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Auftakt trotz Corona-KriseWollt ihr wirklich schon wieder ran, liebe Handballer?

Bereits im August beginnt die neue Saison. Die Veranstaltungen finden drinnen, auf engem Raum und nach Möglichkeit mit Zuschauern statt – in der Corona-Zeit eine gefährliche Kombination.

Der BSV Bern (im Bild Sebastian Schneeberger) und Wacker Thun duellierten sich Anfang 2020 in der gut besuchten Mobiliar-Arena in Gümligen.
Der BSV Bern (im Bild Sebastian Schneeberger) und Wacker Thun duellierten sich Anfang 2020 in der gut besuchten Mobiliar-Arena in Gümligen.
Bild: Christian Pfander

Die Sache hängt an einem seidenen Faden. Von den zehn in der höchsten Spielklasse engagierten Schweizer Fussballclubs verzeichneten zwei sogenannte Corona-Fälle, Xamax und der FC Zürich. Partien wurden verschoben oder unter fragwürdigen Umständen ausgetragen – der FCZ trat Basel mit einer leicht verstärkten 2. Mannschaft gegenüber. Und wenn weitere Tests positiv ausfallen, ist die Fortsetzung der noch fünf Runden dauernden Meisterschaft ungewiss.

Handball ist die nächste populäre Mannschaftssportart, in der hierzulande nach dem Lockdown Mitte März wieder gespielt werden soll. Anfang September beginnt die Meisterschaft, am Wochenende davor wird der Gewinner des Supercups ermittelt, und bereits am 8. August plant Wacker Thun, der Meister von 2018, eine Veranstaltung inklusive zweier Testmatches; er nennt sie Season Opener.

Durchgeführt werden all die Begegnungen vor Zuschauern. Das zumindest ist der Plan.

Nach aktuellem Stand können bis zu 1000 Personen an Events teilnehmen. Handball und Corona aber, das ist eine besonders diffizile Angelegenheit. Gespielt wird drinnen, die Distanz zum Publikum ist gering. Auf vergleichsweise sehr kleinem Raum passiert während bis zu zwei Stunden eine Menge. Es wird geschrien, es wird gejubelt, es wird bisweilen gesungen.

Im Grunde geschieht, wovor Fachleute in Zusammenhang mit dem Virus im Speziellen warnen.

Ausserdem sind die hiesigen Handballer zuallermeist keine Vollzeitangestellten. Sie studieren, sie arbeiten, sie bewegen sich weit öfter in der Öffentlichkeit als Profifussballer. Das Vereinsleben wird intensiver geführt, der Junior gerät im Normalfall häufiger in Kontakt mit dem Akteur der 1. Mannschaft.

Ist es also wirklich angemessen, im August bereits wieder zu spielen, zumal die Fallzahlen zuletzt eher gestiegen sind?

Nun, zumindest der Meisterschaftsauftakt Anfang September scheint alternativlos. Eine allfällige zweite Welle wird für den Herbst prognostiziert – zuzuwarten ist keine Option. Und eine Saison ausfallen zu lassen oder auf Publikum zu verzichten, können sich die Clubs nicht leisten. Sie litten auch finanziell darunter, dass die letzte Spielzeit abgebrochen werden musste – vor dem zuschauerwirksamsten und deswegen einträglichsten Teil, dem Playoff.

In der Szene ist man sich der Problematik bewusst. Die Vereine sind offenbar gewillt, den Mehraufwand in administrativer Hinsicht zu stemmen: Kontaktdaten aufzunehmen, die Hallen in Zonen zu unterteilen, das Catering anzupassen, allenfalls Masken zu verteilen. Und sie sind bereit, Abstriche zu machen: Die Berner Oberländer planten zunächst, an ihrem «Season Opener» ein Barbecue zu veranstalten; nun sehen sie davon ab.