So funktioniert die neue Warn-App der SBB

Die Warn-App der SBB überprüft beim Anfahren des Zuges, ob die Fahrt tatsächlich freigegeben ist. Wenn nicht, gibt es im Führerstand Warnton und «Halt»-Meldung.

«HALT»-Meldung auf dem iPad: Manfred Haller, Leiter Zugförderung bei den SBB erklärt die neue App. (Video: Lea Koch und Thomas Egli)

Wenn ein SBB-Lokomotivführer in einem Bahnhof trotz Rotlicht anfahren will, so erscheint auf seinem iPad im Führerstand neu eine akustische und visuelle Warnung. Die SBB will mit der selbst entwickelten Warn-App die Sicherheit bei der Bahnhofausfahrt erhöhen.

Der Lokomotivführer erhalte zusätzliche Unterstützung und die Risiken könnten reduziert werden, sagte Manfred Haller, Leiter Zugführung SBB Personenverkehr, am Mittwoch vor den Medien im Bahnhof Olten. Die Warn-App ist seit August in Betrieb.

Sämtliche Fahrdaten auf iPad

Bereits seit zwei Jahren hat ein SBB-Lokführer auf dem iPad im Führerstand sämtliche Fahrdaten des Zuges geladen. Dazu gehören Angaben zu den Geschwindigkeiten, Fahrplanzeiten und Infrastrukturdaten.

Der Zug ist mit einer Nummer in der Betriebszentrale angemeldet. Diese weiss, auf welchem Gleis der Zug im Bahnhof steht - und sie weiss auch, wie das Abfahrtsignal gestellt ist.

Nochmals genau hinschauen Die von den SBB-Informatikern selbst entwickelte Warn-App vergleicht nun diese beiden vorhandenen Angaben. Der Bewegungssensor im iPad erkennt, ob sich dieses bewegt. Die App überprüft beim Anfahren des Zuges im Bahnhof, ob die Fahrt im Zugnummersystem tatsächlich freigegeben ist.

Wenn das nicht der Fall ist, macht die App den Lokführer mit einem Warnton und mit einer grossen «Halt»-Meldung auf die Situation aufmerksam. Der Lokführer soll gemäss SBB im Zweifelsfall nochmals genau hinzuschauen - und handeln.

Unfallursache: Rotlicht missachtet

Das Missachten eines Rotlichts bei der Bahnhofausfahrt führte wiederholt zu Zugunfällen. Im Februar dieses Jahr kam es im Bahnhof Rafz ZH zu einer Streifkollision, weil einer der beiden Lokführer ein Rotlicht überfahren hatte.

Auch die Zugkollision in Granges-Marnand VD im Juli 2013 mit einem toten Lokführer und 26 Verletzten war auf das Missachten eines Haltesignals im Bahnhof zurückzuführen. Die gleiche Ursache war der Grund für das Zugunglück im Januar 2013 in Neuhausen am Rheinfall SH.

Sicherheitskultur stärken

Die Warn-App ist gemäss SBB kein Zugssicherungssystem. Sie greift nicht ins Geschehen ein und leitet keine Bremsung der Lokomotive aus. Das Warn-App-System funktioniert einzig im Bahnhof und nicht auf offener Strecke.

Die Entwicklung der App dauerte zwei Jahre und kostete 1,5 Millionen Franken. Andere Bahnen wie die BLS können die App nicht nutzen, weil sie im Lokführerstand keinen iPad verwenden.

Gemäss Haller erfolgt eine Warnmeldung auf die App innerhalb von einer bis zu drei Sekunden. Mit der App wolle die SBB die Sicherheitskultur weiter stärken. Es gehe jedoch nicht darum, die Lokführer zu kontrollieren. Das sei mit dem Sozialpartnern so abgemacht.

kko/sda

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