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Vor dem Traum-Duell in taktischen Fesseln

Am Freitag treffen Holland und Brasilien im WM-Viertelfinal aufeinander. Traditionell stehen beide Teams für Offensivspektakel. Doch an dieser WM stellen sie das Resultat in den Vordergrund.

Stephan Roth
Juan (4) trifft bei einem Eckball hinter seinen Teamkollegen Lucio und Luis Fabiano zum 1:0 für Brasilien.
Juan (4) trifft bei einem Eckball hinter seinen Teamkollegen Lucio und Luis Fabiano zum 1:0 für Brasilien.
Wuchtig köpfelt Juan ein.
Wuchtig köpfelt Juan ein.
Juan setzt sich gegen Arturo Vidal durch und trifft per Kopf zum 1:0 für Brasilien.
Juan setzt sich gegen Arturo Vidal durch und trifft per Kopf zum 1:0 für Brasilien.
Juan (rechts) bringt Brasilien gegen Chile in Führung. Torhüter Claudio Bravo fliegt vergeblich. Kaká reisst die Arme hoch.
Juan (rechts) bringt Brasilien gegen Chile in Führung. Torhüter Claudio Bravo fliegt vergeblich. Kaká reisst die Arme hoch.
Luis Fabiano umspielt Torhüter Claudio Bravo...
Luis Fabiano umspielt Torhüter Claudio Bravo...
...und schiebt locker zum 2:0 ins leere Tore ein.
...und schiebt locker zum 2:0 ins leere Tore ein.
Robinho (Zweiter von links) wird nach seinem 3:0 von Kaká, Ramires und Luis Fabiano gefeiert.
Robinho (Zweiter von links) wird nach seinem 3:0 von Kaká, Ramires und Luis Fabiano gefeiert.
Lucio (links) und Humberto Suazo liefern sich ein Duell.
Lucio (links) und Humberto Suazo liefern sich ein Duell.
Chiles Torhüter Claudio Bravo gelingt eine Parade.
Chiles Torhüter Claudio Bravo gelingt eine Parade.
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Wer als Fussball-Enthusiast an Holland und an Brasilien denkt, bekommt sofort einen wässrigen Mund. «Seleção» und «Oranje» stehen für einen Fussball, der von Offensiv-Kunst, Spielfreude sowie spielerischer und technischer Klasse geprägt ist. Nicht weniger als das Resultat zählt in Brasilien und Holland die Art und Weise.

Somit kann es nicht erstaunen, dass die bisherigen Auftritte der beiden Teams, die am Freitag um 16 Uhr im Viertelfinal aufeinander treffen werden, in der Heimat bisher mit Kritik überhäuft wurden. Denn eine grandiose Show haben die Mannschaften von Bert van Marwijk und Carlos Dunga ihren Anhängern noch nicht geboten.

Holland feierte am Nachmittag im Achtelfinal den vierten Sieg in Folge. Das 2:1 gegen die Slowakei fügte sich nahtlos den Auftritten gegen Dänemark, Japan und Kamerun an. Dieses technisch starke «Oranje»-Team verzichtet weiterhin auf Show-Elemente und einen Fussball, der die Herzen höher schlagen lässt. Van Marwijk lässt seine Spieler kühl, berechnend und primär erfolgsorientiert auftreten.

«Man muss auch Mal hässliche Spiele erfolgreich gestalten»

Der Schwiegervater von Bayern-Captain Mark van Bommel will die Fehler seiner Vorgänger offensichtlich vermeiden, die sich nach einer stürmischen und begeisternden Gruppenphase jeweils vorzeitig aus grossen Turnieren verabschieden mussten. In der Defensive wirkt auch die Ausgabe 2010 des Teams in orange trotz kontrollierter Spielweise nicht ganz sattelfest. Hätte der slowakische Goalgetter Robert Vittek nicht erst in der 94. Minute per Penalty getroffen, sondern seine Chancen davor verwertet, hätte es für die Holländer ein böses Erwachen geben können. Die Tore von Bayerns Arjen Robben und Inters Wesley Sneijder sowie die Paraden von Ajax-Torhüter Martin Stekelenburg reichten aber zum Sieg.

«Alle wollen immer tollen Fussball von uns sehen und ein 5:0 zur Halbzeit», wehrt sich Bondscoach Van Marwijk. «Aber das geht nicht immer und dann muss man auch Mal hässliche Spiele erfolgreich gestalten. Wir sind hierher gekommen, um was zu gewinnen. Wir wollen Weltmeister werden.»

Wie Van Marwijk muss sich auch Dunga für den Spielstil seines Teams zur Wehr setzen. Der ehemalige Mittelfeldspieler, der wegen seines rustikalen Spielstils «O Alemão» (der Deutsche) genannt wurde, verteidigte sich nach dem blassen 2:1 gegen Nordkorea. «Wir haben mehr als 100 Tore geschossen, auf irgendeine Weise müssen wir ja kreativ gewesen sein. Und wir haben nur 30 kassiert», kommentierte Dunga seine Bilanz seit dem Amtsantritt 2006. «Da gibt es ein Gleichgewicht.» Im Gegensatz zu jener der Holländer überzeugte die brasilianische Defensive mit den drei Champions-League-Siegern von Inter Mailand, Torhüter Julio Cesar, Maicon und Lucio bisher.

«Dungas Handschrift des Pragmatismus»

Im Viertelfinal gegen die aufsässigen Chilenen kam sein Team zu einem ungefährdeten 3:0-Erfolg. «Doch was spielerischen Glanz und Traumfussball vermuten lässt, war ein weiterer Sieg mit Dungas Handschrift des Pragmatismus», schreibt «Spiegel Online».

Solche Unkenrufe werden Dunga nicht stören, wenn sein Team den sechsten WM-Titel holen sollte. Er weiss aus eigener Erfahrung als Spieler, dass die Brasilianer in den letzten vierzig Jahren dann erfolgreich waren, wenn sie Ordnung über spielerischen Firlefanz setzten. 1994 war er beim vierten Titelgewinn in den USA dabei.

Trotz der bisherigen Auftritte der Holländer und Brasilianer könnte das Spiel vom Freitag dennoch seinen Reiz haben. Vor allem dann, wenn einer Mannschaft ein frühes Tor gelingt, das den Gegner zum Sprengen der taktischen Fesseln zwingt.

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