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Spätes Siegtor der BernerAm Schluss die Show

Die Young Boys dominieren den FC Sion, doch sie brauchen beim 3:1 auch Glück und Nerven. Nun stehen sie zum 15. Mal im Cupfinal.

Der entscheidende Moment: Christopher Martins köpft nach einem Corner in der 90. Minute zum 2:1 für YB ein.
Der entscheidende Moment: Christopher Martins köpft nach einem Corner in der 90. Minute zum 2:1 für YB ein.
Foto: Claudio de Capitani (Freshfocus)

Nach 94 Minuten in Hitze und Aufruhr stellten die Young Boys ihren Gegner bloss. Sie erwiderten die letzten Bemühungen des FC Sion, der sich hingebungsvoll gewehrt hatte. Sie lancierten einen Gegenangriff, nutzten den Stolperer eines Verteidigers, liefen zu viert auf Goalie Kevin Fickentscher zu. Felix Mambimbi dribbelte Fickentscher aus und traf zum 3:1. Das Tor war eine Demonstration von Überlegenheit und ein Symbol für die Erscheinungsform des Spiels: YB gegen den Sittener Goalie – mit einem logischen Sieger.

Vor allem aber bedeutete das Tor für YB den Cupfinal am 30. August, den 15. Cupfinal der Vereinsgeschichte und den ersten seit 2018 und der Niederlage gegen den FC Zürich. Der Final ist ein zusätzliches Highlight nach dem Meistertitel und die Chance zum ersten Double seit 1958.

Fünf neue Defensiv-Spieler

YB war in seiner physischen, mentalen und technischen Überlegenheit im Grunde der einzig mögliche Sieger dieser Partie, und doch hätte alles anders kommen können. Erst in der 90. Minute köpfelte Christopher Martins einen Corner von Marvin Spielmann zum 2:1 in die weite Torecke. Sonst hätten sich die Teams direkt im Anschluss im Penaltyschiessen duelliert, in dem YB plötzlich sehr viel hätte verlieren und Sion sehr viel hätte gewinnen können.

Die Young Boys, gegenüber dem Cup-Viertelfinal in Luzern mit fünf neuen Spielern im Defensivverbund, waren bis zur 39. Minute gefordert worden. Der FC Sion hatte zuletzt eine Festigkeit erlangt und von den vergangenen neun Spielen nur dasjenige verloren, das YB vor zehn Tagen im Tourbillon den Meistertitel bescherte. Die Walliser verteidigten klug und hatten gar Torchancen. Doch dann wurde ihr Mittelfeldspieler Christian Zock mit einer Gelb-Roten Karte des Feldes verwiesen.

Jean-Pierre Nsame springt am höchsten und bringt die Young Boys in Front.
Jean-Pierre Nsame springt am höchsten und bringt die Young Boys in Front.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Nach dem Ausschluss war die Führung für YB eine Frage der Zeit. Und doch wuchs mit jeder vergebenen Chance und mit jeder Nachlässigkeit die theoretische Chance einer ungeahnten Wende. YB gegen Sion im Cup, da war schon Unmögliches passiert: Im Final 2006 hatte Sion in Bern als NLB-Club im Penaltyschiessen gewonnen. In den Finals 1991 und 2009 kehrte er am selben Ort jeweils einen 0:2-Rückstand und gewann 3:2. Es wäre Geschichtsleugnung gewesen, den FC Sion in einem Cupspiel an diesem Ort abzuschreiben.

So bemühten sich die Young Boys, kreierten unzählige Szenen in der Offensive. Fast jeder Spieler versuchte sich, manche mehrfach. Doch über eine lange Phase des Spiels fehlten Wucht, Konzentration, Konsequenz, Glück. Nicolas Moumi Ngamaleus Dribblings waren berechenbar, Jean-Pierre Nsames Kopfbälle kraftlos, Christian Fassnachts Schüsse ungenau. Und Fickentscher im Goal der Walliser war zu stark.

Im Vergeben dieser vielen Chancen wurde eine Nachlässigkeit offenbar, die auch der körperlichen und mentalen Entbehrungen der Saison geschuldet war. Dieser Match war für YB das 49. Wettkampfspiel der Saison und das 15. seit dem 19. Juni. So war es logisch, dass die Young Boys die Entscheidung über ihre Breite provozierten. Die Einwechselspieler Miralem Sulejmani, Felix Mambimbi, Marvin Spielmann, Christopher Martins und Jordan Lefort erhöhten sofort den Rhythmus. Sion hatte durch Stürmer Roberts Uldrikis zwar die YB-Führung durch Nsame ausgeglichen, wurde aber immer müder. Und dann schlugen die Berner zu.

Nun werden sie für rund eine Woche in die Ferien entlassen. Ende August wird die alte YB-Mannschaft den Cupfinal gegen Basel oder Winterthur bestreiten und die Corona-Saison endgültig beenden. Und die neue YB-Mannschaft wird fast zu derselben Zeit in der Qualifikation zur Champions League angreifen. Der Club wird bis dahin Spieler verpflichten und Spieler abgeben. Sehr vieles ist offen. Aber YB scheint zu allem bereit.