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Der Assistent im Hemd

Forscher der ETH Lausanne tüfteln an Sensoren, die einst in Pullovern und Hemden eingenäht unsere Gesundheit überwachen sollen. Doch das ambitiöse Projekt hat noch einige Hürden zu überwinden.

Sollen uns in Zukunft nicht mehr nur kleiden: Hemden in der Herrenabteilung des Globus Zürich. (Archivbild)
Sollen uns in Zukunft nicht mehr nur kleiden: Hemden in der Herrenabteilung des Globus Zürich. (Archivbild)
Keystone

Das Forschungsprojekt trägt den klingenden Namen Guardian Angels, zu Deutsch Schutzengel. Und so vielversprechend sein Name, so futuristisch mutet auch das Vorhaben hinter dem Titel an.

Die Initianten des Projekts wollen Sensoren entwickeln, die, so berichtet «Die Zeit online», in Zukunft in Kleidern eingenäht die Menschen unterstützen und beschützen sollen. Adrian Ionescu, Halbleiterphysiker an der ETH Lausanne, beschreibt sie gegenüber der Zeitung als «schlaue, autonome, energieautarke persönliche Assistenten».

EU-Fördergelder

Mit dem Konzept dieser digitalen Schutzengel nimmt das Team um Ionescu an der Flaggschiff-Initiative der EU-Kommission teil. Das Programm will laut der «Zeit» zwei visionäre Projekte aus der Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützen.

Im März dieses Jahres wurden in der Ausscheidung aus 26 Forschungsgruppen bereits die sechs Finalisten ausgewählt, aus welchen im Mai 2012 die zwei Gewinner der Initiative gekrönt werden. Laut der Zeitung wartet auf diese eine Projektfinanzierung von rund 110'000 Franken.

Begleiter in allen Lebenslagen

Die Vision der Forscher sieht vor, dass die Sensoren in Hemden oder Pullovern eingenäht Personen überallhin begleiten, berichtet «Die Zeit». Von dort sollen sie Vitalfunktionen wie Puls und Blutdruck aufzeichnen und bei gefährdenden Veränderungen automatisch den Hausarzt alarmieren.

Die digitalen Helfer sollen aber auch untereinander kommunizieren können. So könnten sie beispielsweise in Schultaschen eingearbeitet Autofahrer vor Kindern am Strassenrand warnen.

Gegenüber der Zeitung schwärmt Adrian Ionescu: «Unsere Technologie wird den Menschen von der Kindheit bis ins hohe Alter vor komplexen oder gefährlichen Situationen bewahren.»

Technologische Knacknuss

Bis es so weit ist, hat das ambitionierte Projekt aber noch einige Hürden zu überwinden. Ähnliche Forschungsideen, wie etwa Intels Beschleunigungssensoren, welche die Bewegungen einer Person analysieren, zeigen laut der «Zeit online» die technologischen Grenzen auf: Die Messfühler verbrauchen viel Energie und verfügen über eine limitierte Übertragungsreichweite.

Besonders die Stromversorgung gehört dann auch zu den primären Fokussen der Forscher um das Projekt Guardian Angels. Denn, wer will schon nebst seinem ganzen elektronischen Equipment auch noch seine Kleider an die Ladestation hängen müssen?

Stattdessen sollen sich die Sensoren eigenständig mit Energie versorgen, über Bewegung, Sonnenlicht oder gar Wärmeunterschiede.

Hoher Verbrauch

Obwohl es, wie die Zeitung berichtet, bereits Ansätze für solche Technologien gibt, ist deren Energiegewinn im Verhältnis zum Verbrauch der heutigen Elektronik noch viel zu gering. Adrian Ionescu: «Verbrauch und Stromerzeugung liegen heute etwa um den Faktor 100'000 auseinander.»

Mögliche Lösungen für das Problem, wie etwa die energiesparenden Nanodrähte von IBM, sind jedoch noch Zukunftsmusik. So räumt auch Physiker Ionescu gegenüber der «Zeit» ein, dass im Zentrum des Projektes auch primär die Wissenschaft des extrem niedrigen Energieverbrauchs stehen werde. Grundlagenforschung also, in einer attraktiven Verpackung.

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