Mini-Helikopter flicken Mobilfunknetz

Nach Erdbeben, Stürmen, Flutkatastrophen oder terroristischen Anschlägen wird dei zusammengebrochene Mobilfunkkommunikation schnell wiederhergestellt. Mit kleinen Helikoptern.

Kann auch Schwerverletzte orten: Quadrocopter.

Kann auch Schwerverletzte orten: Quadrocopter.

(Bild: Keystone)

Wie ein übergrosses Insekt hebt sich der Minihubschrauber leise surrend vom Rasen. Er dreht einige Runden auf dem Campus-Rasen der Technischen Universität Ilmenau in Deutschland, bevor er wieder zum Landeanflug ansetzt. Heftige Windböen zwingen das kaum 900 Gramm schwere Gerät zu abenteuerlichen Flugmanövern. Noch stehen die Wissenschaftler bei der Entwicklung ihres Quadrocopters ganz am Anfang. Doch in einigen Jahren könnten die Minis in Katastrophenfällen wertvolle Hilfe leisten.

«Nach Erdbeben, Stürmen, Flutkatastrophen oder terroristischen Anschlägen werden sie die zusammengebrochene Mobilfunkkommunikation schnell wiederherstellen», sagt Projektleiter Tobias Simon. Das Besondere an der neuen Technologie: Sie wird autonom, ohne menschliches Zutun, arbeiten.

Fantasie der Wissenschaftler beflügelt

Die «selbstorganisierenden Mobilkommunikationssysteme» sollen später automatisch erkennen, dass das Funknetz im Katastrophengebiet zusammengebrochen ist. «Umgehend und eigenständig wird es das schadhafte Netz reparieren», erklärt der Informatiker Simon. Dazu bauen acht wendige Quadrocopter eine Luftbrücke, die als mobile Kommunikationsplattform dient. Durch eine neue W-LAN-Verbindung könnte die Verständigung der Einsatzkräfte in kurzer Zeit wieder möglich sein.

Doch das 80 Zentimeter grosse Flugobjekt, bestehend aus zwei Metallstäben, vier Rotorblättern und vollgepackt mit jeder Menge Technik, beflügelt die Fantasie der Wissenschaftler noch weiter. So könnten auch Schwerverletzte in unübersichtlichen Gebirgsregionen oder engen Strassenschluchten geortet werden. Gedacht ist die neue Technik vor allem für Katastrophendienste oder die Feuerwehr. Auch die Bundeswehr könnte an den etwa 1000 Euro teuren Geräten interessiert sein, sagt Simon.

Acht Quadrocopter für eine Luftbrücke

Vier dieser Quadracopter haben die Ilmenauer Wissenschaftler um Professor Andreas Mitschele-Thiel in den vergangenen zwei Jahren gebaut. Vier weitere sollen so schnell wie möglich noch hinzukommen, damit der «Schwarm» komplett ist, sagt Simon. Acht Quadrocopter sind nötig, um eine Luftbrücke zu installieren.

Um die Forschung zu intensivieren, wurde ein Graduiertenkolleg eingerichtet. 28 Doktoranden aus zehn Ländern werden sich in den nächsten viereinhalb Jahren mit den selbstorganisierenden Mobilkommunikationssystemen beschäftigen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt über diese Zeit mit 6,5 Millionen Euro. Für Schülerinnen, die sich mit der neuen Technik vertraut machen wollen, ist in den Sommerferien ein einwöchiges «Quadrocopter Girls Camp» geplant.

Bis zu 100 Meter Abstand

Noch wird der Quadrocopter von Tobias Simon per Fernbedienung in die Luft geschickt und wieder herunter geholt. Später soll er Start und Landung automatisch hinbekommen. Noch machen ihm wechselnde Windböen arg zu schaffen. Später soll er sogar bei Windstärke 7 manövrieren können. Die Navigation wird per GPS gesteuert.

Ein integrierter Rechner verarbeitet in Sekundenbruchteilen eingehende Signale. Antennen geben die Informationen weiter und gewährleisten die Verständigung der Hubschrauber untereinander. Sie können in bis zu 100 Meter Abstand voneinander fliegen. Der Lithium-Hochleistungs-Akku reicht für einen rund 20-minütigen Flug. In dieser Zeit müssen sich die Fluggeräte einen optimalen Landeplatz auf einem Gebäude suchen. Von dort aus bauen sie die lebenswichtige Funkverbindung auf.

sam/dapd

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