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Der Strom für Elektroautos verursacht kein zusätzliches CO2

Wenn ein Kohlekraftwerk für das Laden von Batterien eine Tonne CO2 mehr produziert, muss diese Emissionsmenge anderswo eingespart werden.

Wirklich klimafreundlich: Elektrotankstelle in Zürich. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Wirklich klimafreundlich: Elektrotankstelle in Zürich. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die Vor- und Nachteile von Elektroautos werden heiss debattiert. Die Gegner der Elektromobilität führen zwei Hauptargumente ins Feld: ­Erstens verbraucht die Herstellung von Batterien, wie sie in Elektroautos verwendet werden, Energie und knappe Rohstoffe. Und zweitens kommt die zusätzliche Kilowattstunde für das Laden der Batterie oft aus einem fossilen Kraftwerk. Wenn dies ein Kohlekraftwerk ist, sind die Emissionen pro Kilometer Elektromobilität möglicherweise sogar höher als mit einem Verbrennungsmotor.

Das erste Argument ist richtig. Wie hoch die graue Energie in der Herstellung und wie nachhaltig die verwendeten Stoffe sind, hängt von der Bauart und der Lebensdauer der Batterie und der Wiederverwendbarkeit der Materialien ab. Das verlangt nach einer regelmässigen Überprüfung mit den neusten Technologien, ist hier aber nicht das Thema.

Das zweite Argument beginnt richtig, endet aber falsch. Es stimmt zwar, dass die sogenannte Grenz-Kilowattstunde in der Schweiz während vieler Stunden des Jahres aus einem fossilen Kraftwerk in Europa stammt (meistens aus Deutschland). Wenn wir in der Schweiz ein zusätzliches Benzinauto mit einem Elektrofahrzeug ersetzen und alle anderen Faktoren konstant halten, wird tatsächlich mehr Strom aus fossilen Quellen generiert. Dies führt aber eben nicht zu höheren Gesamtemissionen.

Innerhalb eines «Cap and trade»-Systems kann man die Emissionen nur verlagern.

Der Grund dafür ist das EU-Emissionshandelssystem (EU EHS). In diesem sogenannten «Cap and trade»-System ist die Gesamtmenge an Treibhausgasemissionen begrenzt. Neben der Schwerindustrie sind alle fossilen Stromkraftwerke in Europa im EU EHS eingebunden. Die Firmen im EU EHS müssen für jede Tonne CO2, welche sie im Vorjahr ausgestossen haben, ein Zertifikat abliefern. Zertifikate erhalten sie gratis vom Staat und / oder kaufen sie auf dem Markt. Der zentrale Punkt ist, dass die Anzahl an Zertifikaten fixiert ist, und daher die Gesamtmenge an Emissionen. Firma A kann nur mehr ausstossen, wenn Firma B weniger emittiert, und umgekehrt. Man kann innerhalb eines «Cap and trade»-Systems die Emissionen nicht erhöhen, nur verlagern.

Im Klartext: Wenn ein Kohlekraftwerk für das Laden von Elektroautos eine Tonne CO2 mehr produziert, muss diese Emissionsmenge anderswo im EU EHS eingespart werden. Wenn wir ein Auto mit Verbrennungsmotor mit einem Elektroauto ersetzen, reduzieren wir die Emissionen, welche das herkömmliche Auto ausgestossen hätte. Und zwar, ohne zusätzliche Emissionen durch den Betrieb des Elektroautos zu generieren. Egal, woher der Strom kommt!

Das EU EHS ist nicht zu verwechseln mit Kompensationsmassnahmen im fernen Ausland, über welche man geteilter Meinung sein kann. Und obwohl es durchaus Probleme gibt im EU EHS, welche uns Umweltökonomen auf Trab halten, funktioniert das Grundprinzip einwandfrei: Die ­Emissionen im EU EHS sind nicht höher als das Cap. Seit diesem Jahr ist die Schweiz übrigens auch Teil dieses Systems.

Jedes zusätzliche Elektroauto reduziert die Emissionen auf der Strasse, ohne sie anderswo zu erhöhen.

Wenn alle Sektoren gleich behandelt würden wie die Firmen im EU EHS, könnten wir das Ziel der Emissionsneutralität mit nur leichten Zusatz­anstrengungen erreichen. Die erlaubte Emissionsmenge im EU EHS sinkt jedes Jahr um einen bestimmten Prozentsatz. Mit der momentanen Absenkrate von 2,2 Prozent sind wir im Jahr 2060 bei null.

Wenn die Rate auf 3 Prozent erhöht würde, wäre die Nullgrenze schon im Jahr 2050 erreicht. Insbesondere im Verkehrssektor sind wir aber weit von den Zielen der Energiestrategie ­entfernt. Deshalb ist es wichtig, zu realisieren: Jedes zusätzliche Elektroauto reduziert die Emissionen auf der Strasse, ohne sie anderswo zu ­erhöhen. Darauf lässt sich aufbauen.

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