Wo der Kosmetikcocktail aufgespalten wird

SumiswaldNeuerdings kann die Temmentec AG Abwässer in besserer Qualität der Kläranlage zuführen. Weil eine neue Anlage die Rückstände aus der Kosmetikproduktion besser ausscheiden kann.

Etwas Scharfes, ja fast Beissendes liegt in der Luft, zumindest für Nasen, die den Geruch nicht gewohnt sind. Im Hintergrund will das lärmende Hämmern einfach nicht aufhören – kein Wunder, hier, wo rechts ein 8000-Liter-Tank und links ein Bandfilter das Bild prägen, schlägt das Herz der neuen Anlage, auf die die Temmentec AG in Sumiswald so stolz ist. «Sie erleichtert uns die Arbeit enorm», stellt Betriebsleiter Urs Wisler fest. Heute sei kein Mitarbeiter mehr nötig, damit der Prozess in Gang bleibe, und auch die ständige Überwachung erübrige sich. Mit dem 8000-Liter-Tank sowie mit den beiden Tanks im Nebenraum verfüge man zudem über eine genügende Pufferkapazität und müsse bei Hochbetrieb den vorgelagerten Produktionsprozess nicht mehr drosseln. Besser als verlangt Für die Temmentec AG spielt die neue Anlage in der Tat eine zentrale Rolle. Hier laufen alle Abwässer zusammen und werden so aufbereitet, dass sie ohne Probleme zur endgültigen Reinigung an die öffentliche Kläranlage weitergeleitet werden können. Sie zu entwickeln,m sei keine einfache Aufgabe gewesen, blickt Wisler zurück, denn: «Wir machen nie zwei, drei Tage das Gleiche. Entsprechend sind die Abwässer immer etwas anders zusammengesetzt.» Die Temmentec AG stellt in Sumiswald Kosmetika aller Art her (siehe Kasten). Entsprechend vermischen sich in den Abwässern nicht nur verschiedenste Chemikalien, sondern auch verschiedenste Düfte, was wohl den für nicht abgehärtete Nasen so speziellen Geruch erklärt – doch rasch wendet sich Wisler wieder der Anlage zu, um im Detail zu erklären, wie sie funktioniert. Es fängt bei den beiden Tanks im Nebenraum an, die als Sammelbecken dienen. Von hier aus wird das Wasser in den 8000-Liter-Tank gepumpt, wo es mit Zusatzstoffen vermischt wird. Dank ihnen werden die in der Kläranlage unerwünschten Kohlenwasserstoffe abgespalten, diese bleiben später im Vlies des Bandfilters hängen und werden schliesslich gemeinsam mit dem Vlies in der Kehrichtverbrennungsanlage vernichtet. Mit der neuen Anlage übernehme die Temmentec AG in Sachen Umweltschutz eine Vorreiterrolle, streicht derweil Herbert Hauser als verantwortlicher Ingenieur hervor. Mit der bisherigen Technologie habe sich das Wasser nicht annähernd so einfach und so gut behandeln lassen. Der Prozess sei nicht nur aufwendig gewesen, auch die Qualität habe zu wünschen übrig gelassen. Heute sei dies anders. Im ersten halben Betriebsjahr habe die neue Anlage «die gesetzlichen Mindestanforderungen deutlich übertroffen». Dann schreitet Herbert Hauser zur Tat und übergibt der Temmentec AG in einem offiziellen Akt den Umweltpokal 2010. Diese Auszeichnung hat Hausers Beraterunternehmen, die im Zürcher Weinland domizilierte Hauser+Walz GmbH vor vier Jahren gemeinsam mit befreundeten Firmen ins Leben gerufen. Geld fliesst dabei keines, auch wenn die Temmentec AG für die neue Anlage tief in die Tasche gegriffen hat: Laut Hauser bewegten sich die Kosten «bei 250000 Franken oder sogar noch etwas mehr».Stephan Künzi >

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