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England wird sein Torhüter-Trauma nicht los

Gegen die USA war Robert Green der Tor im englischen Tor, als er den Amerikanern das 1:1 schenkte. Immer wieder lassen die englischen Keeper ihr Team im Stich.

Stephan Roth
Der englische Torhüter Robert Green lässt einen Schuss von Clint Dempsey durch die Hände gleiten.
Der englische Torhüter Robert Green lässt einen Schuss von Clint Dempsey durch die Hände gleiten.
Robert Green streckt sich, doch der Ball geht über die Torlinie.
Robert Green streckt sich, doch der Ball geht über die Torlinie.
Der Ball liegt im Tor. Green würde am liebsten im Boden versinken.
Der Ball liegt im Tor. Green würde am liebsten im Boden versinken.
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1:0 führten die Engländer in ihrem WM-Auftaktspiel gegen die USA, als das grosse Torhüter-Trauma das Mutterland des Fussballs wieder einholte. In der 40. Minute liess Robert Green einen ansich harmlosen Schuss von Clint Dempsey aus 20 Metern durch die Hände gleiten. Verzweifelt versuchte er dem Ball nachzukrabbeln. Vergeblich. Er kam zu spät und konnte den Ausgleich zum Schlussresultat von 1:1 nicht mehr verhindern (siehe erstes Video links).

Dass Englands Nationaltrainer Fabio Capello den Teamkollegen von Valon Behrami bei West Ham United zur Nummer 1 gemacht hatte, war nicht unumstritten gewesen. Der Italiener hatte keinen besseren gefunden. Da die Spitzenklubs der Premier League keinem Engländer ihr Tor anvertrauen, nominierte Capello neben dem 30-jährigen Green, Routinier David James (39) von Absteiger Portsmouth und den noch unerfahrenen Joe Hart (23) von Birmingham City, der eine sehr starke Saison gespielt hatte, für die WM. Ben Foster, den Capello ebenfalls erfolglos getestet hatte, war zuletzt bei Manchester United nur die Nummer 3.

Bei Meister Chelsea steht der Tscheche Cech im Tor. Die Nummer 1 bei ManU heisst Van der Sar und ist Holländer. Arsenal hat mit Almunia einen Spanier im Tor. Bei Tottenham steht der Brasilianer Gomes zwischen den Pfosten. Bei Manchester City ist es der Ire Given und bei Liverpool mit Reina ebenfalls ein Spanier.

EM wegen Goalie-Fehlern verpasst

Ihrer Torhüter-Misere hatten es die Engländer zu verdanken, dass sie vor zwei Jahren die EM in der Schweiz und in Österreich nur am TV verfolgen durften. Erst hatte Paul Robinson - in Kroatien schlug er über einen Rückpass von Gary Neville, der im Tor landete (siehe Video links) - seinen Stammplatz verspielt. Und dann patzte auch Scott Carson (siehe Video links), den Capellos Vorgänger Steve McClaren im entscheidenden Spiel im Wembley gegen Kroatien zur Nummer 1 gemacht hatte, gewaltig.

Bevor sich Robinson und Carson blamierten, war James die Nummer 1 gewesen. Seinen Übernamen «Calamity» (Elend) James verdankt er seinen teils haarsträubenden Aussetzern. Bei ihren letzten Auftritten an grossen Turnieren scheiterten die Engländer jeweils im Penaltyschiessen an Portugal. Das war zwar nicht die Schuld der Torhüter, doch James (EM 2004) und Robinson (WM 2006) waren dabei auch keine Hilfe.

«Ich denke nicht, dass man den Torhüter kritisieren sollte»

Bei der WM 2002 war es hingegen ein Torhüter gewesen, der England um die Titelchancen brachte. David Seaman liess gegen Brasilien einen Freistoss von Ronaldinho aus grosser Distanz passieren. Irgendwie scheint England, das seit dem zweiten Weltmeistertitel seit 1966, als Gordon Banks zwischen den Pfosten stand, hinterherjagt, sein Torhüter-Traum nicht loszuwerden.

Captain Steve Gerrard, der gegen die USA in der 4. Minute das 1:0 erzielt hatte, stellte sich hinter Green. «Ich denke nicht, dass man den Torhüter kritisieren sollte. Im Vorfeld wurde ja viel über diesen WM-Ball gesprochen. Wir müssen jetzt alle hinter Robert stehen», sagte der Liverpooler. «Ich bin sicher, dass er mental so stark ist, dass er dieses Tor wegstecken kann.»

Nach der Pause erspielte sich England zwar Vorteile, auch die Amerikaner, die vor einem Jahr am Confed-Cup als einzige in den letzten drei Jahren Europameister Spanien schlugen, kamen aber zu Möglichkeiten. In der 65. Minute konnte Green mit Glück und Können einen Schuss von Jozy Altidore an den Pfosten lenken.

In der Gruppe C spielen neben England und den USA noch Algerien und Slowenien. England trifft im nächsten Spiel am Freitag auf Algerien.

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