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Deutschland erobert die Herzen der Fussball-Fans

Wie schon gegen England (4:1) zeigte Deutschland beim 4:0 gegen Argentinien im WM-Viertelfinal grossartigen Fussball.

Stephan Roth
Miroslav Klose feiert seinen Treffer zum 2:0.
Miroslav Klose feiert seinen Treffer zum 2:0.
Doppeltorschütze Miroslav Klose feiert einen seiner Treffer.
Doppeltorschütze Miroslav Klose feiert einen seiner Treffer.
Miroslav Klose schiesst eiskalt zum 4:0 ein.
Miroslav Klose schiesst eiskalt zum 4:0 ein.
Der Ball liegt im Netz. Thomas Müller hat eben Argentiniens Torhüter Romero bezwungen.
Der Ball liegt im Netz. Thomas Müller hat eben Argentiniens Torhüter Romero bezwungen.
Thomas Müller trifft per Kopf zum 1:0.
Thomas Müller trifft per Kopf zum 1:0.
Der Deutsche Thomas Müller dreht nach seinem 1:0 jubelnd ab.
Der Deutsche Thomas Müller dreht nach seinem 1:0 jubelnd ab.
Der 20-jährige Thomas Müller erzielte bereits sein viertes WM-Tor.
Der 20-jährige Thomas Müller erzielte bereits sein viertes WM-Tor.
Verteidiger Arne Friedrich trifft mit seinem ersten Tor in seinem  77. Länderspiel zum 3:0.
Verteidiger Arne Friedrich trifft mit seinem ersten Tor in seinem 77. Länderspiel zum 3:0.
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«Fussball ist ein Spiel mit 22 Mann und am Ende gewinnt immer Deutschland.» Dieses Zitat des ehemaligen englischen Nationalstürmers Gary Lineker war während Jahren die Quintessenz der internationalen Wahrnehmung des deutschen Fussballs. Die Deutschen spielten nie am Besten, fanden aber meist einen Weg, ihren Gegner zu besiegen. Selbst in unserem nördlichen Nachbarland sprach man stets mehr von den so genannten «deutschen Tugenden», womit Kampfgeist und Siegeswille gemeint sind, als von Spielkultur.

Bei ihren drei Weltmeistertiteln waren die Deutschen im Final stets die Mannschaft mit den geringeren fusballerischen Klasse. 1954 besiegten sie beim «Wunder von Bern» die hoch favorisierten Ungaren mit Ferenc Puskas. 1974 erwischten sie im eigenen Land die bereits siegessicheren Holländer mit Johan Cruyff. Und 1990 gewannen sie gegen Argentinien mit Diego Armando Maradona in Italien.

Stets wurden die Deutschen mehr für ihre Fähigkeit zu gewinnen als für ihre Fussballkünste bewundert. Dies scheint sich nun in Südafrika zu ändern.

Nervenprobe gegen Ghana bestanden

Ein erstes Ausrufezeichen hatte das Team von Jogi Löw gegen Australien gesetzt. 4:0 besiegten die Deutschen den Aussenseiter und begeisterten durch schwungvolles Angriffsspiel. Danach kam der Rückschlag gegen Serbien, als die Deutschen nach einem Platzverweis gegen Miroslav Klose und einem von Lukas Podolski verschossenen Handspenalty 0:1 verloren. Beim 1:0 gegen Ghana behielten Torhüter Manuel Neuer und seine Vorderleute unter Hochdruck die Nerven, glänzten aber nicht.

In der K.o.-Phase spielte das junge deutsche Team dann aber gross auf. 4:1 demontierten sie England. Doch die grossartige Leistung wurde von den Diskussionen über den von den uruguayischen Unparteiischen übersehen 2:2-Ausgleich der Engländer überschattet. «Deutschland ist ein fantastisches Team und verdiente es zu gewinnen», gab der englische Captain Steven Gerrard zu.

Leistung von Schiedsrichter-Fehler überschattet

Heute gab es dann gar keine Diskussionen mehr. Deutschland zerlegte Argentinien regelrecht. Die Mannschaft von Jogi Löw war nicht nur besser organisiert als jene von Diego Armando Maradona, sondern stach auch Superstar Lionel Messi aus und sorgte für die spielerischen Glanzpunkte.

Bereits in der dritten Minute traf der 20-jährige Shooting Star Thomas Müller nach einem herrlichen Freistoss von Bastian Schweinsteiger per Kopf zum 1:0. In der zweiten Hälfte spielte Deutschland die überforderte argentinische Abwehr gnadenlos aus. Miroslav Klose brauchte nach einem traumhaft einfachen Durchspiel über Müller und einem präzisen Querpass von Lukas Podolski nur noch ins leere Tor einzuschieben.

Mindestens «Weltmeister der Herzen»

Das 3:0 von Verteidiger Arne Friedrich, der in seinem 77. Länderspiel erstmals traf, bereitete der überragende Schweinsteiger mit einem wunderbaren Sololauf vor. Kloses 4:0 in der 89. Minute nach einer Özil-Flanke war dann noch eine schöne Zugabe. Einziger Schönheitsfehler beim Showlaufen gegen die Argentinier war die gelbe Karte für Müller wegen eines Handspiels. Der vierfache WM-Torschütze wird nun im Halbfinal gegen Spanien oder Paraguay am Mittwoch gesperrt sein.

Die junge, hungrige und unbeschwert auftrumpfende Mannschaft spielte sich in die Herzen der neutralen Fussball-Fans. Mindestens den Titel des «Weltmeisters der Herzen», den sie sich vor vier Jahren etwas voreilig selbst gegeben hatten, dürften sich die Deutschen sichern.

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