Treter De Jong jammert

Sein Kung-Fu-Tritt gegen Xabi Alonso im Final gegen Spanien war das übelste Foul dieser WM. Das hindert Hollands Nigel De Jong nicht daran, den Schiedsrichter zu kritisieren.

  • loading indicator

Mit seinem Tritt in die Brust brach er dem Spanier Xabi Alonso möglicherweise die Rippen, wie spanische Medien berichten. Da könnte man es ja verstehen, wenn Nigel De Jong den englischen Final-Schiedsrichter Howard Webb dafür tadeln würde, dass er ihn in der 28. Minute nur Gelb und nicht Rot gezeigt hatte. Doch soviel Einsicht kann man von einem Profi-Fussballer offenbar nicht erwarten.

De Jong gilt seit jeher eher als ein Mann fürs Grobe und beschrieb seine Rolle und seine Stärken selbst folgendermassen: «Mein Spiel basiert darauf, dass ich 200 Prozent gebe, Tacklings mache und meine Abwehr abschirme. Wenn ich den Ball bekomme, gebe ich ihn den Leuten, die kreativer sind als ich. Ich denke, man kann mich als Wasserträger bezeichnen.»

«Es hätte Corner für uns geben müssen»

De Jong attackierte Webb aber nach der Finalniederlage für eine andere Entscheidung. «Der Schiedsrichter traf einen wichtigen Fehlentscheid», sagte der defensive Mittelfeldspieler von Manchester City. «Es hätte einen Corner für uns geben müssen und kurz darauf kassieren wir das entscheidende Gegentor.»

In der Tat hatten sich Webb und seine Assistenten in der fraglichen Szene nach einem abgelenkten Freistoss von Sneijder geirrt. Und der Engländer hätte im Anschluss auch noch einen Freistoss für die Holländer pfeifen müssen. Paradoxerweise fiel das Tor der Spanier dann aber, weil die sonst rustikal und destruktiv einsteigenden Holländer für einmal ein taktisches Foul zu wenig machten. Der eingewechselte Rafael van der Vaart verpasste es, den Gegenstoss von Cesc Fabregas zu unterbinden.

«Es hätte einen Freistoss und Rot für Puyol geben müssen»

Der nicht erhaltene Eckball war nicht die einzige Szene, bei der sich die Holländer über den ehemaligen Polizisten, der mit 14 Karten einen neuen WM-Final-Rekord (bisher 7 bei Argentinien - Deutschland 1986) aufstellte, aufregten. «Als ich meine zweite Chance hatte, hätte er einen Freistoss und Rot für Puyol geben müssen», klagte Arjen Robben. «Er liess Vorteil laufen. Doch es war keiner, da ich kaum mehr voran kam und der Torhüter schon zu nahe war.»

Für seine fast endlosen Reklamation wurde der Bayern-Star, der mit seinen beiden vergebenen Grosschancen der Verlierer des Finals war, verwarnt. «Der Schiedsrichter hat eine schlechte Rolle gespielt. Das war ein Weltklasse-Final, da muss auch ein Weltklasse-Schiedsrichter pfeifen. Er hat einige befremdliche Entscheidungen getroffen. Das hat dem Spiel nicht gut getan.»

Holland profitierte davor von Schiedsrichtern

Auch Wesley Sneijder polterte nach der bitteren Niederlage. «Das ist eine Schande für den Sport», sagte er und meinte damit nicht das rüde «Oranje»-Spiel, sondern die Leistung von Webb. Aggressivleader Mark van Bommel schloss sich an: «Über Webb will ich nicht sprechen. Er hat sehr viele Fehler gemacht, die uns benachteiligt haben. Das hat jeder gesehen.»

Bei ihrem Gezeter hatten die Holländer völlig vergessen, dass sie im Viertelfinal gegen Brasilien und Uruguay alles andere als Grund zur Klage über die Schiedsrichter gehabt hatten. Gegen Brasilien hatte De Jong Glück, dass es bei seinem rücksichtslosen Tackling gegen Kaká im Stand von 0:1 keinen Penalty gegeben hatte. Und gegen Uruguay war dem 1:0 Van Bronckhorsts ein übles Foul von Van Bommel vorangegangen und beim vorentscheidenden 2:1 von Sneijder ein Offside von Van Persie übersehen worden.

«Webb, feige und unfähig»

Selbst aus Spanien gab es für Webb verbale Prügel. «Webb, feige und unfähig», lautet der Titel eines Blogs der Sportzeitung «Marca». Bereits bei der Niederlage gegen die Schweiz hatten sich die Spanier gegen einen destruktiven Gegner zu wenig vom englischen Schiedsrichter beschützt gefühlt.

Für Webb, der bereits den Champions-League-Final zwischen Inter Mailand (mit Sieger Sneijder) und Bayern München (mit Van Bommel und Robben) geleitet hatte, wurde der grosse Traum somit zum Albtraum. Viel schwieriger hätte die Aufgabe für einen Schiedsrichter kaum sein können.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt