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Werden die USA das neue Saudiarabien?

Die USA könnten vom grössten Energieimporteur der Welt zu einem Exporteur von Öl und Gas werden. Was das bedeuten würde, hat der deutsche Bundesnachrichtendienst in einer vertraulichen Studie untersucht.

Belastet die Umwelt schwer: Fracking-Anlage in Michigan. (Archivbild)
Belastet die Umwelt schwer: Fracking-Anlage in Michigan. (Archivbild)
Heather Rousseau, Keystone

Die USA sitzen auf einem Schatz, der nur noch gehoben werden muss, um die Welt zu verändern: Riesige Schiefergas- und Ölvorkommen, die durch die umstrittene Technik des Frackings gewonnen werden können. Eine vertrauliche und nun durch die Nachrichtenagentur Reuters an die Öffentlichkeit gelangte Studie des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) geht davon aus, dass sich die USA dank den entdeckten Ressourcen bis 2020 vom grössten Energieimporteur in den weltweit grössten Energieexporteur verwandeln könnten.

Dadurch würde sich unter anderem das globale Machtgefüge zwischen der arrivierten Supermacht USA und dem aufstrebenden China und vor allem auch die Situation im Nahen Osten deutlich wandeln, schreiben die Autoren. Zwar erwarten Experten seit langem bedeutende Veränderungen auf dem globalen Energiemarkt – doch werden in den meisten Studien zum Thema finanzielle wie geostrategische Folgen eher ausgeklammert.

Ziehen sich die USA aus dem Nahen Osten zurück?

Die BND-Experten gehen nun also einen Schritt weiter. Sie gehen offenbar davon aus, dass sich die USA bisher unter anderem deshalb politisch und militärisch so stark im Nahen und Mittleren Osten engagieren, weil ihr globaler Einfluss von den Energielieferungen aus den Golfstaaten abhängig ist. In Zukunft könnten die Vereinigten Staaten jedoch ganz auf Lieferungen aus der Region verzichten, heisst es.

Die Handlungsfreiheit der USA in der Region würde sich dadurch wohl vergrössern – was sich insbesondere auf das Verhältnis mit dem Iran auswirken dürfte. So wäre die Regierung in Washington weit weniger anfällig für eine iranische Sperrung der Strasse von Hormus, als sie es noch heute ist. Sie könnte den Druck auf Teheran im Atomstreit erhöhen.

Zu den grossen Verlierern des Wandels wird vor allem China gezählt. Das Reich der Mitte werde mit seinem Rohstoffbedarf künftig wohl die Hälfte des arabischen Öls beziehen. Damit einherginge nicht nur eine grosse Abhängigkeit von der Golfregion, sondern auch kaum lösbare Versorgungsschwierigkeiten. Der globale Ressourcenhandel sei in der heutigen Form nur möglich, weil die USA mit ihrer global eingesetzten Flotte die Transportwege schützen. Dazu sei die chinesische Marine bei einem etwaigen Rückzug der US-Amerikaner jedoch noch nicht in der Lage, schreiben die Autoren.

EU-Länder profitieren

Auch die Opec-Länder werden sich anpassen müssen. Deren Marktmacht werde nämlich deutlich sinken, wenn sich die USA zum weltweit grössten Ölförderer verwandelten, schreiben die Experten. Russland als einer der Hauptlieferanten für Europa müsse mit neuer, starker Konkurrenz rechnen. So könnten die EU-Länder in Zukunft fossile Rohstoffe zu einem günstigeren Preis auch aus Fördernationen beziehen, welche bisher vor allem die USA beliefern. Dazu gehört unter anderem Nigeria.

Die Welt- und insbesondere die US-Wirtschaft werden durch die Umwälzungen auf dem weltweiten Energiemarkt wohl profitieren. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten könnten über drei Millionen Arbeitsplätze als Folge des Wandels entstehen. Dank sinkenden Strompreisen würden die USA nämlich wieder für stromintensivere Branchen attraktiv. Der BND erwartet, dass Washington die Chance erhält, durch die Energiereserven ihr riesiges Handels- und Leistungsdefizit wieder in den Griff zu bekommen.

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