Zum Hauptinhalt springen

Wie Schweizer Experten Assads C-Waffen sichern könnten

Die Vorbereitungen für die Vernichtung des syrischen Chemiewaffenarsenals haben begonnen. Auch das Labor Spiez hat seine Hilfe angeboten. Dort arbeiten sechs Experten auf diesem Gebiet.

Die Kompetenzen des Instituts liegen bei der Analyse: Ein Mitarbeiter im Labor Spiez.
Die Kompetenzen des Instituts liegen bei der Analyse: Ein Mitarbeiter im Labor Spiez.
Keystone

Die Schweiz ist bereit, bei der Zerstörung des syrischen Chemiewaffenarsenals mitzuhelfen. Schweizer Experten sind zwar bei der laufenden Syrien-Mission der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) nicht vertreten. Eine Teilnahme bei den künftigen Einsätzen im Bürgerkriegsland ist jedoch möglich.

«Wir haben von der OPCW keine konkrete Anfrage bekommen», betont der Sprecher des Labors Spiez, Andreas Bucher. Die Schweiz hat der Organisation die Expertise der Fachstelle des Bundes angeboten, nachdem sich der UNO-Sicherheitsrat im September auf eine Resolution zur Zerstörung der Chemiewaffen geeinigt hatte.

Auswertung von Proben

Das Berner Institut war bereits bei der Auswertung der Proben beteiligt, die eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen in Syrien entnommen hatte. Nun sind die ersten 20 Inspektoren der OPCW nach Syrien gereist, um die UNO-Resolution umzusetzen – Schweizer sind nicht dabei.

Bei den weiteren Einsätzen könnte das Fachwissen des Labors aber nützlich sein. Es verfügt über Know-how bei der Dekontamination, Sicherung und Ortung von Chemiewaffen.

«Mehrere Personen haben Erfahrung mit internationalen Missionen. Es ist allerdings noch nicht klar, welche Form die weiteren OPCW-Einsätze in Syrien haben werden», sagt Bucher.

Noch sind viele Fragen offen

Entscheidend sei die Frage, wie die OPCW «Zerstörung» auslegt, sagt Christophe Curty von der Gruppe Organische Chemie des Labors. «Geht es um die Vernichtung oder nur um die Sicherung der Waffen? Und wo würden sie vernichtet?» Erst nachdem die OPCW dies entschieden habe, könne sie über die Ausgestaltung der Mission befinden.

Das Labor ist nicht auf alle Aufgaben spezialisiert. Für die Vernichtung von Chemiewaffen ist beispielsweise in Spiez kein Fachwissen vorhanden, weil die Schweiz keine solchen Waffen besitzt.

Die Kompetenzen des Instituts liegen bei der Analyse: «Schweizer Experten könnten beispielsweise überprüfen, ob die Vernichtung korrekt gemacht wird», erklärt Curty.

Über einen allfälligen Einsatz von Schweizern in Syrien entscheide aber die OPCW, betont der Chemiker. Zudem müsste der Bund einen solchen Einsatz im Kriegsland noch genehmigen.

Kleine Zahl von Experten

Bis jetzt waren Schweizer Experten nur bei internationalen Inspektionen dabei, die nach Ende eines Konflikts durchgeführt wurden. Es wäre bei einer Schweizer Teilnahme aus Sicht von Curty schwierig, Experten für den Einsatz im Kriegsgebiet zu bestimmen: «Wir können niemanden dazu zwingen.»

Das Schweizer Labor ist zudem verhältnismässig klein. «Obwohl wir bei der Analyse weltweit zu den führenden Instituten gehören, haben wir im Labor nur sechs Experten auf dem Gebiet», erklärt Christophe Curty. Der interne Betrieb des Labors müsste auch während eines Einsatzes gewährleistet werden können.

Sonderbeitrag des EDA

Insgesamt werden knapp 100 Inspektoren der OPCW für den Einsatz in Syrien benötigt. Das syrische Regime verfügt über schätzungsweise rund 1000 Tonnen Chemiewaffen. Mitte des kommenden Jahres sollen gemäss der UNO-Resolution sämtliche Chemiewaffen aus Syrien entfernt worden sein.

Die Schweiz hat nicht nur Experten für die Mission, sondern auch die Dienstleistungen des Labors angeboten. Auch dafür ist laut dem Institut des Bundes keine Anfrage eingegangen. Zudem hat das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) der OPCW einen Sofortbeitrag von einer Million Franken zugesprochen.

Was für Bedürfnisse die OPCW für ihre Syrien-Mission hat, dürfte diese Woche mitgeteilt werden: Das Exekutivkomitee der Organisation wird sich in Den Haag in den Niederlanden treffen.

SDA/wid

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch