«Ich kann mich nicht an ein vergleichbares Massensterben erinnern»

Das Vogelsterben von Arkansas in den USA an Silvester gibt weiter Rätsel auf. Eine Schweizer Expertin erklärt, weshalb plötzlich tausende Vögel vom Himmel fallen können.

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Martin Sturzenegger@Marsjournal

Im US-Bundesstaat Arkansas ist es in der Silvesternacht zu einem mysteriösen Vogelsterben gekommen. Tausende Tiere, vorwiegend Rotschulterstärlinge, fielen kurz vor Mitternacht auf die Strassen der Kleinstadt Beebe. Der TV-Sender CNN schätzt 4000 bis 5000 Vogelkadaver – verteilt auf einer Fläche von zwei Quadratkilometern. «Ich kann mich nicht an ein vergleichbares Massensterben erinnern», sagt Christa Glauser, stellvertretende Geschäftsführerin des Schweizer Vogelschutzes (SVS) gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz.

Medien rund um den Erdball berichteten über den Vorfall. Die Behörden haben heute mit der Untersuchung der Vögel begonnen. In verschiedenen Laboren würde nun nach der Todesursache gefahndet, teilt die Jagd- und Fischerei-Behörde von Arkansas mit. Erste Ergebnisse erwarte man in einer Woche.

Die hohe Anzahl der toten Vögel erstaunt Experten weltweit. Dabei kämen solche Massentodesfälle regelmässig vor, so Vogelexpertin Glauser. Über die Ursache könne man meistens nur spekulieren. Beim Fall in Arkansas sind zwei Szenarien wahrscheinlich: Entweder die Vögel flogen in ein Unwetter mit starkem Hagelschlag, oder sie starben an Erschöpfung.

Vögel, die sich zu Tode fliegen

«Vögel können sich zu Tode fliegen», sagt Ornithologin Christa Glauser. Das geschehe vor allem bei gewissen Wetterlagen. Etwa dann, wenn es neblig ist und eine Lichtquelle die Vögel verwirrt. «Ein Hochhaus oder eine beleuchtete Kirche können schon genügen», sagt Glauser. Die Vögel würden wie durch einen Sog von diesem Licht angezogen. Sie kämen nicht mehr heraus und sehen keinen Ausweg mehr. Bis zur vollständigen Erschöpfung.

Andere Todesursachen wie Feuerwerk oder eine Vergiftung hält Glauser im Fall von Arkansas für unwahrscheinlich. «Bei einer Vergiftung kommt es in der Regel zu starken Verrrenkungen des Körpers. Die Spuren einer Vergiftung sind sichtbar.» Bei den verstorbenen Tieren sind nach ersten Angaben keinerlei Spuren sichtbar. CNN berichtet: «Was auch immer den Tieren zugestossen ist, es ging schnell.»

Bereits in der Vergangenheit waren Vögel in Arkansas tot vom Himmel gefallen. 2001 wurden in der Nähe der Stadt Hot Springs mehrere Enten im Flug vom Blitz erschlagen. Schwerer Hagel tötete 1973 zahlreiche Vögel in der Nähe der Stadt Stuttgart im Norden von Arkansas.

Wasservögel, die versehentlich auf der Strasse landen

Die Geschichte kennt weitere, teils skurril anmutende Ursachen für plötzliches Vogelsterben. Meistens sind es schlechte Witterungen, welche die Tiere dahinraffen. So kommt es hin und wieder vor, dass Vögel eine Strasse mit einer Wasseroberfläche verwechseln und so bei der vermeintlich sanften Landung abrupt auf die Teerfläche prallen. Glauser erinnert sich an einen Fall vor einigen Wochen, als ein Schwan auf der Landebahn des bernischen Flughafens Belp landete. Das Tier kam mit dem Schrecken davon, nachdem es evakuiert wurden.

Weniger Glück haben Vögel, die von einem starken Windstoss auf die offene See hinausgetrieben werden. Der Wind ist für die Tiere zu stark, um wieder an Land zurückzukehren. «Entweder können sie auf einem anderem Kontinent wieder landen oder sie sterben unterwegs an Erschöpfung», so die Expertin vom Schweizer Vogelschutz.

Es sei aber vor allem die Vernichtung der Lebensräume, die zum Aussterben von Vogelpopulationen führt. «Verstärkter Siedlungsbau und die Intensivierung der Landwirtschaft setzen den Tieren am meisten zu», so Glauser.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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