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Ausflugstipp in der RegionIn Greyerz ist nicht alles Käse

Ein 800 Jahre altes Schloss und das Museum eines Oscarpreisträgers: Das mittelalterliche Städtchen Greyerz ist klein, aber fein.

Greyerz thront auf einem Hügel und ist sehr gut erhalten.
Greyerz thront auf einem Hügel und ist sehr gut erhalten.
Foto: Nicole Philipp

Es hat bloss etwas über 2000 Einwohnerinnen und Einwohner, trotzdem ist es kein Dorf, sondern ein Städtchen. Und was für eines. Kaum ein anderes dieser kleinen Grössenordnung hat so viel zu bieten wie Greyerz im Kanton Freiburg: ein veritables Schloss, mittelalterliche Häuser, ein Kunstmuseum eines Oscarpreisträgers, eine fantastische Rundumsicht auf die Ebene der Saane und die umliegenden Gipfel. Und schliesslich den weltberühmten Käse, der auch in den USA kopiert wird.

Käse seit 1115

Das Original wird auch im Maison du Gruyère produziert, das sich etwas unterhalb des mittelalterlichen Städtchens, vis-à-vis der Bahnstation, befindet. Integriert ist hier ein kleines Museum rund um den Käse sowie eine Schaukäserei. Beim Eintritt erhalten die Besucherinnen und Besucher drei Kostproben von Greyerzer Käse in drei Reifegraden sowie einen Audioführer in 16 Sprachen für die Ausstellung. Hier erfährt man unter anderem, dass die Käseherstellung in Greyerz erstmals im Jahr 1115 erwähnt wird. Grosse Fenster eröffnen den Blick in die Schaukäserei. Die vier Kessel fassen je 4800 Liter Milch, täglich werden hier 48 Laibe produziert. 30 Milchproduzenten beliefern die Käserei jährlich mit sechs Millionen Liter Milch. Das reicht für 500 Tonnen Greyerzer. Der Reifungsraum bietet Platz für über 7000 Käselaibe. Im Maison du Gruyère gibt es auch ein Restaurant sowie einen Verkaufsladen mit regionalen Produkten.

Wer zur richtigen Zeit im Maison du Gruyère ist, der kann den Käsern bei der Arbeit zuschauen.
Wer zur richtigen Zeit im Maison du Gruyère ist, der kann den Käsern bei der Arbeit zuschauen.
Foto: Nicole Philipp
Der Greyerzer Käse ist seit dem Mittelalter ein wichtiges Exportprodukt des Greyerzerlandes.
Der Greyerzer Käse ist seit dem Mittelalter ein wichtiges Exportprodukt des Greyerzerlandes.
Foto: Nicole Philipp
Ein Blick von oben in die Schaukäserei.
Ein Blick von oben in die Schaukäserei.
Foto: Nicole Philipp
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Eine 800-jährige Geschichte

Ein Bus (oder ein 15-minütiger Fussmarsch) führt hinauf ins Städtchen. An dessen Ende befindet sich das Schloss Greyerz. Es wurde im 13. Jahrhundert errichtet und war die Hauptresidenz eines der bedeutendsten Westschweizer Adelsgeschlechter, nämlich der Grafen von Greyerz. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde es zu einem herrschaftlichen Wohnsitz umfangreich umgebaut. Später war das Schloss der Sitz freiburgischer Landvögte. Im 19. Jahrhundert ist es in den Besitz einer Genfer Familie gelangt.

Ein Blick in den mächtigen Innenhof des Schlosses Greyerz.
Ein Blick in den mächtigen Innenhof des Schlosses Greyerz.
Foto: Nicole Philipp
Blumen schmücken eine Veranda.
Blumen schmücken eine Veranda.
Foto: Nicole Philipp
Im Burgundersaal sind Trophäen aus der Murtenschlacht ausgestellt.
Im Burgundersaal sind Trophäen aus der Murtenschlacht ausgestellt.
Foto: Nicole Philipp
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1938 kauft es der Kanton Freiburg und öffnet es für das Publikum. Beeindruckend sind nicht nur die vielen Säle aus verschiedenen Epochen: der Burgundersaal mit Trophäen aus der Murtenschlacht, der Vögtesaal mit Mobiliar aus dem 17. Jahrhundert, die alte Küche mit einem Herd aus dem 16. Jahrhundert, der Barocksaal mit Wandmalereien von Pierre Mercier Aubusson und der Grosse Salon mit einem Pianoforte von 1837. Beeindruckend ist auch, dass in diesen Gemäuern regelmässig Ausstellungen und kulturelle Anlässe stattfinden. Derzeit nimmt das deutsch-französische Künstlerduo Barbezat/Villetard das Schloss mit der Installation «The Slow Rush» in Beschlag.

Das Museum des Oscarpreisträgers

Zwischen dem Schloss und der Hauptgasse steht das Château St-Germain. Der Schweizer Künstler HR Giger (1940–2014) hat das Gebäude 1997 gekauft und ein Jahr später sein Museum eröffnet. Gigers Werk wird dem Surrealismus zugerechnet. Allgegenwärtig sind etwa seine verstörenden Maschinen in und auf morbiden Menschenkörpern. Als Szenenbildner prägte er Science-Fiction-Filme, unter anderem «Alien» (1979). Giger erhielt für diesen Streifen 1980 einen Oscar für die besten visuellen Effekte. Im Museum in Greyerz taucht man in diese Alien-Welt ein. Es sind düstere Bilder, Skulpturen, Möbel (aus Knochenkonstrukten) und Filmkulissen. Die Nerven von Zartbesaiteten werden von gewissen Werken etwas strapaziert. Vis-à-vis dem Museum gibts auch eine Giger-Bar, die entsprechend eingerichtet ist. Hier werden Getränke und kleinere Snacks serviert. Welch ein Gegensatz dann ein paar Meter weiter, der Eingang zum Schlosshof.

Im Château St-Germain ist ein grosser Teil des Werks des Künstlers HR Giger ausgestellt.
Im Château St-Germain ist ein grosser Teil des Werks des Künstlers HR Giger ausgestellt.
Foto: Nicole Philipp
In der Fantasie von HR Giger entstanden angsteinflössende Figuren.
In der Fantasie von HR Giger entstanden angsteinflössende Figuren.
Foto: Nicole Philipp
Auch als Möbeldesigner war HR Giger tätig.
Auch als Möbeldesigner war HR Giger tätig.
Foto: Nicole Philipp
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