Wullelade vor dem Aus

Grünenmatt

Nach 24 Jahren schliesst Käthi Voramwald ihren Woll- und Bastelladen. Und das nicht ganz freiwillig: Eine Mietzinserhöhung hat sie zu diesem Schritt gezwungen.

Noch sind die Regale voll: Ende Jahr schliesst Käthi Voramwald ihr Geschäft. Aus diesem Grund hat sie einen Räumungsverkauf gestartet.

Noch sind die Regale voll: Ende Jahr schliesst Käthi Voramwald ihr Geschäft. Aus diesem Grund hat sie einen Räumungsverkauf gestartet.

(Bild: Daniel Fuchs)

Farbige Zettel am Schaufenster mit der Aufschrift «Räumungsverkauf» kündigen es an: Der Woll- und Bastelladen in Grünenmatt schliesst auf Ende Jahr. Den Entscheid hat Käthi Voramwald nicht aus freien Stücken gefällt. «Die Liegenschaftsbesitzerin hat auf Anfang des nächsten Jahres die Miete erhöht», erklärt die 55-Jährige und betont, dass sie gerne noch ein paar Jahre weitergemacht hätte.

Doch unter diesen Umständen sei es schlichtweg ­finanziell nicht mehr tragbar. Denn «mit dem Laden mache ich nicht das grosse Geld», sagt Voramwald und fingert gedankenverloren an einer handgestrickten Mütze im Norwegermuster herum. «Diese Motive sind derzeit modern», schweift sie ab; aus einem Regal nimmt sie verschieden farbige Pulswärmer, die alle die typischen Sterne aufweisen.

Gemüse als Dankeschön

Nach einer kurzen Pause nimmt Voramwald den Faden wieder auf und erzählt weiter: «Mit der Schliessung des Ladens geht auch ein sozialer Treffpunkt verloren.» Denn die Frauen kämen nicht nur hierher, um in geselliger Runde zu handarbeiten oder ihr Herz auszuschütten, sondern auch, wenn sie ein praktisches Problem haben.

Zum Beispiel mit der Umsetzung eines Strickmusters. Und manchmal strickt Käthi Voramwald den Kunden sogar ihre Pullis fertig oder schlägt ihnen die Maschen für Socken an. Für ihre Hilfe stellt sie fast nie Rechnung. «Oft bekomme ich als Dankeschön Gemüse aus dem Garten, ein selbst gebackenes Cake oder ein Stück Käse.»

Käthi Voramwald hat ihre ­«Hüseli-Boutique», wie sie das Geschäft nennt, 1992 im Dorf­laden Grünenmatt eröffnet. Als sechs Jahre später der Geschäftsinhaber mehr Platz brauchte, zügelte sie an den jetzigen Standort an der Trachselwaldstrasse.

Verkaufstand an Märkten

Offen ist der Laden jeweils am Vormittag, am Nachmittag arbeitet Käthi Voramwald als Fusspflegerin in einem abgetrennten Raum am gleichen Standort. Zudem ist sie mit ihren selbst gestrickten Kappen, Handschuhen, Schals und Pullis pro Jahr an bis zu 15 Märkten anzutreffen. Das wird sie auch in Zukunft machen.

Ebenfalls die Praxis für Fusspflege wird sie weiterbetreiben, ein geeigneter Raum ist bereits gefunden. Beibehalten werden auch die beiden Lismernachmittage jeweils am ersten Montagnachmittag im Monat im Dorfladencafé in Grünenmatt, und am dritten Montag im Restaurant Bären im Heimisbach. Dass sie jedoch irgendwo ihren Woll- und Bastelladen weiterführen wird, hält Käthi Voramwald für unwahrscheinlich.

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