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China und die USA buhlen um grösstes Solarprojekt der Welt

Mehrere Solarfirmen und Staaten wollen Solarkraftwerke und Windparks in der Wüste Nordafrikas bauen. Zwei Firmen aus den USA und China streben eine Beteiligung an. Die europäischen Gesellschafter sind kritisch.

kpn
Sonnenenergie im grossen Stil: Solarkraftwerk in der Mojave-Wüeste in Kalifornien.
Sonnenenergie im grossen Stil: Solarkraftwerk in der Mojave-Wüeste in Kalifornien.
Keystone
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Das von europäischen und nordafrikanischen Ländern betriebene Wüstenstromprojekt Desertec weckt weltweit Interesse. Ein Sprecher der Planungsfirma Desertec Industrial Initiative (Dii) bestätigte, dass sowohl ein chinesisches Unternehmen als auch ein Unternehmen aus den USA Gesellschafter der Dii werden wollen.

Dii-Sprecher Klaus Schmidtke zufolge führt die Desertec-Planungsfirma Gespräche über eine Beteiligung mit der State Grid Corporation of China (SGCC) und dem US-Solartechnikhersteller First Solar. Ob es zu einem Einstieg komme, stehe aber noch nicht fest. Die Entscheidung liege bei den Gesellschaftern, die am Mittwoch an der Jahrestagung von Desertec darüber verhandeln werden.

500-Milliarden-Projekt

Das Wüstenstrom-Projekt Desertec war Ende 2009 an den Start gegangen und gilt als das derzeit ehrgeizigste Infrastrukturprojekt der Welt mit notwendigen Investitionen in Höhe von umgerechnet rund 500 Milliarden Franken. Bis 2050 sollen in Nordafrika und im Nahen Osten grosse Solarkraftwerke und Windparks entstehen, um einen grossen Teil des örtlichen und auch Teile des europäischen Stromverbrauchs zu decken. Das Desertec-Projekt könnte nach den Worten seines Chefs Paul van Son aber schon in zwei Jahren damit Beginnen, Energie zu erzeugen.

Zu den bisher 21 Gesellschaftern der Planungsfirma, die im Vorfeld von möglichen Baumassnahmen die Chancen für eine Realisierung auslotet, gehören zahlreiche namhafte Konzerne, darunter die ABB, die Münchner Rückversicherung, die Deutsche Bank, Eon und RWE. Weiter sind über 30 Firmen als assoziierte Partner an Desertec beteiligt. Diese verfügen über eine geringere finanzielle Einlage und über weniger Einfluss als die Gesellschafter.

Nebst diesen Unternehmen sind aber auch einzelne Staaten am Projekt interessiert. Wie das Online-Magazin «Wallstreet-online» schreibt, beteiligen sich 15 Länder an Desertec. Derzeit würden Deutschland, Frankreich, Italien, Marokko und Spanien über ein Abkommen verhandeln, dass dereinst den Import des Ökostroms aus Nordafrika regeln soll.

Chinesischer Riese und kränkelnde US-Firma

Stiege SGCC bei Desertec ein, wäre die chinesische Firma eines der Schwergewichte unter den Partnern. Laut der «Financial Times Deutschland» zählt das Unternehmen mit gut 1,5 Millionen Beschäftigten und rund 188 Milliarden Franken Jahresumsatz zu den weltgrössten Konzernen. Schon Anfangs Jahr hatte das Unternehmen sein Interesse am europäischen Markt gezeigt: Die Chinesen stiegen beim portugiesischen Netzbetreiber REN mit einer 25-Prozent-Beteiligung ein.

Beim US-Unternehmen First Solar wiederum handelt es sich um einen Spezialisten für grosse Fotovoltaikanlagen. Die Firma leidet zurzeit jedoch unter der Branchenkrise, so die Zeitung. Im dritten Quartal 2012 sei der Gewinn pro Aktie auf unter die Hälfte des Vorjahreswerts gefallen. Ein Werk in Frankfurt an der Oder schliesst First Solar Ende Jahr – 1200 Arbeitsplätze gehen verloren. Anders als die SGCC ist First Solar bereits ein assoziierter Partner der Desertec Industrial Initiative - hat also engere Verbindungen zu dem Unternehmensnetzwerk.

Skepsis über Vorstoss

Nach Angaben der «Financial Times Deutschland» ist der Vorstoss Chinas bei den Partnerunternehmen umstritten. Damit wachse die Wahrscheinlichkeit, dass künftige Grossaufträge an Firmen ausserhalb des Desertec-Gebietes in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten gingen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Gesellschafterkreise.

Das Verhältnis zwischen Solarfirmen der EU und China ist generell seit einiger Zeit massiv angespannt. Ende Juli hatten 25 europäische Fotovoltaik-Hersteller bei der EU-Kommission Handelsbeschwerde eingereicht, um ein Antidumpingverfahren gegen China wegen angeblich illegaler Subventionen für die Solarindustrie zu erreichen. Auch die USA liegen bei der Solarenergie mit Peking im Clinch und haben Strafzölle eingeführt.

Peking wiederum hat heute bei der Welthandelsorganisation (WTO) Beschwerde eingereicht. China fordere, die Subventionspraxis einiger EU-Staaten zu prüfen, sagte Shen Danyang, Sprecher des Handelsministeriums, in Peking.

Ihm zufolge soll es Länder geben, die Solarenergie subventionieren, wenn sie aus Anlagen stammt, deren Hauptbestandteile in Europa produziert wurden. Dies «schadet Chinas Fotovoltaik-Exporten ernsthaft», sagte Shen. Er erwähnte nicht, welche EU-Länder gemeint sind. Nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua handelt es sich um Italien und Griechenland.

Siemens steigt aus

Das Projekt Desertec sorgte bereits vor einigen Tagen für Schlagzeilen, als Gesellschafter Siemens bekannt gab, zum Jahresende seine dreijährige Mitgliedschaft dann «regulär» auslaufen zu lassen. Der Rückzug aus dem Desertec-Planungsstab steht laut dem Unternehmen aber nicht im Zusammenhang mit der Trennung des Unternehmens von seiner Solarsparte. Siemens könne von Windparks über Stromautobahnen bis hin zur Steuerung solch komplexer Anlagen auch weiterhin ein Technologiepartner sein, erklärte der Sprecher.

Einen Bericht der «FTD», wonach Siemens mit dem Ausstieg aus dem Solargeschäft weitere Belastungen von 300 Millionen Franken verbuchen müsse, wollte der Konzern vor der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag nicht kommentieren. Die «FTD» berichtete unter Berufung auf Insiderschätzungen, dass die Solarsparte den Konzern seit 2009 fast eine Milliarde Franken gekostet habe. Siemens hatte seinen Ausstieg aus dem Solargeschäft vor zwei Wochen bekanntgegeben.

(mit Material von dapd/sda)

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