenverteidiger-Duo der Zukunft auserkoren, erstmals diesen Sommer zusammen, ein Jahr nach dem Saisonstart. Es ging mit dem schweren Unfall des Geschäftsführers Wanja Greuel und der Corona-Pandemie weiter, die den Fussball monatelang zum Stillstand brachte.

Leicht fiel den Young Boys diesmal selten etwas. Sie spielten fast nie unwiderstehlich, öfter pragmatisch. Aber sie waren immer resistent gegen Rückschläge. Sie sind so am Ende doch relativ komfortabel zum dritten Titel in Folge gekommen, dem 14. in der Vereinsgeschichte.

Nie mehr die gleichen Gefühle

Ein Meistertitel wird nie mehr Gefühle auslösen wie 2018, dem ersten nach 32 Jahren. Er wird auch kaum mehr so überlegen zustande kommen wie 2018/2019, als die Young Boys auf dem Zenit waren und Basel 7:1 überfuhren. Gut möglich, wird es nie mehr so eine starke YB-Mannschaft geben. Aber, und deshalb ist der Stellenwert dieses Titels nicht hoch genug einzuschätzen: Er zeigt, dass die Young Boys nicht abhängig von grossen Trainern und Spielern sind. Das ist das Merkmal einer Dynastie.

Dieser Titel zeigt, dass die Young Boys nicht abhängig von grossen Trainern und Spielern sind. Das ist das Merkmal einer Dynastie.

Zu einer Dynastie wird ein Club, wenn er so aufgestellt ist, dass In­di­vi­du­en zwar über Sieg und Niederlage entscheiden können, aber nicht über einen Titel. Der FC Basel machte das jahrelang vor. Jetzt tun es die Young Boys den Baslern gleich. Das Beispiel des FCB zeigt, dass selbst ein über Jahre gefestigtes Fundament innert kurzer Zeit zerbröseln kann, wenn nicht genügend fähige Leute am Werk sind. Bei YB ist die zentrale Figur Sportchef Christoph Spycher. Er hat die Erfolg bringenden Strukturen gefordert und geschaffen. Und er lebt diese als Teamplayer. Gut für YB, ist sein Vertrag bis 2022 gültig.

Was passiert mit den Publikumslieblingen?

Spycher wird nun so stark gefordert sein wie noch nie. Torschützenkönig Jean-Pierre Nsame ist kaum zu halten, weil er diesmal Interessenten aus Topligen anziehen dürfte. Und was passiert mit Hoarau und Sulejmani, den anfälligen Publikumslieblingen, deren Verträge auslaufen?

Zudem ist fraglich, ob in der neuen Saison ab September mit deutlich mehr Zuschauern gespielt werden darf. Die Bundesdarlehen sind in dieser Form untauglich. Die Not in der Branche dürfte sich akzentuieren. Doch kein Club ist besser aufgestellt als YB, der Krise zu trotzen – nach zwei Jahren mit Gewinnen von je rund 20 Millionen Franken. Und mit einer Führung, die bewiesen hat, Coolness auch dann zu bewahren, wenn das Team für einmal keine Siegesserien liefert.

Deshalb ist nicht absehbar, dass die Young Boys ihre Vorherrschaft verlieren. Viel wahrscheinlicher ist, dass 2021 der vierte Titel en suite folgt. Ein Kunststück, das dem Club in seiner 122-jährigen Historie nur einmal gelungen ist, von 1957 bis 1960. Auch das ist ein Merkmal einer Dynastie: Sie schreibt Geschichte.