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Ausflugstipp – Wanderung zur LandesgrenzeWo Bern beinahe an Frankreich grenzt

Wunderbar vielfältig ist die Landschaft zwischen Renan und Biaufond: Auf die Weite der Freiberge folgen eine wilde Schlucht und am Ende ein verträumter See.

Der Doubs: Grenzfluss zwischen der Schweiz und Frankreich.
Der Doubs: Grenzfluss zwischen der Schweiz und Frankreich.
Fotos: Andreas Staeger

Ganz Bern ist von anderen Kantonen umgeben. Wirklich? Weit im bernischen Nordwesten gibt es eine kleine Ecke, die nicht an einen Nachbarkanton, sondern ans Ausland grenzt. Diesen Eindruck gewinnt jedenfalls, wer eine Landeskarte mit den Umrissen des Kantons Bern studiert. Der Anschein verflüchtigt sich allerdings zusehends, je grösser der Massstab ist und je detaillierter die Karte wird. Spätestens mit der 1:50’000er-Skala ist klar: Bern ist ein Binnenkanton.

Das ist auf die Abspaltung der drei nordjurassischen Amtsbezirke Delémont, Porrentruy und Franches-Montagnes und die Gründung des neuen Kantons Jura am 1. Januar 1979 zurückzuführen. Zuvor hatte Bern eine mehr als hundert Kilometer lange gemeinsame Grenze mit der Republik Frankreich.

Durch die Freiberge an den Doubs

Biaufond, so heisst die Ecke, in der Bern auch heute noch fast an Frankreich grenzt. Die bernische, die neuenburgische und die jurassische Kantonsgrenze treffen sich dort in einem Punkt, der bloss 250 Meter von der französischen Grenze entfernt ist. In natura kann man sich von diesem Sachverhalt auf einer Wanderung im Berner Jura überzeugen.

Nahe an der Grenze: Drüben ist Frankreich.
Nahe an der Grenze: Drüben ist Frankreich.

Der Ausgangspunkt Renan ist die höchstgelegene Ortschaft im Vallon de St-Imier. Von der Station wandert man oberhalb der Bahnlinie zunächst talauswärts, dann biegt man am Dorfrand zum Wald um. Bald zweigt ein Fahrweg in den Wald ab. Am Trinkwasserreservoir vorbei überwindet er die hundert Meter Höhendifferenz zur Hochebene der Freiberge.

Vorerst folgt man nun dem Strässchen in nördlicher Richtung, doch schon zehn Minuten später biegt man einer Hecke entlang in eine schwach ausgeprägte Senke ein, folgt einer Weidemauer und quert auf undeutlichen Pfadspuren die Weide zu den Häusern am Rande der Combe du Pélu.

Eine niedrige Jurafalte trennt die Combe vom Plateau von La Ferrière. Vom Hügelsattel aus kann man die mehrheitlich pfadlose Fortsetzung über die Weide am Hof Sous les Planes vorbei gut ausmachen; als Orientierungshilfe dienen die nahen Häuser von La Ferrière.

Leitern und Treppen in der Schlucht

Gleich nach der Station La Ferrière zweigt ein Quartiersträsschen links von der Hauptstrasse ab und senkt sich, in einen Fahrweg übergehend, in die Combe du Valanvron, die der Bach La Ronde durchfliesst. Die Wanderrichtung ist nun vorgegeben, bleibt die Route doch immer im Talgrund. Über Le Fief und später dem Teich Cul des Prés entlang steigt man stetig ab. Die wilde, steinige Combe de Biaufond wird über Leitern, Stege und Treppen bezwungen. Im sumpfigen Talboden führt ein Spazierweg zu den Häusern von Biaufond, die sich bereits im Kanton Jura befinden.

Abenteuerlicher Abstieg in der Combe de Biaufond.
Abenteuerlicher Abstieg in der Combe de Biaufond.

Der Weiler liegt in einer wildromantischen Landschaft an einem See, der in Wirklichkeit ein aufgestauter Fluss ist. Der Doubs bildet vom neuenburgischen Les Brenets bis zum jurassischen Clairbief die Landesgrenze zwischen der Schweiz und Frankreich. Von Biaufond an flussabwärts weist er eine ungewöhnliche Eigenart auf: Entgegen der sonst üblichen internationalen Gepflogenheiten verläuft die Landesgrenze hier nicht mitten im Flussbett, sondern durchwegs am rechten Ufer.

Erfrischung in Frankreich

Der Doubs zählt somit in diesem Gebiet in seiner ganzen Breite zu Frankreich. Dies wurde seinerzeit zwischen dem französischen König Ludwig XVI. und dem Fürstbischof von Basel ausgehandelt; den beiden ging es freilich nicht um das Flusswasser, sondern um die darin lebenden Fische. Wer also am Ziel der Wanderung die Füsse ins Wasser tauchen möchte, sollte einen Ausweis dabeihaben, weil die Erfrischung bereits in Frankreich erfolgt.