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Panik wegen zwei Raumschiffen

Vor 50 Jahren schreckten die Sowjets den Westen mit einem Gruppenflug zweier Wostok-Raumschiffe auf. Kurz darauf aber zeigte sich: Alles war nur ein politischer Bluff.

Der sowjetische Regierungschef Chruschtschow verlangte immer neue spektakuläre Leistungen im Weltraum, die sich propagandistisch ausschlachten liessen.
Der sowjetische Regierungschef Chruschtschow verlangte immer neue spektakuläre Leistungen im Weltraum, die sich propagandistisch ausschlachten liessen.
Keystone
Einen Tag später folgte ihm Pawel Popowitsch mit «Wostok 4».
Einen Tag später folgte ihm Pawel Popowitsch mit «Wostok 4».
wikipedia
...das erste maövrierfähige sowjetische Raumschiff hiess Sojus und hatte erst im April 1967 Premiere.
...das erste maövrierfähige sowjetische Raumschiff hiess Sojus und hatte erst im April 1967 Premiere.
Nasa
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Vor 50 Jahren hat die damalige Sowjetunion mit einer kosmischen Spitzenleistung Furore gemacht, die als erster Gruppenflug zweier Raumschiffe in die Geschichte einging. Damals startete der Kosmonaut Andrijan Nikolajew mit Wostok 3 vom Kosmodrom Baikonur ins All, und einen Tag später folgte ihm sein Freund Pawel Popowitsch mit Wostok 4. Am 15. August kehrten die Himmelsbrüder im Doppelpack wieder wohlbehalten zur Erde zurück.

Der Kreml verkaufte das Ereignis als neue sozialistische Errungenschaft und Beweis für seine Überlegenheit bei der Eroberung des Alls. Dabei setzte er ganz bewusst darauf, den Westen in die Irre zu führen.

USA fürchteten sich vor dem «Klassenfeind»

Vor allem die USA nahmen die Nachricht mit grosser Sorge auf. Denn der Gruppenflug suggerierte, dass die Sowjets nunmehr über steuerbare Raumschiffe verfügten, die notfalls auch an denen des «Klassenfeindes» andocken und diese kapern könnten.

Doch diese Befürchtung war absolut unbegründet. Die Wostok-Schiffe liessen sich mitnichten aktiv steuern. Nikolajew und Popowitsch waren wie ihre Vorgänger Juri Gagarin und German Titow auch nur Passagiere an Bord. Das erste manövrierfähige sowjetische Raumschiff hiess Sojus und hatte erst im April 1967 Premiere.

Im Abstand der Jahre erwies sich der Gruppenflug vor allem als ein grosser politischer Bluff. Auslöser war Nikita Chruschtschow. Der umtriebige Partei- und Regierungschef verlangte immer neue spektakuläre Leistungen im Weltraum, die sich so richtig propagandistisch ausschlachten liessen.

Ein Geniestreich Koroljows

Und so musste sich Chefkonstrukteur Sergej Koroljow etwas einfallen lassen. Da ihm wenig Zeit blieb, prinzipiell Neues zu schaffen, griff er zu einer taktischen List, wie die Russen sagen, und startete eben im Tagesabstand zwei Raumschiffe.

Ungeachtet aller politischen Tricksereien ist und bleibt die Tatsache, dass damals erstmals zwei Menschen in unterschiedlichen Raumschiffen zur selben Zeit im All unterwegs waren, einer der Geniestreiche Koroljows.

Zudem tun sich hier Parallelen zum Flug von Sputnik 2 mit der Hündin Laika auf, der 1957 unter ähnlichen Umständen im Schnellverfahren organisiert wurde. Der Gruppen- oder Doppelflug, der im Juni 1963 von Waleri Bykowski und Walentina Tereschkowa wiederholt wurde, war auf alle Fälle ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Starttechnik und Bahnmechanik für künftige Annäherungs- und Kopplungsmanöver. Immerhin wurden Wostok 3 und Wostok 4 so präzise auf ihre Umlaufbahn geschossen, dass sie die Erde zeitweise im Abstand von nur fünf bis sechs Kilometern umkreisten, bevor sie wieder auseinanderdrifteten.

dapd/fko

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