Tesla-Fahrer stirbt bei Unfall mit Autopilot

In Florida kam es zu einer Kollision zwischen einem Sattelzug und einem selbstfahrenden Auto. Weder der Fahrer noch der Autopilot des Tesla-Sportwagens sahen das Unglück kommen.

Massnahme nach dem tödlichen Unfall: Die Sicherheitsbehörde für den Verkehr auf Schnellstrassen in den USA untersucht, derzeit 25.000 Fahrzeuge des Elektroautoherstellers Tesla. (Quelle: Reuters)

Bei einer Fahrt mit der Autopilot-Funktion eines Tesla-Elektroautos ist erstmals ein Fahrer ums Leben gekommen. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA habe eine vorläufige Prüfung in der Angelegenheit eingeleitet, teilte Tesla am Donnerstag mit.

Das Unternehmen sprach von einem «tragischen Verlust». Es handle sich um den «ersten bekannt gewordenen Todesfall» bei einer Fahrt mit dem Autopiloten, der das Fahrzeug automatisch ohne Zutun des Fahrers durch den Verkehr steuern soll. Laut NHTSA betrifft die vorläufige Untersuchung etwa 25'000 Tesla Model S des Modelljahres 2015.

Der Hersteller betonte, dass Tesla-Fahrzeuge bislang schon mehr als 200 Millionen Kilometer auf Autopilot zurückgelegt hätten, ohne dass es zu einem tödlichen Unfall gekommen sei. Im Durchschnitt aller Fahrzeuge in den USA komme ein tödlicher Unfall auf 145 Millionen gefahrene Kilometer, im weltweiten Massstab auf 95 Millionen Kilometer.

Unfall ereignete sich im Mai

Der Unfall ereignete sich nach NHTSA-Angaben bereits im Mai, wurde aber erst jetzt offiziell bestätigt. Vorläufige Ermittlungen deuten laut NHTSA darauf hin, dass es zu dem Unfall kam, nachdem ein Sattelzug an der Kreuzung eines Highways in der Ortschaft Williston vor dem selbstfahrenden Auto links abgebogen war. Eine Ampel gab es demnach an der Abbiegung nicht. Der Tesla-Fahrer starb an seinen Unfallverletzungen. Williston liegt südwestlich von Gainesville im US-Staat Florida.

Tesla teilte auf seiner Webseite mit, weder der Fahrer noch die Sensoren des Autopiloten hätten den Sattelzug bemerkt. Möglicherweise habe der Autopilot die weiss gestrichene Seite des Lkw nicht von dem taghellen Himmel dahinter unterscheiden können; die Bremsfunktion sei jedenfalls nicht ausgelöst worden.

Der Tesla sei dann seitlich in den Lkw gefahren, wobei seine Windschutzscheibe eingedrückt worden sei. Hätte sich das selbstfahrende Auto von vorne oder von hinten dem Lkw genähert, hätte sein eingebautes «Unfallvorbeugungssystems wahrscheinlich ernstere Verletzungen verhindert», hiess es in der Erklärung des Unternehmens.

Die Prüfung der Verkehrssicherheitsbehörde hat zunächst nur vorläufigen Charakter habe. Ziel sei es festzustellen, ob das technische System planmässig funktioniert habe.

Harry Potter geschaut?

Der 62 Jahre alte Fahrer und Besitzer des Lastwagens sagte, der Mann hinter dem Lenkrad des Unglückswagens habe zum Unfallzeitpunkt einen Harry-Potter-Film auf dem Fernsehbildschirm geschaut und sei sehr schnell unterwegs gewesen. Tesla erklärte jedoch, dass es nicht möglich sei, Videos auf dem Touchscreen des Modells S abzuspielen.

Der Tote war ein früherer langjähriger Navy Seal und Gründer einer IT-Firma. Im April noch hatte er das Autopilotsystem gelobt, nachdem es nach seinen Angaben einen Unfall mit einem Lastwagen auf einer Schnellstrasse verhindert hatte. Er stellte damals ein Video von dem Vorfall online. Der Tesla S sei «das beste Auto, das ich jemals besessen habe», schrieb er.

Hände niemals vom Steuer nehmen

Tesla betonte, dass es sich bei dem Autopilot-System um eine neue Technologie in der sogenannten Beta-Phase handele, die in der Grundeinstellung ausgeschaltet sei. Fahrer würden beim Einsatz des Programms ausdrücklich aufgefordert, die Hände niemals vom Steuer zu nehmen und die Kontrolle und Verantwortung über das Fahrzeug zu behalten.

Tesla versucht derzeit, sich von einem Nischenanbieter für hochpreisige Elektroautos zu einem Hersteller für breitere Bevölkerungskreise zu entwickeln. Bis 2018 will der Konzern insgesamt 500'000 Autos pro Jahr bauen.

chk/sda/AP/AFP

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